Hohenerxleben l Ein Holländer in Eggersdorf. Eine Chinesin, ein Inder, eine Russin, Deutsche, Polen, Rumänen ... in der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie ... und: Ein Amerikaner in Paris, pardon in der Scheune ... sorgten kürzlich für Furore. Denn im Rahmen der 18. Hohenerxlebener Kulturtage und der Klänge-im-Raum-Festspiele fand in der Scheune neben dem Hohenerxlebener Schloss ein ganz besonderes Konzert statt.

Der dort lebende und gebürtige Iraner Vahid Shahidifar hat, gefördert durch die Kunststiftung Sachsen-Anhalt, hat ein Konzert für Santur (persisches Saiteninstrument) und Orchester geschrieben.

Das führte der Schauspieler, Musiker und Komponist unter der Leitung von Gerard Oskamp, Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, mit dem Schönebecker Orchester nun auf. Welch ein Gewimmel in der wieder einmal so liebevoll herausgeputzten Konzertscheune (Danke Scheunenbesitzer Familie Klein, Kultur- und Heimatverein, Feuerwehr)!

Das Publikum gab sich der Musik aus dem Morgenland hin, sog das Fremde ein. Für Vahid Shahidifar "...war das Fremde das Orchester...", verriet er in einem Gespräch am Rande. Das, was dem Hörer so vertraut abendländisch schien. Shahidifar spielte mit Hingabe, zauberte virtuose Läufe, ließ die Töne tropfen und sang im 2. Satz einer Kantilene gleich. Das Orchester begleitete sehr liebevoll und ließ das morgenländische Instrument strahlen.

Begonnen hatte der Konzertnachmittag mit dem Wetter entsprechenden Klängen, zwei spanischen Tänzen von Joaquín Rodrigo. Der berühmte spanische Komponist hatte diese der Ausnahmetänzerin und Kastagnettenvirtuosin Lucero Tena gewidmet, die wiederum den Kastagnettenpart dazu geschrieben hat.

Letzteren übernahm keine geringere als Friederike von Krosigk. Sie würzte beide Tänze mit feinem Rhythmusgefühl, modellierte mit differenziertem Klang und wartete allzeit mit exaktem Schlag auf. Ausdrucksvoll und authentisch musizierte sie vor Oskamps einfühlsamer Begleitung.

Nach der Pause erklang Georges Gershwins Suite "Ein Amerikaner in Paris" in der Orchestrierung von Martin Wettges. Das Stück wurde durch einen Europaaufenthalt inspiriert und gibt die Eindrücke eines amerikanischen Reisenden wieder, der durch Paris schlendert, den Straßenlärm sowie die französische Atmosphäre einsaugt. Gerard Oskamp vermittelte seinem Ensemble hier einen ausgeprägten Sinn für Farben und ließ sie sämtlichen Schwingungen nachspüren, die nur möglich waren.

Hier und da neigten die Kammerphilharmoniker mit ihrer Tempodramaturgie zur Überdeutlichkeit, was ein wenig den Fluss der musikalischen Entwicklung bremste. Die Zuhörer spürten den schönen solistischen Elementen nach und bejubelten am Ende die Interpretation mit dem reißerischen Zugang.

Ebenso temperamentvoll kam die Zugabe "Am Rio Negro" daher, die einen kleinen Vorgeschmack auf den kommenden Schönebecker Operettensommer gab.

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