Für Dagmar Stange und ihren Ehemann ist der Schrebergarten ein Ort der Ruhe und Einkehr. Seit vielen Jahrzehnten genießt das Ehepaar die Natur in dem kleinen grünen Idyll. Die beiden möchten die Anlage am "Neundorfer Weg" nicht missen. Seit über 90 Jahren ist ihr Garten in Familienhand. Die Volksstimme stellt ihren liebsten Verein und das Hobby vor.

Hecklingen l Es grünt und blüht in allen Parzellen. Die Wege sind sauber geschottert. In "Gang 6" ist kein Unkraut zu sehen. "Wir treffen uns davor. Mein Mann holt sie ab", hat Dagmar Stange am Telefon gesagt und dazu kommt es auch.

Unter dem Vordach der kleinen Datsche ist es im Schrebergarten von Herrn und Frau Stange trotz des Regens gemütlich. Die Natur scheint das frische Nass nach der Hitze der zurückliegenden Tage förmlich aufzusaugen. Saftig sieht der Ausblick aus. Seit 1970 hat das Ehepaar seine Laube. "Die Anlage gibt es aber seit 1923", weiß die Hecklingerin. Sie kennt sich so gut aus, weil das Grundstück schon damals den Weg zur Familie fand. "Mein Opa kümmerte sich um den Garten gleich nachdem die Grundstücke vor über 90 Jahren vergeben wurden." Auch der Schwiegervater bewirtschaftete eine Parzelle im "Neundorfer Weg", und so war es für die Kinder selbstverständlich, in die Fußstapfen der Eltern zu treten.

Die Idee gerade jetzt öffentlich darüber zu sprechen, kam Dagmar Stange kürzlich, als sie die frischen Kartoffeln aus dem Garten aß. "Die waren irgendwie besonders lecker", kommt sie ins Schwärmen.

Das eigene Obst und Gemüse zu essen, sei eben besonders schmackhaft, findet sie. Aber die Begeisterung für das Kleinod im Grünen hat viele weitere Gründe.

"Ich kann mit meinem Mann die Natur genießen."

Was ist das Besondere am Kleingärtnern? "Ich kann mit meinem Mann die Natur genießen." Einen Kleingarten zu haben, bedeutet für Dagmar Stange nicht nur Arbeit. Der große Vorteil sind für sie die Ruhe und Erholung inmitten der heimischen Fauna und Flora. Die langjährige Pilzberaterin hat dabei nicht nur ein Auge für die Lebewesen mit dem Schirm. Zu sehen, wie die Natur sich über die Jahre verändert, gefällt ihr besonders gut. Sie freut sich an den kleinen und großen Entdeckungen des Alltags. "Eidechsen, die sich sonnen, auch Landkröten hatten wir schon." Das Zwitschern diverser Vogelarten im Frühjahr zur Brutzeit sei bezaubernd. Und dann kommt sie wieder zurück auf die Selbstversorgung mit frischem Obst und Gemüse: "Ein toller Geschmack". Und: "Im Schrebergarten kann man kreativ sein." Wieso? "Einen Garten kann man jedes Jahr neu gestalten mit Sitzecke, Blumenbeet und allem drum und dran."

Bleibt zu fragen, wie die Kleingärtner der Anlage am "Neundorfer Weg" mit dem Problem des Leerstands in den Parzellen umgehen. Darauf kann Dagmar Stange berichten, dass freie Kapazitäten vorhanden sind. Sie bringt Zahlen an. Zur Anlage gehören 191 Gärten. Ein Grundstück misst rund 300 Quadratmeter. Zusätzlich wird vom "Neundorfer Weg" die Anlage "Jordanplan" verwaltet. Dazu gehören weitere 17 Gärten.

Die Historie des Areals ist ihr vertraut. Sie hat sogar eine Chronik erarbeitet und weiß, dass gerade die Jahre nach der Wende mit vielen Turbulenzen verbunden waren. Umso erfreuter ist die Hecklingerin, dass viele treue Pächter geblieben sind. Man kennt sich. Nette Nachbarschaften möchte niemand missen, und auch der neue Vorsitzende des Vereins kann sich über einen durchweg positiven Leumund freuen. Seit diesem Jahr ist Hansi Homann Chef im "Neundorfer Weg". Dagmar Stange ist voll des Lobes: "Ein sehr engagierter und rühriger Kleingärtner."

Sie hat den Pressetermin natürlich mit dem Vorsitzenden abgestimmt und möchte am Ende des Gespräch, als ein Foto aufgenommen werden soll, selbst gar nicht mit auf das Bild. "Aber, Bitte!" Die Überredungskünste der Volksstimme-Mitarbeiterin tragen letztendlich Früchte.