Hohenerxlebens Ortsbürgermeister Sven Wagner (SPD) ist in der konstituierenden Sitzung des Stadtrates zum neuen Ratschef gewählt worden. Welche Vorstellungen der 40-Jährige hat, verriet er Volksstimme-Redakteur René Kiel im Interview.

Volksstimme: Was sagen Sie zu Ihrer Wahl zum Stadtratsvorsitzenden? Hatten Sie damit gerechnet?

Sven Wagner: Ich freue mich sehr darüber, dass der Stadtrat dieses recht klare Votum für mich als Vorsitzenden abgegeben hat. Im Rahmen der konstituierenden Sitzungen der Fraktionen gab es natürlich Gespräche, die auch diese Personalie zum Thema hatten und bei denen ich signalisiert hatte, dass ich für diese Position zur Verfügung stehe. Von Vorteil war sicherlich meine bisherige Stellvertreter-Position und meine seit 1994 gesammelten ehrenamtlichen Erfahrungen in der Kommunalpolitik.

Ich bedanke mich bei den Stadträten, insbesondere bei den Fraktionen, die mir das Vertrauen gegeben haben. Ich werde alles dafür tun, diese Funktion angemessen zu erfüllen. Ich hoffe auch, dass ich die Zeit nutzen kann, um die Stadträte, die mir nicht ihr Votum gegeben haben, davon zu überzeugen, dass es die richtige Entscheidung war.

Nach altem demokratischem Brauch hat die stärkste Fraktion das Recht, den Posten des Stadtratsvorsitzenden zu besetzen. Darauf hatte die CDU verzichtet, weil sich dafür kein Mehrheit abzeichnete. Welche "Gegenleistung" können die Christdemokraten von Ihnen oder Ihrer Fraktion, der SPD/Grüne, für ihr Entgegenkommen erwarten?

Die CDU hat von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht. Die Begründung hat sie dafür ausführlich in der konstituierenden Stadtratssitzung gegeben. Meine Gegenleistung wird sein, dass ich die Sitzungen unparteiisch aus der "Mitte" heraus leiten werde. Das erwarten alle Fraktionen von mir.

Wie wollen Sie diejenigen, insbesondere bei den Linken, überzeugen, die nicht für Sie gestimmt hatten?

Der Kern meiner Aufgabe besteht in der Sitzungsleitung der Stadtratssitzungen. Ich möchte für alle Fraktionen ein loyaler und verlässlicher Partner sein. Mein Ziel ist, in jeder Stadtratssitzung alle Teilnehmer mit einer souveränen Sitzungsleitung zu überzeugen. Da muss ich jetzt keinen hervorheben.

Wie wollen Sie Ihr Amt in den nächsten fünf Jahren führen?

Der entsprechende Rahmen wird mir ja durch unsere Geschäftsordnung und Hauptsatzung vorgegeben. Nun gilt es, den Sitzungen eine entsprechende Handschrift zu geben. Dabei setze ich auf das, was ich in der vergangenen Legislatur von unserem bisherigen Vorsitzenden Walter Blauwitz lernen konnte. Ich werde die Sitzungen unparteiisch und ergebnis-orientiert leiten. Dazu werde ich mir auch im Laufe der Legislaturperiode, verstärkt jetzt im ersten halben Jahr, auch in anderen Städten Sitzungen anschauen, um für uns die ein oder andere Idee aufzunehmen. Auch an der einen oder anderen Fraktionssitzung werde ich, wenn es gewünscht wird, teilnehmen. Kommunikation steht für mich im Vordergrund. Ich bin seit 22 Jahren bei der AOK Sachsen-Anhalt beschäftigt, in den letzten 11 Jahren im strategischen Bereich im Vertrieb tätig, so dass ich meine beruflichen Erfahrungen hier gern für mein Ehrenamt nutzen möchte.

Als Ortsbürgermeister von Hohenerxleben stehe ich ständig mit unseren Firmen, Vereinen und Einrichtungen in Kontakt. Dies ist ein wesentlicher Baustein für unser gutes Zusammenspiel. Das möchte ich auf unsere Fraktionen übertragen und hier auch im Vorfeld der Stadtratssitzungen in den Ausschüssen mir Stimmungsbilder einholen, die für die Sitzungsleitung von Vorteil sind.

Was können die Bürger von Ihnen erwarten? Wollen Sie weiter zulassen, dass Bürger-anfragen von der Stadtverwaltung nicht am gleichen Abend, sondern erst nach Wochen schriftlich beantwortet werden?

Das Kommunizieren miteinander ist von wesentlicher Bedeutung. Wenn viele Bürger unsere Sitzungen besuchen, dann zeugt das von Interesse. Unsere Bürger möchten aus erster Hand erfahren, wie es mit unserer Stadt weitergeht, wie konkrete Probleme gelöst werden. Wenn er eine Anfrage stellt, dann sollte die Verwaltung als Dienstleister für unsere Bürger auch eine mündliche Antwort geben. Denn das ist seine Erwartung. So sieht es auch unsere Hauptsatzung vor. Und man hat weniger Nacharbeiten, denn es muss auch den Ausschussmitgliedern, den Stadträten bei schriftlicher Beantwortung zur Kenntnis gegeben werden. Das ist nicht in jedem Fall möglich, da die Sachverhalte manchmal sehr komplex sind. Aber nur den Hinweis auf eine schriftliche Antwort zu geben, ist die schlechteste Lösung. Das werde ich mit meinen Stellvertreterinnen besonders im Auge behalten gegebenfalls werde ich hier mit dem Oberbürgermeister den Rahmen für diese Servicestandards priorisieren. Denn auch hier stellt sich die Frage, ob die Monatsfrist für schriftliche Antworten immer ausgereizt werden muss. Hier muss schnell gehandelt werden. Auch im Umgang mit Anregungen sollten wir ein transparentes Verfahren haben. Denn nur so fühlen sich die Bürger mitgenommen.

Welche Schwerpunkte für die Arbeit des Stadtrates sehen Sie für dieses Jahr beziehungsweise bis zum Ende der Legislaturperiode?

Zunächst wird erstmal der Redaktionsausschuss den Rahmen für unser Handeln in der Geschäftsordnung und Hauptsatzung neu festschreiben und dem Stadtrat vorschlagen. Die Ausschussarbeit aller derzeit fünf beschließenden Ausschüsse sollte bei den Stadtratssitzungen von entscheidender Bedeutung sein und Maßstab für die Abstimmungen. Der Schwerpunkt liegt hier in der Ergebnisorientierung.

Unsere schöne Stadt mit ihren Ortsteilen soll lebens- und liebenswert bleiben. Dafür müssen wir alles tun. Die Parteien haben in ihren Wahlprogrammen viele Ideen propagiert. Die alle aufzuzählen, würde den Rahmen des Interviews sprengen. Nun gilt es, viele Vorhaben mit Mehrheiten im Stadtrat umzusetzen. Ich appelliere hier an alle Stadträte, an einem Strang zu ziehen, damit wir mit unseren überschaubaren finanziellen Möglichkeiten sinnvolle Entscheidungen für unsere Stadt treffen.

Obendrein sind Sie vom Ortschaftsrat Hohenerxleben erneut zum Ortsbürgermeister gewählt worden. Ist die Belastung durch beide Ehrenämter nicht zu groß? Bleibt da noch Zeit für Ihre Familie?

Ich habe mich zur Wahl dieser beiden Ehrenämter gestellt und das eindeutige Vertrauen von unseren Bürgern und den Stadträten erhalten. Ich denke, dass ich beide Ämter gut ausfüllen kann. Meine Familie unterstützt mich seit Jahren bei meiner kommunalen Ehrenamtstätigkeit. Ich sag`s mal so: Sie geben mir die Kraft und Sicherheit, das so zu tun. Ohne sie wäre das gar nicht möglich. Wir haben da schon unseren Rhythmus gefunden, alles einzuordnen. Und am Wochenende ist dann ja auch mehr Zeit für die Familie, um den einen oder anderen gemeinsamen Ausflug zu tätigen.

Könnten Sie sich vorstellen, die Stadtratssitzungen im Wechsel auch mal in den Ortsteilen der Stadt oder im Sitzungssaal des Sparkassenschiffes in Staßfurt durchzuführen?

Was ich mir sehr gut vorstellen kann, ist eine der nächsten Stadtratssitzungen mal im Sitzungssaal des Sparkassenschiffes durchzuführen. Ich war in diesem Jahr das erste mal in diesem Saal im Rahmen des Landratswahlkampfes zur Volksstimme-Podiumsdiskussion und war davon total begeistert. Ich werde gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und dem Sitzungsdienst die Möglichkeiten nach einer Stadtratssitzung in diesem Saal erörtern und mit den Verantwortlichen die Rahmenbedingungen besprechen. Vielleicht klappt es ja noch in diesem Jahr.

Was die Ortsteile betrifft, da sehe ich eher, die Ausschusssitzungen mal im Wechsel in den Ortsteilen durchzuführen. Aufgrund der Größe der Stadtratssitzungen sehe ich es als schwierig an, diese in den Ortsteilen durchzuführen, da das oft die Räumlichkeiten nicht hergeben. Aber grundsätzlich ausschließen würde ich es nicht.

Welchem Hobby gehen Sie in Ihrer Freizeit nach?

Meine größte Leidenschaft neben meiner Familie ist die Jagd und der Garten. Ich bin sehr naturverbunden und hole mir dort auch die nötige Ruhe und Entspannung, um für das Alltagsleben Kraft zu tanken.