Die Verantwortung, dass ein Bürger aus Bördeaue den Polizeinotruf nicht erreichen konnte, weist die Polizei zurück. Alles habe bestens funktioniert, schreiben die Beamten an Bürgermeister Peter Fries (CDU). Der ist wütend über die Antwort auf seine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Bördeaue/Tarthun l Jahrelang schärft die Polizei den Bürgern ein, sofort den Notruf zu wählen, wenn sie etwas Verdächtiges beobachten. Nur wenn die Polizeibeamten zeitnah Informationen aus der Bevölkerung erhalten, könne die Verbrechensbekämpfung funktionieren. An den Ratschlag der Uniformierten hielten sich am 8. Juni gegen 0.10 Uhr Nachbarn des gemeindlichen Bauhofes in Tarthun. Sie sahen nicht nur etwas Verdächtiges, sondern konnten beobachten, wie das Nachbargebäude von Unbekannten geknackt wurde (wir berichteten).

Wie von der Polizei verlangt, griff ein Nachbar zum Telefon und wählte den Polizeinotruf 110. Am anderen Ende meldete sich aber kein Beamter, sondern eine Bandansage. Im Angesicht der arbeitenden Einbrecher müssen dem Anwohner die Sekunden wie Minuten vorgekommen sein. Erst nach einigen Minuten gelang dem Bürger der Kontakt zu den Beamten in der Leitstelle der Polizei, schilderte er später seinem Bürgermeister Peter Fries. Die Uniformierten schickten gleich zwei Streifenwagen zum Ort des Verbrechens. Da aber die Anwohner nicht tatenlos zusehen wollten, wie der Bauhof ausgeraubt wird, schlugen sie Alarm und vertrieben so lautstark die Einbrecher. Mit einem roten Auto brausten die davon. Als die Polizei später eintraf, fehlte von den Einbrechern natürlich jede Spur.

Auf rund 5000 Euro Schaden bilanzierte Bördeaues Bürgermeister Peter Fries die Kosten des Einbruchs. Noch an dem Juniwochenende setzte er sich an seinen Computer und schrieb eine Dienstaufsichtbeschwerde an den Ministerpräsidenten sowie an den Finanz- und Innenminister. Fries stört sich vor allem daran, dass es den Bürger offenbar minutenlang nicht gelungen war, einen Kontakt zur Polizei über Telefon herzustellen.

Knapp einen Monat nach dem Einbruch und der Beschwerde hat Peter Fries nun eine Anwort erhalten. Unterschrieben ist die zweiseitige Antwort von Landespolizeidirektor Karl-Heinz Willberg. Darin bedauert der Polizeichef, dass die Meldung der Bürger nicht dazu geführt haben, die Täter zu fassen. "Mir ist sehr daran gelegen, Bürger darin zu bestärken, Hinweise auf Straftaten oder Straftäter zu geben, die zu deren Aufklärung oder zur Ergreifung der Täter sachdienlich sind", schreibt Willberg. Für die Betroffenen sei es frustrierend, wenn die Hinweise nicht zum Erfolg geführt hätten, zeigt der oberste Polizist Verständnis für den Unmut in der Gemeinde Bördeaue.

Der Tathergang wurde von der Polizeiführung dann rekonstruiert. In jener Nacht hatten die diensthabenden Beamten in der Notrufzentrale wohl viel zu tun. Denn zwischen Mitternacht und 0.30 Uhr verzeichnete die Polizei 21 Notrufe. Wie viel Beamte für die Bearbeitung der Notrufe zur Verfügung standen, teilt die Polizei nicht mit. Anfragen der Volksstimme blieben unbeantwortet.

Gegen 0.22 Uhr, so der Polizeichef, soll der erste Anruf aus Tarthun erfolgt sein. 45 Sekunden wartete der Tarthuner, die Stimme eines Beamten zu hören. Dafür sprang ein Band an und bat den Anrufer um Geduld. Zwei Minuten später versuchte es der Augenzeuge noch einmal und erwischte einen freien Beamten. Nach 58 Sekunden sei das Gespräch beendet worden. Dann habe es aber offenbar gut vier Minuten gedauert, bis zwei Streifenwagen verständigt sind. Aus zwei Richtungen nähern sich die Fahrzeuge dem Tatort. Woher sie kommen, wie lang ihre Anfahrt ist, lässt die Polizei offen. Gut 20 Minuten dauere es, bis die Streifenwagen eintreffen - 0.44 beziehungsweise 0.45 Uhr, so die Polizei. Gut 20 Kilometer könnte ein Streifenwagen in dieser Zeit nachts auf leeren Straßen ohne Probleme zurücklegen. Abweichend davon gibt die Polizei auf einen Wert von 15 beziehungsweise 16 Minuten nach dem Anruf an. Darin widerspricht sich die Antwort des Polizeichefs, meint Bürgermeister Peter Fries. Er selbst sei noch in der Nacht vor Ort gewesen. Die Angaben der Polizei wolle er nicht bestätigen. "Die waren erst nach ein Uhr in der Nacht da", ist sich Fries sicher. "Damit gebe ich mich nicht zufrieden", zeigt er sich sauer über den Brief. Offenbar habe die Polizei Schwierigkeiten, Probleme darzustellen und zu benennen, meint er. Er wolle sich nochmal an das Innenministerium wenden, kündigt er an.