Staßfurt/Neundorf l Während vergangene Woche einige Bürger zu Wort kamen, denen der Baumschnitt in Staßfurt und Neundorf zu radikal war, melden sich nun jene zu Wort, die gern mehr Baumschnitt sehen würden.

Ein Beispiel dafür ist wieder die Charlottenstraße. Am Ende der Straße gab es Aufregung über "verunstaltete" Bäume, die jetzt weder Grün geschweige denn überhaupt noch Astwerk haben. Ein Stück weiter vorn in der Straße, wachsen die Linden aber so sehr, dass sie eine Gefahr für die Fenster von Peter Gossmann sind. "Wenn ich mein Schlafzimmerfenster in der oberen Etage aufmache, dann ragen die Äste in den Raum hinein", sagt er. Er fühle sich dann, als sei er im Urwald.

Im Erdgeschoss konnte er die Fenster nicht mehr öffnen. Die Ästen drohten, das Glas zu beschädigen. "Ich musste hier alles selbst wegschneiden", erklärt er. Dasselbe habe er vor dem Fenster seiner älteren Nachbarin getan. "Was bleibt mir denn anderes übrig, wenn die Stadt das nicht macht?"

Gefährlich findet er, dass die Linden vor seiner Haustür - sie stehen nicht mehr als 1,5 Meter weg vom Haus - in die Stromleitungen hineinragen. "Wenn es mal regnet, dann springen hier die Funken", sagt Peter Gossmann. Seltsam findet er auch, dass die Bäume in seiner Straße ausgerechnet dort beschnitten wurden, wo keine Vorgärten sind und der Gesamteindruck nun ein ziemlich kahler ist. Er und seine Nachbarn aber haben Vorgärten, hier würde es auch ohne ausladende Bäume noch grün und freundlich genug aussehen.

All die anderen Jahre habe die Stadt hier ordentlich beschnitten, nur dieses Jahr nicht. "Ich habe dann gleich beim Oberbürgermeister angerufen", erzählt Peter Gossmann den Werdegang seiner Beschwerde. Er habe sich zunächst gefreut, dass dieser ihn zurückrief und die Sache erklärte.

"Aber trotzdem geht das so nicht", meint Peter Gossmann. Das Geäst an seiner Fensterscheibe ist Beschädigung von Wohneigentum. "Die Stadt soll etwas tun, es muss ja nicht gleich so extrem aussehen wie dort vorn", zeigt er auf das Ende der Charlottenstraße.

Oberbürgermeister René Zok sagt auf Volksstimme-Anfrage, dass die Baumschnittarbeiten in der Charlottenstraße auf der Hälfte unterbrochen wurden. Die anderen Hälfte werde noch nachgeholt. "Das machen wir noch", sicherte er zu.

Dass beim Baumschnitt die Waage gehalten werden muss zwischen Bürgern, die den Radikal-Schnitt unschön finden und jenen, die ihre Häuser nicht beschädigt sehen wollen, hat der Oberbürgermeister bereits in seiner Stellungnahme (wir berichteten) klar gemacht.

"Bäume in der Stadt zu erhalten ist immer eine Gratwanderung zwischen Baumschutz, Naturschutz und den Schutzbedürfnissen der Menschen und deren Eigentum", informierte er.

Die Mitarbeiterin der Verwaltung, die für den Umweltschutz zuständig ist, sei eine regelrechte Baumschützerin, erzählt der Oberbürgermeister. Wenn sie den Radikalschnitt anordne, dann sei dies das letzte Mittel.

Auch die Linde vor dem Haus von Peter Gossmann müsste eigentlich den "Radikal-Schnitt" bekommen, sonst treibt sie bald wieder extrem aus. Fakt ist aber, dass die Stadt die Baumschnittarbeiten jetzt aussetzt. Dies sei nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Salzlandkreises geschehen.

"Nach dem Aufschrei in der Bevölkerung haben wir uns dazu entschlossen, die Arbeiten zu unterbrechen", erklärt Zok. Der Radikal-Schnitt habe kein Verständnis in der Bevölkerung gefunden. Der Baumschnitt wird erst wieder im September fortgesetzt. Der Oberbürgermeister bittet die Bürger in dem Zuge um Verständnis.

Bilder