Der Wipperradwanderweg sorgte vor knapp fünf Jahren für verheißungsvolle Schlagzeilen für die Entwicklung des regionalen Tourismus`. Bei der Einweihung des rund 35 Kilometer langen Wanderwegs in Warmsdorf wurden weitere Investitionen angekündigt. Ein Thema für die Volksstimme-Serie "Was ist geworden aus?"

Warmsdorf l Er zählt zu den weniger frequentierten Wegen bei passionierten Radwanderern. Der Wipperradweg wird beim Fachdienst Kreis- und Wirtschaftsentwicklung des Salzlandkreises aber doch als "regionaler Radweg mit touristischer, aber auch Naherholungsbedeutung für die eigene Region" beschrieben. Bei seiner Einweihung 2009 war die Strecke zwischen Bernburg flussaufwärts Richtung Sandersleben durchaus noch verbesserungsbedürftig und ausbaufähig.

Der Landkreis hatte damals mit Investitionen von insgesamt 300 000 Euro gerechnet.

"Im Resümee der letzten fünf Jahre muss festgestellt werden, dass nicht alle notwendigen Maßnahmen zur Steigerung der Qualität des Wipperradweges umgesetzt werden konnten", war nun vom zuständigen Fachdienst zu erfahren. Das sei sicherlich der Haushaltslage der Kommunen geschuldet. "Im Bereich Bernburg hat es aber vor allem eine Verbesserung - von der Stadt kommend am Ufer der Saale bis zum Forsthaus Aderstedt - gegeben. Als Teilstück des Saalerundweges wurde hier der Weg in Asphalt ausgebaut. Weitere Maßnahmen erfolgen zum Beispiel als Deichverteidigungswege bei Deichbaumaßnahmen. Die angekündigten 300 000 Euro sind sicher bis jetzt noch nicht eingesetzt worden."

"Im Großen und Ganzen ist der Wipperradweg ganz gut ausgebaut, wenn man mit Tourenrad oder Mountainbike unterwegs ist."

Ein Radfreund, besser Radsportfreund, der das nur bestätigen kann, ist Wolfgang Ziebell. Immerhin stecken jährlich bis zu 40 000 Kilometer in seinen Beinen, die er quer durch Deutschland bestreitet. "Löcher gibt es überall, man muss eben vorausschauend fahren. Aber im Großen und Ganzen ist der Wipperradweg ganz gut ausgebaut, wenn man mit Tourenrad oder Mountainbike unterwegs ist." Für Sporträder sei die Strecke eher nicht geeignet, deshalb nimmt der Güstener auch lieber die parallel verlaufenden Straßen, die übrigens auch eine gute Alternative wären, wenn es mal zu feucht von oben komme. Die Beschilderung des Wipperradweges - wenn auch originell - lasse nach fünf Jahren teilweise zu wünschen übrig, was wiederum auch Silke von Kalnassy bestätigen kann. Die Wirtin von der traditionsreichen Warmsdorfer Landgaststätte weiß: "Uns fragen oft Radwanderer, die bei uns Rast machen, wo es lang geht."

Einig sind sich Ziebell und von Kalnassy aber auch bei der idyllischen Landschaft entlang der Wipper. "Radwander-Anfängern würde ich die Tour zwischen Bernburg und Sandersleben auch durchaus empfehlen", meint Wolfgang Ziebell. Das schaffe man an einem Tag.

Immerhin gibt es auch einiges zu entdecken an der Wipper und in ihren Anrainer-Dörfern - von den Sehenswürdigkeiten der Saale-Stadt mal abgesehen, liegen beispielsweise der schöne Warmsdorfer Park mit der Georgskapelle an der Strecke, ebenso die romanische Burganlage Freckleben, für die sich der dortige Heimatverein engagiert. Es gibt durchaus auch Übernachtungsmöglichkeiten an dem Harzflüsschen. Zum Beispiel die einmalige Pension in der Warmsdorfer (Wohn-)Kirche. Im Sande verlaufen sind unterdessen die Bemühungen, die Geschichte des Warmsdorfer Reformatorfürsten Georg III. irgendwie in das bevorstehende Lutherjubiläum 2017 einzubinden.

"Wichtig wäre, dass vor allem Gastbetriebe in den Anliegerorten und benachbarten Gemeinden für ihre Angebote am Radweg werben."

Und auch sonst hat der Wipperradweg noch einiges Potenzial. "Weitere Abstecher als Radwege sind nicht geschaffen worden, aber auf Grund der teilweise geringen Verkehrsbelastung der umliegenden Straßen auch nicht unbedingt notwendig", meint der Fachdienst Kreis- und Wirtschaftsentwicklung des Salzlandkreises. "Wichtig wäre, dass vor allem Gastbetriebe in den Anliegerorten und benachbarten Gemeinden für ihre Angebote am Radweg werben. Über ein gutes Mittagessen und ein frisches Getränk freut sich noch jeder Tagesradler - und über persönliche Ansprache in Form einer netten Begrüßung oder Einladung auch."

Für den Radweg existiere jedenfalls ein Info-Blatt, das in Abständen in kleinerer Auflage kopiert und an den Tourismusverband Salzlandkreis e.V. und die Bernburger Stadtinformation zur Verteilung gegeben werde, so der Landkreis. Andere Anliegerkommunen hätten dies bisher nicht nachgefragt.

Darüber hinaus sei der Weg in den Landesradverkehrsplan aufgenommen worden und trage hier als wichtige Verbindung zwischen den beiden Mittelzentren Aschersleben und Bernburg zur Erschließung des Salzlandkreises mit Angeboten für Radfahrer und besonders der Stadt Aschersleben bei.

Der Landesradverkehrsplan sei zudem Grundlage für die Veröffentlichung wichtiger Radrouten durch die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, die über das Routenportal www.naturfreude-erleben.de für den Aktivtourismus im Land wirbt. Der Wipperradweg wird hier ebenfalls dargestellt.

Eine Zählung der Radfahrer wurde in den letzten Jahren übrigens nicht durchgeführt, aber vor allem bei schönem Wetter und an den Wochenenden werde der Weg von Bürgern der Anliegerkommunen gut angenommen.

Die Orte, die am Wipper-radweg liegen: Sandersleben, Freckleben, Drohndorf, Mehringen (Abstecher nach Aschersleben), Groß Schierstedt, Klein Schierstedt, Giersleben, Warmsdorf, Amesdorf, Osmarsleben, Cölbigk, Bullenstedt, Bernburg (Anschluss Saale-Radwanderweg und Europaradweg R1, Fuhne-Radweg).

   

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