Neundorf l Mit Entsetzen musste Anita Gießler aus Neundorf mit ansehen, wie die Mitarbeiter einer von der Stadtverwaltung beauftragten Firma am Dienstag vor ihrer Haustür in der Elisabethstraße die Lindenbäume beschnitten haben.

"Ich bin ein Baumfreund. Wenn ich sehe, was die da gemacht haben, könnte ich weinen."

"Ich bin ein Baumfreund, wenn ich sehe, was die da gemacht haben, könnte ich weinen", sagte die Neundorferin und zeigte auf die an einen Marterpfahl erinnerenden Baumstümpfe vor ihrem Fenster, die nach dieser Aktion übrig geblieben sind. Dass ein Verschneiden der Straßenbäume notwendig sei, leuchte ihr ein, aber doch nicht so radikal und vor allen Dingen nicht in dieser Zeit, sagte Anita Gießler der Volksstimme.

Ein Anruf in der Staßfurter Stadtverwaltung führte für sie nicht zum Erfolg, denn die zuständige Mitarbeiterin war an diesem Tage nicht im Dienst. Gießler: "Ich habe auch die Mitarbeiter der Firma angesprochen. Die erklärten mir, dass sie das Verschneiden so gelernt haben." Für die Neundorferin ist das Ganze ein Unding, das sich nun schon das dritte Jahr in Folge wiederhole.

Auch für die Staßfurter Volksstimme war es schwierig in der Verwaltung Auskunft zu bekommen. Oberbürgermeister René Zok (parteilos) teilte uns nach mehrfachen vergeblichen Anrufversuchen im zuständigen Fachbereich mit, dass es sich bei dem Vorgang in Neundorf um eine normale Angelegenheit handele.

"Eine Linde wird immer bis auf den Stamm zurückgeschnitten", zitierte das Stadtoberhaupt die Gartenbauexperten. Für eine Linde sei der Juni der richtige Zeitpunkt für einen solchen Eingriff. Allerdings sei die dort tätige Firma aus Staßfurt von der Stadt darauf aufmerksam gemacht worden, zu prüfen, ob sich in den Bäumen Brutgelege von Vögeln befinden. Zok nimmt den Hinweis von Anita Gießler ernst und sicherte ihr eine Prüfung zu, ob korrekt gehandelt wurde. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Concordiastraße in Staßfurt. Auch dort habe es nach dem Formschnitt der Bäume Kritik gegeben.