Auch das zweite Dampflokfest des Jahres, das am Sonnabend und am Sonntag auf dem Gelände des Lokschuppens stattfand, war ein voller Erfolg. Der Veranstalter, der Verein Eisenbahnfreunde Traditionsbahnbetriebswerk Staßfurt, zählte rund 2000 Besucher aus ganz Deutschland.

Staßfurt l "Mit der Resonanz waren wir sehr zufrieden. Es lief alles so, wie wir es erwartet hatten. Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen der Besucher erhalten. Und auch das Wetter hat mitgespielt", zog der stellvertretende Vereins-chef Michael Brandes gestern im Volksstimme-Gespräch eine positive Bilanz.

Am Sonnabend seien drei Dampfloks und am Sonntag sogar vier in Betrieb gewesen. Möglich wurde das durch die Unterstützung der Eisenbahnfreunde aus Berlin-Schöneweide, die am Sonnabend mit einer Lok 528177 in Staßfurt zu Gast waren, sowie der Eisenbahnfreunde aus Leipzig-Plagwitz, die mit einer 528154 anreisten. Diese Loks wurden im Zweiten Weltkrieg für eine Nutzungsdauer von rund fünf Jahren gebaut und stehen heute noch unter Dampf, sagte Vereinssprecher Jürgen Krebs.

In den vergangenen Jahren kamen die Berliner stets mit einem kompletten Sonderzug.

Sehr gut kam bei den Besuchern die Möglichkeit an, im Führerstand einer Dampf- oder Diesellok mitzufahren und somit den Lokführern und den Heizern bei ihrer schweren Arbeit einmal über die Schultern schauen zu können. Gefragt war auch das Angebot der Dampflok-Gemeinschaft 41 096 aus Klein Mahner bei Salzgitter Bad. Sie war mit der Draisine "Karl" vom Typ Klv 11, Baujahr 1959, in Staßfurt vertreten. Dieser kleine Schienenbus, der eine Leistung von 28 PS aufweist, kann bis zu 70 Stundenkilometer aufdrehen. Auf solchen Rangiergleisen wie in Staßfurt seien jedoch nur 20 Stundenkilometer drin, sagte Triebfahrzeugführer Lutz Bader, der zugleich 2. Vorsitzender der Dampflok-Gemeinschaft ist. Das geringe Tempo, das die Draisine vorlegte, hielt Interessenten nicht von einer Mitfahrt ab.

Mit einem langgezogenen Pfiff der unter Dampf stehenden Lokomotiven wurden die beiden Festtage jeweils um 9 Uhr angepfiffen. Dabei standen auch die beiden vereinseigenen Lokomotiven unter Dampf.

Neben den Fahrten auf der Drehscheibe fanden auch die beliebten Dampfgüterzugfahrten auf dem Gelände statt. Dieser Anblick ist bei den passionierten Eisenbahnfreunde aus ganz Deutschland ein beliebtes Foto- oder Filmmotiv.

Die Loks hatten ihren Einsatzort stündlich gewechselt. Dadurch konnten alle 20 betriebsfähigen Lokomotiven an den Stationen Lokschuppen mit Drehscheibe, Lokmitfahrt für Besucher und Fotogüterzug im Einsatz fotografiert werden.

Außer den betriebsfähigen Dampflokomotiven gab es noch viele andere eisenbahntechnische Exponate zu bestaunen. Dazu gehörten auch die älteste noch erhaltene Einheitslok Deutschlands aus dem Jahre 1926, die legendäre Schnellzuglok 01 005 und die elektrische Schnellzuglok E 04 07 aus dem Jahr 1933. Eines der wenigen noch erhaltenen Exemplare der Dampfschneeschleuder-Bauart Henschel und zwei Dampfspeicherloks waren ebenso zu sehen wie weitere Dampflokomotiven, Dieselloks der Leistungsklassen von 80 bis 2000 PS, Dieseltriebwagen, Gleiskraftwagen und Gastfahrzeuge.

"Star des Festes war zweifellos die schwere Güterzuglok 44 1486. Von dieser einst in Europa weit verbreiteten Bauart gibt es weltweit nur noch drei betriebsfähige Exemplare. So ist diese Staßfurter Lokomotive ein im Salzlandkreis und Mitteldeutschland einmaliges touristisches Kleinod geworden", so Pressesprecher Krebs.

Bestaunt werden konnte in der historischen Werkstatt auch eine alte Maschine aus dem Jahr 1906, an der ein Kollege zwei Wochen gebaut hat, bis sie wieder funktionierte, sagte Brandes.

 

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