Für die Staßfurter Stadtgeschichte ist die Arbeit von Michael Reuter bedeutend. Er hat Texte des Archivars Hans Rieger in einem Buch zusammengestellt. Es ist die erste Sammlung von Rieger-Texten.

Staßfurt l Hans Rieger (1871-1946) ist einigen Staßfurtern, nicht nur den geschichtlich Interessierten, ein Begriff. Er kam Ende des 19. Jahrhunderts in die Bodestadt und arbeitete als Arzt. Der engagierte und sehr beliebte Wahl-Staßfurter war nicht nur in der Kommunalpolitik aktiv, sondern wirkte auch als ehrenamtlicher Stadtarchivar und Chronist in seiner neuen Heimat. Seit 1910 war er Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Staßfurt.

Hans Rieger brachte mehrere Bücher zur lokalen Geschichte heraus und schrieb Artikel für Zeitungen. Mit Beginn des Nationalsozialismus konnte er ab 1933 nur noch anonym publizieren.

Den Nationalsozialismus überlebte Rieger. Im Athenslebener Weg liegt heute ein Stolperstein zu seinen Ehren.

Über die Stoperstein-Aktion hat Michael Reuter, der die Verlegungen am Gymnasium mit den Schülern organisiert, auch Ariane Böhnert kennengelernt, die Enkelin von Hans Rieger. Diese hatte den Nachlass des Großvaters von ihrem Vater Paul Rieger, der bis zu seinem Tod ebenfalls als Arzt in Staßfurt wirkte, übergeben bekommen.

Sie stellte Michael Reuter Tonbandaufnahmen des Historikers, gesammelte Artikel, und handschriftliche, unveröffentlichte Dokumente zur Verfügung.

Den Hauptteil der jetzt erschienenen und von Michael Reuter herausgegebenen Sammlung machen Riegers Schriften zur Stadtgeschichte der 1920er bis 1930er Jahren wie die "Chronik der Stadt Staßfurt" (1927) oder die Broschüre "Von den Straßen und Plätzen der Stadt Staßfurt" (1933) aus. Michael Reuter konnte einige Artikel aus dem "Staßfurter Tageblatt" oder dem "Lokalanzeiger", die Rieger wegen seines Judentums anonym veröffentlichen musste, seiner Autorenschaft zuordnen. Dazu kommen weitere Schriften, die sich thematisch außerhalb der Stadtgeschichte bewegen, zum Beispiel über jüdische Antiquitäten und ihre Bedeutung.

Den Rahmen um die historischen Betrachtungen bilden zwei persönliche Texte. Am Beginn der Sammlung steht der biografische Rückblick "In Staßfurt als Assistenz-Arzt im Jahr 1898" über Riegers Umzug nach Staßfurt. "Das ist ganz interessant zu lesen, wie Hans Rieger seine Ankunft in Staßfurt beschreibt. Es sind die Eindrücke eines Mannes, der neu in Staßfurt ist. Er beschreibt die gesellschaftlichen Verhältnisse in der damaligen Zeit sehr genau", sagt Michael Reuter. Den Schluss bildet ein Text von Ella Rieger, die die Verfolgung des Ehepaars im Nationalsozialismus beschreibt.

Von dorther rührt auch die Motivation von Michael Reuter, dieses Buch herauszugeben. "Es ist auch aus der Verpflichtung Hans Rieger gegenüber entstanden, der sich so für die Stadt und die Aufbereitung ihrer Geschichte engagiert hat", erklärt Michael Reuter. Rieger setzte sich auch noch für die lokale Geschichtsschreibung ein, als er im Nationalsozialismus von seinen Mitbürgern schikaniert und verfolgt wurde. "Mir geht es auch um eine Rehabilitation der Person."

Das Buch liegt in den Staßfurter Buchhandlungen und in der Stadtinformation bereit.