Staßfurt l Die Reparaturarbeiten im Bereich des Fülllaugenkühlers, an dem eine Manschette geplatzt und ammoniakalische Lauge ausgetreten war, sind am Mittwochabend beendet worden.

"Mit Beginn der Nachtschicht haben wir die Produktion wieder aufgenommen", sagte Geschäftsführer Holger Zutz. Der mehrstündige Stillstand der Anlagen habe zu einem Rückstand geführt. "Wir hoffen, dass wir das in den nächsten Tagen wieder aufholen können", so Zutz. Der Hauptkunde des Sodawerkes, die Glasindustrie, soll ordnungsgemäß mit Soda aus Staßfurt versorgt werden.

Inzwischen haben die zwei Frauen, die am Dienstag an der Unglücksstelle mit einem Pkw vorbeigefahren waren und dabei Ammoniak-Dämpfe einatmeten, das Krankenhaus nach einer gründlichen Untersuchung wieder verlassen können, sagte Zutz. Er hat sie bereits auf Arbeit besucht und sich bei ihnen mit einem Blumenstrauß für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. "Die sind wieder total fit", freut sich der Soda-Geschäftsführer.

Anwohner sind sauer

Kritik muss er sich von den Anwohnern anhören. Wolfgang Göbke sagte, es habe schon in der Nacht zum Montag stark nach Ammoniak gerochen. Eine Information der Anwohner sei jedoch nicht erfolgt. Göbke fordert den Geschäftsführer auf, künftig in solchen Situationen die Karten gleich auf den Tisch zu legen und für eine unverzügliche Information im Umfeld zu sorgen. Auch Brigitte Müller, die im Athenslebener Weg in unmittelbarer Nähe zum Sodawerk wohnt, ist sauer. "Ich lebe schon 70 Jahre hier, aber so schlimm war es noch nie, obwohl schon öfter Ammoniakwolken zu uns rüber kamen. Ich hatte Halsschmerzen, mein Nachbar klagte über Kopfschmerzen und ein anderer wollte sich ins Krankenhaus einliefern lassen", sagte die Seniorin. Wie Wolfgang Göpke und Michael Deutschmann aus der Bergmannstraße hält auch Brigitte Müller die offizielle Mitteilung, dass die Havarie erst am Dienstagvormittag passiert ist, für falsch. "Diese Manschette ist schon über Nacht geplatzt. Das habe ich gehört, und dann mussten wir alle Fenster schließen", sagte die Seniorin.

Martina Lichter aus dem Kumpelstieg hatte das erste Mal schon Sonnabendabend unangenehme Gerüche verspürt. "Als wir dann am Sonntag um 21.45 Uhr im Sodawerk angerufen hatten, wurde eine Havarie verneint", sagte sie und fügte hinzu: "Danach ist es dann so extrem geworden, dass wir bedingt durch die Hitze keine Luft mehr bekamen. Ich dachte schon, wir müssen Staßfurt verlassen."

Müller tut es als Tierfreundin weh, dass es in der Bode zeitgleich zu einem Fischsterben gekommen ist. "Meine Freundin hat von der Liebesbrücke aus in der Bode den Todeskampf der Fische beobachtet und gesehen, wie sie nach Luft geschnappt haben", berichtete die Seniorin.

Zutz hält an der Version fest, dass es erst Dienstagvormittag zu der Havarie gekommen sei. "Innerhalb weniger Minuten hat sich dann eine zeitlich begrenzte Wolke verteilt", sagte er. Man habe darüber diskutiert, ob man die Polizei bitten solle, die Anwohner mit einem Funkstreifenwagen über das Vorkommnis aufzuklären, informierte Zutz, der sich bei den Anwohnern entschuldigen möchte. Mit dem Fischsterben, so stellte er aber klar, habe das Sodawerk nichts zu tun. "Es gibt aus unserer Sicht keinen Zusammenhang", so Zutz.

Der Kreis hat nicht bestätigt, dass das Fischsterben auf das Sodawerk zurückgeht, sagte Sprecherin Ingrid Schildhauer. Dazu hat die Volksstimme ein Interview geführt, das wir morgen veröffentlichen.

   

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