Westeregeln l Kaum ein Stoff hat die Menschen vor Tausenden Jahren bereits so fasziniert wie der Ton. Die Eigenschaften des Materials sind es, die die Menschen früh erkannten und mit technischen Hilfsmitteln zu nutzen wussten.

In Westeregeln steht mit der Alten Ziegelei eine technische Anlage, die bis nach dem Mauerfall aus dem Ton der nahen Umgebung Ziegel produzierte. Als hätte ein Zauberer die Anlage in einen Schlaf versetzt, steht der Koloss in der Landschaft. Nur ab und zu wird er zum Leben erweckt. Wie am Wochenende, wo sich die Räder der Maschinen wieder einmal drehten bei den Vorführungen im Innern des großen Ziegelbaus.

Zwar war das Publikum nicht so zahlreich, wie in vorangegangenen Jahren, meinte Christine Urbat vom Förderverein der Ziegelei. Dennoch seien die Besucher sehr viel interessierter gewesen, lobte sie. Da das Gelände aus der Perspektive des Menschen recht unübersichtlich ist, gibt es ein großes Modell von der gesamten Anlage. Hier erklärt Christine Urbat den Besuchern, wie das Werk einst funktionierte.

An den Gruben neben der Ziegelei ist zu erkennen, wie viel Material dem Boden zur Ziegelherstellung entnommen wurde. Allerdings würde das noch vorhandene Erdmaterial wohl reichen, um weiter mit der Produktion fortzufahren. Heute spielen neben den Ziegeln aber auch andere Baustoffe eine große Rolle. Der Ziegel in seinen verschiedenen Farbtönen ist heute vor allem auf dem Dach sehr verbreitet. Als Baustoff für Mauern und Häusern findet er, abgewandelt als Hohlraumziegel, aber heute noch vielfach seinen Platz. Dabei dominierte der Ziegel vor mehr als 100 Jahren den Bausektor. Vor allem in Norddeutschland prägte der Baustoff die öffentlichen Bauten nachhaltig, verweist Christine Urbat.

Weit vor dem Bau der Ziegelei in Westeregeln wurden die Menschen auf die besondere Zusammensetzung des Bodens aufmerksam. Denn auf dem Gelände der Ziegelei haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter Gipshütten im Boden freigelegt. Lange wurde am Kalkberg Gips gebrannt. Erst vor etwas mehr als 200 Jahren kam die Ziegelei dann dazu.

Viel gibt es während des Ziegeleifestes für die Besucher auf dem Gelände zu entdecken. Die ehrenamtlichen Führer sprühen außerdem vor Wissen. Viele Menschen der Region sind nach wie vor von der Anlage fasziniert, weiß Christine Urbat.

Vor allem wenn sie den längsten Ringofen Europas aus der Nähe betrachten, wie der Förderverein propagiert. Dass der ausgerechnet in Westeregeln aufgebaut wurde, dafür liefert Christine Urbat auch die Erklärung. Der Erfinder wurde gleich in der Nachbarschaft geboren. Das sei Grund genug gewesen, den Ringofen auf die riesige Größe auszubauen, um so die Massenproduktion noch deutlich zu steigern, meinte sie am Wochenende.