Staßfurt l "Wir sind arg erbost, dass wir das so kurzfristig aus der Zeitung erfahren haben", sagt Uwe Büttner. Er ist stinksauer. In seinem Geschäft am Hohlweg hat er gestern Morgen Gewerbetreibende und Vermieter von Hohlweg und Prinzenberg versammelt. Sie sind fest entschlossen, sich bei der Stadtverwaltung zu beschweren.

Denn ab heute ist der Prinzenberg und der Hohlweg, die nur in eine Richtung befahrbar sind, gesperrt. Über Seitenstraßen wie die Pfännerhöhe können Autos zwar in die Nähe der Straßen gelangen, aber für Laster, die die Geschäfte beliefern, sieht es in diesen engen Gassen schlecht aus. Die Sperrung soll voraussichtlich bis 31. Juli andauern.

"Für uns ist Sperrung existenzbedrohend", sagt Monika Ibsch. Ihr Landhaus liegt direkt am Hohlweg Die Gäste könnten ausbleiben, befürchtet sie. "Mein Schwiegersohn ist ja noch mit unserer Gulaschkanone unterwegs. Er muss regelmäßig ins Landhaus kommen und Essen nachfüllen", erklärt sie. "Mit der Gulaschkanone kommt er aber nicht durch die enge Pfännerhöhe." Genauso ärgert sich Susann Heller. Sie bekommt mit dem Laster regelmäßig Papier geliefert und muss fertige Drucksachen abtransportieren lassen.

Die Händler sitzen bei Uwe Büttner im Geschäft und rätseln, welche Seitenstraßen ihre Lieferanten wohl nutzen könnten: "Die Petrikirchstraße sieht aus wie nach dem Krieg", sagt Matthias Büttner, der das Geschäft mit seinem Vater führt, über eine mögliche Ausweisroute am Prinzenberg.

"Jede Waschmaschine wird bei uns mit dem Laster angeliefert. Das geht so nicht", ärgert sich Uwe Büttner weiter. Seine Lieferanten - acht verschiedene Speditionsunternehmen - werden ihm wohl kaum den Gefallen tun, die Elektrogeräte per Hand zu ihm zu tragen.

"Das Allerschlimmste an der Sache ist, dass wir erst am Sonnabend aus der Zeitung davon erfahren haben. Man hätte sich ja darauf einstellen und Lieferungen verschieben oder Urlaub nehmen können ", so Uwe Büttner. "Heute aber ist es zu spät."

Zusammen mit Harald Weise, der sich als Vermieter der Arztpraxen am Prinzenberg 1 Sorgen macht, wie die Patienten zu den Ärzten gelangen sollen, und Undine Rosenthal, die um die Kundschaft ihres Schmuckladens fürchtet, machen sie sich auf ins Rathaus. Sie wollen mit dem Verkehrsplaner der Stadt, Günther Roddewig, sprechen und Vorschläge machen, wie die Situation verbessert werden könnte.

Bei der Besprechung allerdings wurde die Presse des Rathauses verwiesen. Daher nur zusammenfassend: "Wirklich herausgekommen bei dem Gespräch ist nicht viel", sagt Matthias Büttner im Nachgang. Wolfgang Kaufmann, Fachbereichsleiter bei der Stadt, der noch zur Besprechung hinzugestoßen ist, teilt mit, dass die Vollsperrung heute auf jeden Fall beginnt und zunächst keine alternativen Routen angeboten werden. Prinzenberg und Hohlweg sind damit nicht erreichbar.

Wolfgang Kaufmann sagt auch: "Einen Teil der Kritik muss ich einstecken, das ist richtig". Die späte Information über die Zeitung sei aber auch der Sache an sich geschuldet.

Den Bodebrückenbau führt nicht die Stadt, sondern das Land beziehungsweise die Landesstraßenbaubehörde aus. "Dass es eine Vollsperrung geben wird, war zwar schon lange angekündigt, aber auch wir bei der Stadt wussten nicht, wann genau der Bau soweit fortgeschritten sein wird, dass die Vollsperrung eintritt", so Kaufmann. Diese Information habe die Stadt auch nur kurzfristig von der Landesstraßenbaubehörde bekommen.

Weiterhin haben sich Stadtverwaltung und Händler einen Termin für kommenden Montag ausgemacht. Hier sollen mit der Landesstraßenbaubehörde und dem Oberbürgermeister mögliche Ausweichrouten für die Händler und ihren Lieferverkehr gefunden werden. Kaufmann meint: "Da werden wir sicher eine Lösung finden."

Was Rettungsfahrzeuge betrifft, sei alles geregelt. Die Leitstelle, die die Fahrzeuge koordiniert, sei informiert.