Biere l "Ja, bitte? Sind Sie sicher, dass der Pressetermin heute ist?" Die Dame vom Betriebsschutz kontrolliert die Einladung. Wer an ihr vorbei will, muss einen guten Grund haben. Muss etwa zu den Leuten gehören, die in Deutschlands größtem Rechenzentrum arbeiten. Oder aber Journalist sein, um - zumindest kurz vor der offiziellen Inbetriebnahme - zu Johannes Krafczyk durchzudringen, der bereits einige Medienvertreter um sich geschart hat. Ihnen will der Generalbevollmächigte für den Bau der Anlage das weitläufige Gebäude zeigen.

"Was wollen Sie denn sehen?", fragt er in die Runde. Was gibt es denn zu sehen, lautet die Gegenfrage. "Wir werden Ihnen auf jeden Fall nicht den IT-Bereich zeigen", schränkt Krafczyk ein, das sei aus Wettbewerbsgründen nicht vertretbar. Es sei aber möglich, von den acht IT-Räumen einen in Augenschein zu nehmen, nämlich den, der für Testzwecke genutzt wird, um die Technik und den Umgang mit ihr auszuprobieren.

So groß wie ein Fußballfeld ist das neue Rechenzentrum der Telekom-Tochter T-Systems im Gewerbegebiet des Börland-Ortes Biere, hinzu kommen auf dem Gelände "Am Schiens" ein Empfangsbereich und ein Verwaltungsgebäude. Rund 30000 physische Server (ein Server ist, kurz gesagt, ein Computer oder ein Computerprogramm innerhalb eines Netzwerkes von Computern, auf den zugegriffen werden kann) werden im Rechenzentrum betrieben. "Die Andockschleusen am Gebäude für die Lkw sehen aus wie bei Lidl oder Aldi, nur mit dem Unterschied, dass hier nicht Obst und Gemüse angeliefert werden, sondern Server", macht Krafczyk auf die vorherrschenden Dimensionen aufmerksam.

Es wird schnell deutlich, dass im Rechenzentrum höchster Wert auf Sicherheit gelegt wird, in jeder Beziehung. Hunderte von Detektoren und Sensoren sind verbaut worden, die jede Bewegung, jede Temperaturschwankung feststellen und zu einer Sicherheitszentrale im Erdgeschoss senden. Wer die einzelnen Räume, Schleusen und Flure passieren will, braucht eine mit bestimmten Daten programmierte Magnetkarte, sonst geht keine Tür auf.

Sicherheit wird auch groß geschrieben in punkto Betrieb des Rechenzentrums. Die Stromzuführung für jeden einzelnen Server ist doppelt ausgelegt. Zum einen liegt eine Leitung über die normale Stromversorgung (110 KV-Strecke) an, eine andere speist sich aus eigener Stromproduktion im Hause. Die ist technisch so ausgetüftelt, dass bei einem Stromausfall im öffentlichen Netz bereits nach einer Millisekunde die Notstromversorgung anspringt. Denn es gibt Kunden, erläutert Benjamin Fischer, der ab sofort als Sprecher des Rechenzentrums fungiert, die sich keinen, aber auch überhaupt keinen Stromausfall leisten können, ohne dass ihr Betriebssystem großen Schaden nimmt. T-Systems garantiere eine eigene Stromversorgung bis zu 72 Stunden, so viel Diesel und Öl ist im hauseigenen Kraftwerk. Dessen Herzstück bildet eine vier Tonnen schwere Schwungmasse.

Fischer und Krafczyk führen alsdann in die Brandschutzzentrale. Im Brandfall käme Stickstoff zum Einsatz, erklären sie. So könne der Sauerstoffgehalt in den Räumen auf unter 15 Prozent gedrückt werden. Menschen würden das Ganze aber überleben, versichert Krafczyk.

Eine der größten technischen Herausforderungen sei es, die Hitze, die die vielen Rechner ausstrahlen, herunter zu kühlen. Über eine effiziente Klimatisierung gelinge das. Mehr noch, das Rechenzentrum arbeite mit 30 Prozent weniger Energieverbrauch als vergleichbare seiner Art.

Die Frage nach dem Investitionsvolumen indes bleibt unbeantwortet. Hier sei von den Investoren Stillschweigen vereinbart worden, sagt Krafczyk.

Übrigens: In Magdeburg steht ein baugleiches Rechenzentrum, in dem alle Daten aus Biere widergespiegelt sind, um Datenverlusten entgegen zu wirken. Doppelt hält besser.

(siehe auch Seite 1 und Seite 3 in der heutigen Ausgabe)

   

Bilder