Sie sollen Streife gehen, Volksfeste absichern, in Schulen und Seniorenheimen Prävention leisten und überall dort auftauchen, wo polizeiliche Unterstützung nötig ist. In Bernburg sind gestern die ersten sechs Regionalbereichsbeamten für den Salzlandkreis vorgestellt worden.

Schönebeck/Staßfurt l Regionalbereichsbeamte nennen sich Polizisten, die ab sofort als direkte Ansprechpartner für die Bürger fungieren. Im Revier des Salzlandkreises in Bernburg hat Revierleiter Eckehard Peters gestern vor Journalisten die ersten sechs Kollegen vorgestellt. "Das ist ein wichtiges Element der Polizeistrukturreform", verwies Peters auf die vom Land Sachsen-Anhalt angestrebten Veränderungen in der Polizeistärke. Kurz gesagt: Insgesamt wird es künftig - dem Einwohnerschwund geschuldet - weniger Polizisten geben. Die Polizeipräsenz jedoch soll eher erhöht werden. Ein wichtiger Baustein dazu ist die Etablierung der Regionalbereichsbeamten.

Auf eine Verwaltungseinheit kommen zwei bis drei Regionalbereichsbeamte.

Das Revier in Bernburg hat die Polizisten vorgeschlagen, die Polizeidirektion Nord in Magdeburg hat sie bestätigt. Zu den ersten sechs Regionalbereichsbeamten gehören:

Kommissarin Krystina Michaelis (52) und Oberkommissar Benno Puschke (58) für den Bereich Könnern und Umland.

Polizeiobermeisterin Annett Kahl (40) und Polizeihauptmeister Jörg Offenborn (46) für Aschersleben und umliegende Ortschaften.

Polizeihauptmeisterin Petra Peters (47), Polizeihauptmeisterin Brigitte Horn (55) und Polizeiobermeisterin Marion Schulz (56) für Schönebeck.

Die Beamten für Bernburg sollen demnächst benannt werden, ebenso für Staßfurt und weitere Verwaltungsbereiche im Salzlandkreis.

Zur Erläuterung: Je nach Einwohnerzahl kommen auf eine Verwaltungsgemeinschaft oder Einheitsgemeinde zwei bis drei Regionalbereichsbeamte, im Salzlandkreis gibt es 13 Verwaltungsgemeinschaften/Einheitsgemeinden.

Zu den ersten Aufgaben der besonders bürgernahen Polizisten gehört es jetzt, sich in ihren Bereichen bekannt zu machen, Verbindungen herzustellen etwa zum Bürgermeister, zum Ordnungsamt, zu Schulen, Jugendbetreuungseinrichtungen, Sportclubs, Senioreneinrichtungen, Betrieben und anderen Institutionen. "Sie müssen wissen, wer zum Beispiel Leiter einer Verkaufseinrichtung ist, Tankstellenpächter oder die Schlüsselgewalt hat für ein Geldinstitut, um im Fall des Falles schnell einen Ansprechpartner zu haben", sagte Revierleiter Peters.

Da einige Beamte aus der Sechsergruppe bereits als Kontaktbeamte eingesetzt waren, sind sie quasi eingearbeitet und in der Region bekannt. Der Unterschied zwischen den bisherigen Kontaktbeamten und den Regionalbereichsbeamten besteht in deren größerer Unabhängigkeit von den Polizeistationen. "Die Kollegen haben ein besonders hohes Maß an Eigenverantwortung bei der Planung der Dienstzeiten", erklärte Peters.

Im Oktober sollen im Salzlandkreis "Streifenkreise" eingerichtet werden.

Im Dienst werden sie zu zweit, zu dritt oder allein sein, je nach Aufgabe. So könne einer Woche mit 50 Dienststunden eine Woche mit 30 Dienststunden folgen.

Ihr Domizil haben die jetzt benannten Beamten in den Räumen der bestehenden Revierkommissariate, beziehungsweise in ehemaligen Dienststellen. Peters ist für einige Beamte noch auf der Suche nach Liegenschaften. Er geht davon aus, dass bis Jahresende alle ein Dach über dem Kopf haben. Streifenwagen stehen bei Bedarf zur Verfügung, die meisten Wege werden die Beamten aber wohl zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.

Problematisch könnte es werden, wenn ein Kollege aus Krankheitsgründen ausfällt. Peters gab auf Nachfrage zu verstehen, dass ein Ersatz aus den Revieren dann nicht zur Verfügung stehe, weil dieser Kollege wiederum dort fehlen würde. Vor den Journalisten nahm er Stellung zu den weiteren Vorgaben der Polizeistrukturreform. Er sprach von vier "Streifenkreisen" mit einem Durchmesser von 24 Kilometern, die ab Oktober eingerichtet werden sollen. In diesen Streifenkreisen verrichten Polizeibeamte aus den vier Dienststellen Staßfurt, Aschersleben, Bernburg und Schönebeck den Sofortdienst. Sprich: Geht ein Notruf ein, kommen nicht die Regionalbereichsbeamten, sondern ihre Kollegen aus den Revieren. Koordiniert wird ihr Einsatz GPS-gesteuert über eine Leitstelle in Magdeburg. Je nach Tageszeit können zwischen vier als Minimum und bis zu 20 Funkstreifenwagen im Salzlandkreis im Einsatz sein.

Für die sechs bürgernahen Polizisten gilt es nun also, Präsens zu zeigen durch Streifentätigkeit. Befragt danach, ob die Weisung für diese alles in allem neue Form der polizeilichen Tätigkeit von oben kam, gaben die sechs Beamten eine verneinende Antwort. Annett Kahl aus Aschersleben betonte: "Das ist das, was ich mir vorgestellt habe." Da ihr Ehemann im Dreischichtsystem arbeite, könne sie durch die flexiblen Arbeitszeiten die Aufgabe der Kinderbetreuung mit ihm einteilen.

Auch Petra Peters aus Schönebeck sieht in der neuen Aufgabenstellung für sich Vorteile. "Ich bin mit Leib und Seele Polizistin. Und die kann ich auf diese Weise sehr gut sein."