Manchen Egelnern standen gestern die Tränen in den Augen, als vor dem Rathaus das Ende der Eigenständigkeit des Gymnasiums betrauert wurde. Kämpferisch gaben sich die Kommunalpolitiker dennoch. Sie sehen noch eine Chance.

Egeln l Kurz nach 8 Uhr setzten sich gestern früh Schüler und Lehrer des Egelner Gymnasiums in Bewegung. Eine stille Kolonne schwarz gekleideter Menschen bewegt sich, von einem Paukenschlag angeführt, durch die Kleinstadt. Das Ziel der Gruppe ist das Rathaus. Hier verabschieden sich Schüler, Lehrer, Bürger und Kommunalpolitiker von der Eigenständigkeit des Egelner Gymnasiums. Damit endet vorerst ein zehnjähriger Kampf. Oder doch nicht?

Um Ostern im Jahr 1925 wurde das Egelner Gymnasium eröffnet. Nach fast 90 Jahren endet nun die Eigenständigkeit des Hauses, bedauerte der Egelner Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE).

Angefangen hatte alles mit der Aufgabe der Einzugsbereiche für die Gymnasien. Erst jetzt merkten die handelnden Politiker im Kreis, wie sich der Beschluss vor allem auf das Egelner Gymnasium auswirkte. Eigentlich sollte die Aufhebung seinerzeit den Egelner Standort stärken. Nur trat das Gegenteil ein.

"Wir haben gekämpft! Wir haben verloren! Wir geben nicht auf!", ruft Manfred Püchel (SPD), Kreistagsmitglied und Verbandsgemeinderat über den Egelner Marktplatz. Für ihn ist das Thema Gymnasium in Egeln noch lange nicht abgeschlossen. Sofort bricht Beifall von Bürgern und Schülern aus. Die Mitarbeiter der Schulbehörden sollten sich in Egeln ansehen, was hier angerichtet werde, verlangt er. Es dürfe nicht sein, dass ein kommunales Zentrum einfach sang- und klanglos verschwinde, ruft er in den Morgen.

"Das ist eine der schlimmsten Niederlagen der vergangenen 24 Jahre", meldet sich Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr (parteilos) zu Wort. "Wir werden nicht aufgeben", verspricht auch er einen weiteren Kampf gegen die Bürokratie und für den Erhalt des gymnasialen Standortes.

Die Schüler legen den Marabu, das Symbol des Gymnasiums Egeln, mit einem Messer im Rücken vor die Rathaustreppe. Mit einer roten Rose nehmen sie Abschied. Leise und ruhig.

Doch war es das jetzt mit dem Abi in Egeln? Vorerst noch nicht. Die Schule hat zunächst für ein Jahr Bestand als Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums, bestätigt Ralf Bannier. Der Koordinator des Gymnasiums zeigt sich wütend an diesem Morgen. Mit seiner Meinung ist er nicht allein.

Viele Egelner fühlen sich von der Schulverwaltung des Landkreises und des Landes verraten. Den letzten Hieb hatten sie erst wenige Tage zuvor bekommen, als der Landkreis kleinlaut einräumen musste, einen Klagebeschluss gegen das Landesschulamt nicht umgesetzt zu haben. Die Kreistagsmitglieder wollten sich vor Gericht dagegen wehren, dass die Zukunft des Gymnasiums vom Landesschulamt torpediert wurde. Anstatt einer zehnjährigen Außenstelle bewilligte die Behörde nur eine einjährige Außenstelle.

Da der Bescheid offensichtliche Mängel hatte, beschloss der Kreistag zu klagen. Nur setzte der inzwischen ausgeschiedene Landrat Ulrich Gerstner (SPD) den Klagebeschluss nicht um. Erst vor wenigen Tagen räumte Gerstner völlig überraschend ein, einen zweiten Bescheid des Landesschulamtes Anfang Mai erhalten zu haben. Innerhalb von vier Wochen schaffte es die aus rund 780 Köpfen bestehende Kreisverwaltung nicht, eine Klage gegen den Bescheid einzureichen.

Von einer "unglaublichen Schlamperei" sprach Reinhard Luckner. Ändern konnten die Kreistagsmitglieder trotzdem bislang nichts. Dabei funktioniert außerhalb des Kreistages die Kommunikation unter den Fraktionen. Besonders in der Egelner Mulde zerbrechen sich die Kreistagsmitglieder seit Tagen den Kopf, wie sie den Egelner Gymnasiumsstandort für die Zukunft doch noch sichern können. Mehrere Szenarien zeichnen sich bislang ab. Der Kreistag könnte einen neuen Schulentwicklungsplan beschließen. Dadurch müsste es eine neue Genehmigung des Landesschulamtes geben, gegen die innerhalb der Frist geklagt werden könne. Denkbar sei auch die Einführung von Schulbezirken für die Gymnasien, diskutieren die Kreistagsmitglieder verschiedene Modelle.

Manfred Püchel kündigte gestern an, dass sich der zuständige Schulausschuss noch vor der Sommerpause treffen müsse. Er werde eine Sondersitzung noch am Wochenende beantragen, kündigte er an. Denn noch ist der Kampf um das Gymnasium nicht vorbei in Egeln.

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