Viele hundert Mühlenfans sind Pfingstmontag in Groß Börnecke auf ihre Kosten gekommen. In der über 100 Jahre alte Motormühle von Hermann Constabel gab es für Interessenten ein schattiges Plätzchen und viele Infos bei laufenden Maschinen.

Groß Börnecke l Hinter den dicken Mauern der Motormühle ist es schön kühl. Müllermeister Hermann Constabel hat die erste Besuchergruppe empfangen und startet mit seiner Führung. Fachlich präzise erklärt Constabel, der an der Deutschen Müllerschule studierte, die historische Technik. Die Mühlsteine drehen sich. Dass die über 100 Jahre alte voll funktionsfähige Technik im Inneren der Mühle läuft, ist für den Laien von außen nicht sichtbar. Denn die Mühle, die der Urgroßvater von Hermann Constabel baute, ist eine Motormühle und sieht aus wie ein ganz normales Haus. "Mein Urgroßvater wollte unabhängig von der Windkraft sein", erklärt Constabel, dass seine Vorfahren die Technik einer Bockwindmühle, die sie vorher betrieben, in ein Gebäude auf mehreren Etagen einbauten und auf Motorbetrieb umrüsteten.

"Wir interessieren uns für alte Technik."

Die Besucher schauten sich das gern an. Ehepaar Döltz war eigens für die fachliche Führung aus Aschersleben angereist. "Wir interessieren uns für alte Technik", so Christa Döltz. Sie und ihr Mann waren das erste Mal in Groß Börnecke. Der Mühlentag ist für die Familie aber Pflicht und führt sie jedes Jahr in einen anderen Ort.

In Groß Börnecke strahlte die Sonne schon am Vormittag unermüdlich. "Es sind trotzdem so viele Leute da", freute sich Gudrun Constabel, die Frau vom Müllermeister, über das Interesse. Unter einem großen Schleppdach fanden alle, die danach suchten, ein schattiges Plätzchen. Wer wollte, konnte ein herzhaftes Mühlenbrot oder Zwiebelkuchen und Erbsensuppe probieren. Dabei sang der Männerchor vom Kultur- und Heimatverein ein Ständchen. Kinder tobten auf einer Spielstraße und in der ersten Etage der Mühle präsentierte sich in diesem Jahr das Kinder- und Jugendhilfezentrum "Am Wasserturm" mit einer Ausstellung.

Und die Angebote kamen an. Hermann Constabel zeigte sich gestern vom Verlauf der Veranstaltung, mit der er sich schon seit vielen Jahren zum Deutschen Mühlentag (siehe Infokasten) beteiligt, zufrieden. "Führungen, Führungen, Führungen ...", sagte er spontan darauf angesprochen, wie er die Aktion in diesem Jahr einschätzt.

Der Groß Börnecker denkt, dass rund 400 bis 500 Gäste die Veranstaltung besuchten. Bei freiem Eintritt wurde beim Schaumahlen die Verarbeitung des Getreides zu Mehl, Flocken und Schrot verständlich gemacht.

Constabel betreibt die Motormühle, wenn jetzt auch nur noch hobbymäßig, in vierter Generation. Auch Schulklassen schauen sich den Betrieb der Technik an. Von Jahr zu Jahr wachse das Interesse, berichtet der Groß Börnecker, dass die Nachfrage steigt. Umso mehr hat er ein Interesse daran, den Betrieb seiner Vorfahren und das Müllerhandwerk vorzustellen.

 

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