Güsten l "Als Kind erzählte mir mein Vater, dass dieser Platz mal der Fußballplatz von Güsten war", beginnt Christa Steinsdörfer mit Erinnerungen zum Ernst-Thälmann-Platz in Güsten. Der war nämlich in unserer Heimatfoto-Rätselserie gesucht.

"Auf dem Thälmannplatz habe ich eine schöne und unbeschwerte Kindheit verbracht", setzt die Güstenerin fort, "Hier wohnten viele Kinder. Die meisten Familien hatten damals vier bis fünf Kinder. So fand man zu jeder Zeit Spielkameraden auf der Straße. Auf dem Platz pulsierte das Leben. Mehrmals im Jahr kamen Schausteller und der Zirkus, man traf sich am 1. Mai zum Umzug und auch zu den Stadtfesten."

Und sie zählt sehr viele Geschäfte auf: "Links auf dem Foto das 1. Haus war eine Eisenwarenhandlung, dann folgten der Lebensmitteladen Alder, in dem später ein Polsterer einzog, eine Fleischerei, ein Konsum für Lebensmittel, Bäcker Bartzsch, für Wäsche die Rolle und Heißmangel. Das Haus geradezu auf dem Bild gehörte zur Feuerwehr. Hier wohnten Feuerwehrleute mit ihren Familien. Auf der rechten Seite befanden sich die Bäckerei Börner, die Firma Fischer (Klempnerei), Fotograf Klein, Zahnarzt Rudolf, die Gaststätte Rüderich und daneben die Schmiede von der sehr kinderfreundlichen Familie Krieg."

Und Christa Steinsdörfer möchte noch eine persönliche Geschichte erzählen.

"Seitdem bekommt mich niemand mehr auf ein Karussell."

"In Güsten gab es ein Kino hinter der Gaststätte ,Schwarzer Bär`. Es gehörte einem Herrn Bartel, genannt von uns Kindern Bolte Bartel. Er trank gern Bier und besuchte öfters die Gaststätte Rüderich, die er dann leicht beschwipst verließ. Er mochte uns Kinder sehr und wusste, dass wir kaum Geld für Karussellfahrten hatten. Einmal stand vor dem Gasthof ein Kettenkarussell. Bolte Bartel kam leicht angetrunken aus der Kneipe und bezahlte für uns Kinder eine Freifahrt auf dem Kettenkarussell. Na, ich war natürlich dabei. Aber er hatte einen besonders spendablen Tag und wir durften mehrere Runden auf dem Karussell drehen. Mir ging es danach so schlecht - und seitdem bekommt mich niemand mehr auf ein Karussell, obwohl es schon über 60 Jahre her ist."

Wie viele andere Leser erkannte auch Ralf Elstermann den Ernst-Thälmann-Platz. "Die Postkarte stammt von vor 1918", meint der Güstener. "Denn danach hatte die Stadt Gaskandelaber zur Straßenbeleuchtung. Hier stand auf der rechten Seite die Bäckerei Börner - abgerissen. Dann kommt die Klempnerei Fischer, die es noch gibt. Links vom Betrachter waren unter anderem Eisenwaren Brückmann, Fleischer Schmidt und viele andere Läden." Ja, Güsten hatte einmal allein 6000 Einwohner, so Ralf Elstermann. Das sei kurz nach dem Krieg gewesen. "Da kamen Flüchtlinge aus Ost und West." Auf dem alten Foto sei noch zu sehen, wie Gänse getrieben werden. "Sicher zum Siechstaler Teich", meint der Senior.

Erika Weiß und auch Erich Ulrich - sie wohnen heute in Staßfurt - liegen richtig mit dem Thälmannplatz. Erika Weiß war 1946 nach Güsten gekommen. Erich Ulrich weiß noch, dass er acht Jahre schräg über den Platz gelaufen sei - es war sein Weg zur Schule. Er kann sich auch noch gut an die Zirkuszelte und Jahrmärkte erinnern, die den Platz bevölkerten.

Die Zuschriften mit Erinnerungen zum Ernst-Thälmann-Platz in Güsten waren so umfangreich, dass es für zwei Beiträge reicht. Deshalb werden wir sie fortsetzen.

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