"Meinst du denn, ob morgen überhaupt jemand kommt?", fragte Dr. Andreas Heller seine Frau Anja noch am Freitagabend ganz unsicher. Am Sonnabend konnte es der junge Arzt bei seiner Praxiseröffnung kaum glauben: 200 Patientenfragebögen gingen über den Empfangstresen.

Güsten l "Ich bin überwältigt", sagt Dr. Andreas Heller, als am Sonnabend die Güstener seine neue Praxis nahezu stürmten. "Ich hätte nie gedacht, dass so viele Leute kommen." Der junge Arzt strahlt über beide Ohren und scheint sogar ein wenig überrascht, welche Bedeutung so eine Praxiseröffnung in einer Kleinstadt zu haben scheint. "Wir hatten hier 200 Patientenfragebögen liegen. Die sind alle weg", sagt er.

Hier ein Hallo, da ein Blumenstrauß und dort schon die ersten Fragen zu möglichen Krankheitsbildern. Andreas Heller ist ein gefragter Gesprächspartner. Sein Sprechzimmer gleicht mit den vielen Sträußen und Präsentkörben eher einem Blumenfachgeschäft. Die Schwestern verteilten gut gelaunt Sekt.

Neben dem Glückwunsch zur neuen Praxis können die Besucher noch einen weiteren aussprechen: Anja Heller hat am 4. Juli ihr erstes Kind, Adam, zur Welt gebracht. Die Hellers sind jetzt stolze Eltern.

Überhaupt war die erste eigene Praxis ein Schritt, der nur mit dem Rückhalt der Familie, die aus Plötzkau stammt, möglich war. Vater Wolfgang Heller half bis Freitag, als die letzten Arbeiten erledigt wurden, jeden Tag auf der Baustelle mit. Mutter Elke Heller und Großmutter Christa Sakrewski unterstützten die junge Familie, damit sich Anja Heller um das Neugeborene kümmern und Dr. Andreas Heller durch den Dschungel der Formalitäten kämpfte konnte.

Die familiäre Atmosphäre war am Sonnabend nicht nur durch die Familienmitglieder spürbar, auch die zwei neuen Mitarbeiterinnen der Praxis strahlten Freude und Gelassenheit aus. Als Christin Hergeselle Sekt verteilte, hatte sie ein offenes Ohr für die Leiden, die ihr die potenziellen Patienten schon andeuteten. Die ausgebildete Krankenschwester wird noch bis Ende August in einem Pflegeheim arbeiten und dann in die Praxis wechseln. Yvonne Stanczyk, die erst in einer anderen Praxis angestellt war und beim Plauschen mit all den bekannten Menschen ihren Spaß hatte, wird hier gleich an diesem Freitag als Arzthelferin loslegen. Dann geht der reguläre Betrieb nämlich schon los. Auch Anja Heller wird in der Praxis mitarbeiten, sobald Sohnemann Adam sie entbehren kann.

Im September war das junge Ehepaar nach Güsten gezogen. Im März hatten die Bauarbeiten zu dem Neubau, der sich gegenüber der jetzigen Kita befindet, begonnen. "Es ist erstaunlich, wie schnell alles gegangen ist. Ich bin sehr stolz auf Andreas", sagt Professor Peter Mertens von der Uniklinik Magdeburg, der ehemalige Chef des neuen Güstener Arztes.

Am Freitag, wenn die erste Sprechstunde über die Bühne geht, beginnt auch das volle Praxis-Programm. Neben der Tätigkeit als Allgemeinmediziner bietet der Facharzt für Innere Medizin, Nierenkrankheiten und Notfallmedizin auch Untersuchungen und Seminare in seinen Spezialgebieten - Bluthochdruck, Stoffwechsel- und Lungenerkrankungen - an.

Dr. Andreas Heller hofft, dass er den Bürgern mit seiner Praxis auch ein wenig das Gefühl vermittelt, sich in Güsten umsorgt, sicher und geborgen zu fühlen.

   

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