Die Staßfurter Jazzband Fijazzko im Studio. Der Song "The Fatalist" entsteht. Die jungen Musiker setzten auf Perfektion bis ins Detail. In diesem Jahr haben sie sich viel vorgenommen, treten sogar in Amerika auf.

Staßfurt. "Können wir?", fragt Stephan Czuratis, Drummer der Band Fijazzko. Doch gerade schwingt er mal nicht die Sticks, sondern dreht an den Knöpfen des Mischpultes, steuert so die Klänge aus, die Saxophonist Sebastian Beyer einspielt. "Das war ganz gut", so die Einschätzung nach dem ersten Versuch. Sebastian soll einen Übergang spielen, alles soll improvisiert wirken und entsprechend Esprit haben. Kein leichtes Unterfangen bei einer Aufnahme. "Noch mal", kommt als Anweisung aus dem Technikraum in den Aufnahmeraum. "Spiel mit weniger Vibrato, und zieh ein Crescendo auf den letzten Ton", ergänzt Bassist Mario Bärecke und weiß dabei den Rest der Band hinter sich. Saxophonist Sebastian ist noch skeptisch. "Warum?", fragt er. "Keiner weiß warum, aber alle wollen es so", sagt Mario Bärecke und lächelt. Weil er selbst Musiker bei Fijazzko ist, weiß er, dass über den Gesamtklang alle gleichermaßen entscheiden.

Fijazzko arbeiten gerade am neuen Song "The Fatalist", so spannend wie die Aufnahme, ist die Entstehungsgeschichte. Die Idee zur Musik kam Stephan Czuratis und Sänger Robin Stengel bereits im Sommer. Im November hatte das Stück Premiere im Staßfurter Salzlandtheater bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Jetzt nimmt Fijazzko das Stück auf, nicht ohne vorher noch einen Text dazu schreiben zu lassen. Gerade weil die Band "The Fatalist" aufnehmen und damit in gewisser Weise verewigen will, arbeiten die Musiker im Studio mehr als akribisch. "Wenn wir die Idee zu einem Stück haben, schlagen wir es in der Bandprobe vor. Alle sagen was dazu, alle haben Ideen", sagt Stephan Czuratis. Weil die Fijazzko-Macher annähernd einen ähnlichen Musikgeschmack haben, kommt man bei Stückideen schnell überein.

"Man entwickelt sich nur weiter, wenn man eigene Songs macht"

Ans Handwerk geht es danach, wenn die Musik arrangiert, also für die Besetzung der Band mit Saxophon, Gitarren, E-Piano, Bass und Schlagzeug eingerichtet werden soll. Richtig viel "Übung" hat die Band dabei schon gesammelt. In den Programmen von Fijazzko tauchen Stücke von Jamie Cullum oder Rihanna gleichermaßen auf, die im Jazz-Swing-Chill-Stil der Staßfurter Band übersetzt werden. "Es macht unheimlich viel Spaß, die Lieder, die im Radio hoch- und runterlaufen, einmal anders zu spielen. Die Zuhörer lassen sich dabei gern überraschen", sagt Stephan Czuratis. Doch die Richtung ist eine andere, ergänzt Robin Stengel. Fijazzko will in Zukunft nicht nur mit typisch-eigenem Klang überzeugten, sondern auch mit eigenen Songs. Rund zehn dieser Selbstkreationen bereichern bereits die Konzertprogramme der Band. Wie bei den Arrangements von Rock- und Poptiteln geht es den Musikern bei Eigenkompositionen darum, den Fijazzko-eigenen Sound zu finden. "Man entwickelt sich nur weiter, wenn man anfängt, eigene Songs zu machen", sagt Sebastian Beyer. Nach den ersten vier Jahren des Soundfindens sei es jetzt eine "logische Konsequenz", die Ideen in den Köpfen musikalisch umzusetzen.Wenn der Saxophonist das beschreibt, klingt das alles andere als mechanisch, sondern zeigt im wahrsten Wortsinn einen Reifeprozess.

Klar, dass sich Fijazzko diesen Entwicklungsstand als Maßgabe für eine Studioaufnahme setzt. Prinzip ist, dass alles, was aufgenommen wird, mehr als einmal live und in möglichen Varianten erprobt ist. Im Studio dann Hochkonzentration vor den Mikros und hinter den Mischpulten. Die Stimmung bei der Band ist nicht streng, die Jungs und Sängerin Kerstin Beyer erlauben sich auch viel Spaß, aber bei der kritischen Bewertung der einzelnen Aufnahmen werden keine Gefangenen gemacht.

"Es ist interessant auch diese Seite des Musikmachens kennenzulernen"

Sebastian Beyer steht in der Aufnahmekabine, allein, mit seinem Saxophon. Hinter der Scheibe an den Mischpulten sitzen Stephan Czuratis, Mario Bärecke, Martin Jamrath und Robin Stengel. Nach jedem Versuch schauen sich die Vier fragend an. Immer und immer wieder spielt der Saxophonist, bis das Ergebnis nicht nur ihm, sondern auch allen anderen gefällt und ins Lied passt.

Die Studioatmosphäre ist eine andere, als die auf der Bühne oder im Probenraum. Einzelne Takes, Abschnitte des Songs, werden von den Instrumenten für sich allein, selten im Zusammenspiel aufgenommen. Meist in größeren Abschnitten, manchmal im Detail wird die Musik seziert, Fijazzko auf der Suche nach den klanglichen Trüffelstücken. Würden alle zusammen spielen, würden die auf einzelne Instrumente abgestimmten Mikros die anderen Instrumente mit aufnehmen. Der Klang der Aufnahme wäre verfälscht. Also bekommt jeder Klang seine eigene Spur, bedeutet: Jeder spielt für sich allein ein. "Das ist manchmal auch Stress, ein großer Erwartungsdruck lastet auf einem", sagt Kerstin Beyer. Doch man habe zum Glück auch viele Versuche. Die Bandmitglieder spielen nicht nur ein, sondern nehmen auch die technische Nachbearbeitung vor und mixen ihre Songs dann beispielsweise auch selbst. Das, was technisch dazu notwendig ist, haben sich die Musiker selbst angeeignet. "Der Vorteil der Band ist, dass alle selbst auch eigene Gruppen leiten und einen weiten musikalischen Horizont haben. Deshalb ist jeder zwar spieltechnisch auf ein Instrument festgelegt, man kann aber auch beim Klang der anderen Instrumente mitreden, was schließlich das Gesamtkolorit ausmacht", meint Sebastian Beyer. "Es ist interessant auch diese Seite des Musikmachens kennenzulernen."

Aufgenommen ist der Song inzwischen. Jetzt wird noch daran gearbeitet. Das Stück soll auf den etablierten Internetseiten – längst vorbei die Zeiten vom CD-Kauf – zum Runterladen angeboten werden.

Live sind Fijazzko am 26. März im Staßfurter Salzlandtheater zu erleben. Dann gibt es bereits zum elften Mal "Jazz im Tillysaal", und im Landhof Kunze Förderstedt erlebt im Sommer eine "Scheunenparty" ihre zweite Auflage nach der Record-Release-Party der Fijazzko-CD 2010. Aber es gibt für die Bandmitglieder auch zwei echte Highlights. Mit dem Jugendverein "Elf" aus Aschersleben wird Musik von "Supertramp" mit deutschen Texten auf die Bühne gebracht. "Die Songs bleiben, wir arrangieren sie aber für uns neu", sagt Stephan Czuratis, der sich wie die anderen Musiker schon auf das musikalische "Würzen, Verfeinern und Vereinnahmen" freut. Die Aufführungen wird es im Oktober und November 2011 geben.

"Im Sommer geht es mit Blue Lake nach Amerika"

Und schließlich sind Staßfurter Jazz-Klänge erstmals überm "großen Teich" zu hören. Im Rahmen des Blue-Lake-Projektes spielt Fijazzko auf Einladung amerikanischer Freunde im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Chicago und Detroit sind nur zwei der Ziele. Mindestens sieben Konzerte spielt die Band insgesamt auf ihrer Tour vom 17. August bis zum 4. September. In den Blue Lake Fine Arts Camps kommen Jahr für Jahr junge amerikanische Musiker zu Proben zusammen. Einzelne Formationen, Blasorchester, Chöre und Sinfonieorchester touren dann durch Europa. Und Stephan Czuratis hat sich als Mitglied im Staßfurter Theaterförderverein um das Blue-Lake-Projekt im Salzlandkreis verdient gemacht.

www.fijazzko.de