Wer in Staßfurt in Geselligkeit Fußball gucken will, bleibt am besten zuhause. Denn das Angebot für "Public Viewing" ist bis auf wenige Ausnahmen rar. Grund ist aber nicht der Unwille der Gastwirte.

Staßfurt l "WM-Gucken? Nee, so etwas machen wir nicht!" Das war die häufigste Antwort bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Staßfurter Volksstimme unter rund 30 Gaststätten, Hotels und öffentlichen Einrichtungen.

Auch Einrichtungen wie der Tierpark, das Strandsolbad oder der Albertinesee verzichten auf das WM-Schauen in Gemeinschaft. Die Gaststätte am Stadion der Einheit ist geschlossen, auch dort gibt es kein "Public Viewing" mehr. Nur wenige Gastwirte in Staßfurt und Umgebung bieten das gemeinschaftliche Fußballschauen an - meist auch nicht auf einer Leinwand, sondern auf einem Fernseher im Gastraum.

Grund für die Staßfurter "Fußball-Flaute" sei aber nicht, dass mit den Gastwirten hier nichts los sei, erklärt Ronny Stephan, Betreiber des Löbnitzer Hofs. "Die WM lohnt sich für Gastwirte kaum", sagt er. Für das Sky-Paket zur WM, das es speziell für Public Viewing gibt, zahlt er für den Löbnitzer Hof 299 Euro pro Monat. Ist der Gastraum doppelt so groß, muss der Inhaber 499 Euro pro Monat locker machen. Ohne Sky - nur für die GEMA - seien es rund 100 Euro pro Monat für einen kleine Gastraum.

"Wenn ich diese Gebühren habe, muss ich das als Gastwirt wieder reinholen. Das wird schon schwierig", sagt er. Außerdem werden die WM-Spiele bald noch später in der Nacht ausgestrahlt. Das seien für Gast und Gastronom unfreundliche Zeiten. Trotzdem lädt Ronny Stephan auch dieses Jahr zur WM. Vielleicht wird es ja wieder so spannend wie im vergangenen Jahr und im Löbnitzer Hof wird gejubelt, was das Zeug hält.

Im tristen Fußball-Staßfurt gibt es aber einige Lichtblicke. Das Salzlandcenter hat eine große Leinwand im Restaurantbereich aufgebaut und zeigt alle Deutschland-Spiele. Ein Mekka der Fans wird sicherlich die D3 Cafébar in der Staßfurter Steinstraße werden. Hierher kommen die Gäste in voller Verkleidung, mit "Kriegsbemalung" und in Trikots, erzählt die Inhaberin Doreen Schliwa. Sie und ihre Familie sind sportverrückt. Die Bar ist voller WM-Deko, die Kellnerinnen bedienen im Trikot. "Ich habe auf der Terrasse eine Leinwand aufgebaut und für die `Frier-Katzen` drinnen noch eine Leinwand", sagt Doreen Schliwa. Bei ihr lohnt sich die Mühe um den fußballbegeisterten Gast: "Bei den Spielen war meine Bar immer ausverkauft."