Am 30. Mai 1964 fuhr zum letzten Mal ein Personenzug von Schneidlingen nach Kroppenstedt. Der Ast nach Aschersleben verlor den Reiseverkehr bereits ein halbes Jahr früher.

Schneidlingen l Seit Jahren schon reihen sich bei Schneidlingen ausgediente Güterwagen mitten in der Landschaft aneinander. Rostige Räder auf einem ebenso rostigen Schienenstrang, der kurz vor der Bundesstraße 180 an einem Holunderbusch endet, der in den vergangenen knapp 20 Jahren dort gewachsen ist. 1995 stellte die Deutsche Bahn den Güterverkehr zwischen Schneidlingen und dem Gütertarifpunkt Cochstedt ein, womit die Geschichte der einstigen Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Kleinbahn (ASN) endgültig endete.

Der letzte Personenzug auf den Schienen westlich von Schneidlingen fuhr vor ziemlich genau 50Jahren, allerdings nicht in Richtung Cochstedt, sondern gewissermaßen geradeaus nach Hakeborn und Kroppenstedt, denn unmittelbar hinter dem Bahnübergang über die Fernverkehrsstraße 180 verzweigten sich die beiden Streckenteile der nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichten Privatbahn.

Der Abschnitt zwischen Schneidlingen und Kroppenstedt war übrigens immer schon der schwächste im Netz der ASN. So verkehrten hier über viele Jahre hinweg am Tag lediglich zwei Züge pro Richtung mit teils beachtlichen Fahrzeiten. So dauerte eine Fahrt zwischen den beiden Bahnhöfen mit Halt in Hakeborn zuletzt mehr als 40 Minuten - für 11,5 Kilometer. Konkurrenzfähig war das schon lange nicht mehr, so dass am 30. Mai 1964 zum letzten Mal eine Dampflok mit ihren wenigen Personenwagen am Nordrand des Hakels entlang dampfte. Zeitgleich endete nämlich auf diesem Abschnitt auch der Güterverkehr, so dass die Strecke einige Jahre später zwischen Schneidlingen und Gröningen abgebaut wurde. Selbst von ihrem Bahndamm sieht man heute fast nichts mehr.

Etwas besser erging es der Eisenbahn zwischen Schneidlingen und Aschersleben. Hier war zwar der Personenverkehr bereits im November 1963 eingestellt worden, als der Ort Königsaue und die Bahnstrecke der Ausweitung des Tagebaus Nachterstedt geopfert wurden, für den Güterverkehr zwischen Schneidlingen und der Anschlusstelle Hakelforst gab es jedoch keine Alternative. Der Abschnitt wurde in den 1970er Jahren gar saniert, so dass weiterhin die Güterzüge nach Cochstedt und zum Flugplatz der sowjetischen Streitkräfte rollen konnten. Erst nach 1990 brach der Verkehr auch hier zusammen. Die Strecke wurde nur noch bei Bedarf bedient und Ende 1995 endgültig nicht mehr angefahren.

Heute ist das Gleis auf weiten Strecken verschwunden. Nur zwischen Schneidlingen und dem ehemaligen Bahnübergang liegt es noch und wird rege zum Abstellen von Güterwagen genutzt.

Ob auf der alten Bahnstrecke jemals wieder Züge fahren werden, ist ungewiss. In der Bevölkerung kursieren Gerüchte, dass der Betreiber des Flughafens Cochstedt mit einem Bahnanschluss den Versuch unternehmen will, die wenig genutzte Anlage als Frachtdrehkreuz zu etablieren.

Wie die Deutsche Bahn mitteilt, befindet sich die Strecke weiter in ihrem Eigentum. Eine Veräußerung werde aber geprüft. Bei einem positiven Prüfungsergebnis könne Anfang des kommenden Jahres die öffentliche Ausschreibung erfolgen und die Strecke somit einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Eine ausführliche Beschreibung der Geschichte der Kleinbahn findet sich im Buch "Klein- und Privatbahnen im nördlichen Harzvorland". Es ist im Verlag Dirk Endisch erschienen.