Der Entwurf des von der Stadt in Auftrag gegebene neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept für Staßfurt liegt vor. Es soll die Grundlage für die weitere Planung sowie für Gespräche mit Investoren bilden.

Staßfurt l Das letzte Gutachten stammt aus dem Jahr 1997 und ist damit längst überholt.

Der neuen Untersuchung der BBE Handelsberatung GmbH Erfurt zufolge verfügt die Stadt Staßfurt nunmehr über eine Verkaufsraumfläche von 52 300 Quadratmeter. Das sind 8200 weniger als 1998. Demnach kommen auf jeden Einwohner der Stadt 1,9 Quadratmeter Ladenfläche. Damit liegt Staßfurt weit hinter Wernigerode (2,7), Lutherstadt Eisleben, Magdeburg sowie Dessau-Rosslau (je 2,5), Quedlinburg (2,4), Halberstadt und Aschersleben (je 2,3) und Köthen (2,1). Schlechter schneidet die Kreisstadt Bernburg mit einem Wert von 1,6 Quadratmeter je Einwohner ab.

Die Zahl der Geschäfte hat sich in der Stadt Staßfurt seit 1998 von 245 auf 178 reduziert. Vom Bestand entfallen 49 mit einer Fläche von insgesamt 19 500 Quadratmeter auf Lebensmittel, 32 mit rund 5900 Quadratmeter auf Mode (Textilien, Schuhe, Sport- und Lederwaren) und 25 mit einer Ausdehnung von zirka 22 200 Quadratmeter auf Möbel, Baumärkte und Hausrat.

In der Modebranche sind innerhalb von 16 Jahren 3000 Quadratmeter weggebrochen.

Die größten Handelseinrichtungen gibt es in Leopoldshall mit einer Gesamtfläche von 17 200 Quadratmeter. Das entspricht einem Anteil von 33 Prozent. Das zweitgrößte Einkaufszentrum befindet sich in der Hecklinger Straße mit einer Fläche von insgesamt 9800 Quadratmeter (19 Prozent), gefolgt von Staßfurt-Nordost mit 9 200 Quadratmeter (17 Prozent) und Staßfurt-Nord mit 4200 Quadratmeter (8 Prozent).

"Der Staßfurter Einzelhandel kann auf ein Konsumentenpotenzial von rund 40 000 Personen zurückgreifen", heißt es in dem Konzept, für das im Februar und März dieses Jahres rund 300 Personen aus Staßfurt und dem Umfeld befragt worden waren.

Dabei gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie mindestens einmal pro Woche nach Staßfurt kommen. Für 67 Prozent sind der Einkauf von Lebensmitteln, Arzt- und Apothekenbesuche sowie der Wohnort in der Stadt die hauptsächlicheten Besuchsgründe. Die Umfrage ergab auch, dass in Staßfurt die Kurzzeitbesucher überwiegen, da fast 60 Prozent der Befragten maximal eine Stunde in der Stadt verweilen. Nur sechs Prozent bleiben länger als zwei Stunden.

Die meisten Besucher reisen mit dem Pkw an und sind mit der Parkplatzsituation zufrieden. Bevorzugt vor Ort erworben werden von den Staßfurtern Lebensmittel, Drogeriewaren, Medikamente und Blumen. Die Befragten aus dem Umfeld kaufen hier zum Teil ihre Waren des täglichen Bedarfs ein. Magnetbriebe in Staßfurt sind Kaufland, Real, Rossmann und Aldi.

Waren des mittelfristigen Bedarfs, wie zum Beispiel Textilien, Schuhe, Bücher, Spiel- und Schreibwaren sowie Sportartikel werden vor allem in Magdeburg eingekauft. Zudem hat der Internet- und Versandhandel bei diesem Sortiment einen hohen Marktanteil, fanden die Gutachter heraus.

Bei den Produkten des längerfristigen Bedarfs ist es ähnlich. Da spielt Magdeburg eine wichtige Rolle. Aber der Großteil der Kunden kauft Baumarktartikel, Elektronik, Optik, Uhren und Schmuck vor Ort ein.

Ein Großteil der Kunden ist mit dem lokalen Einzelhandelsangebot zufrieden. 35 Prozent der Befragten vermissen am meisten Textilien, Bekleidung und Modeartikel, acht Prozent ein Einkaufszentrum beziehungsweise Kaufhaus und vier Prozent ein Möbelgeschäft.

Allerdings würde der Großteil der Befragten Staßfurt als Einzelhandelsstandort nicht weiter empfehlen.

Als Magnetbranchen in Staßfurt wurden Lebensmittel, Sport, Baumarktartikel, Haushaltwaren, Optik, Uhren und Schmuck festgestellt. "Deutliche Entwicklungspotenziale bestehen vor allem bei Drogeriewaren, Bekleidung, Spielwaren und Elektrowaren/Unterhaltungselektronik. Flächenseitige Arrondierungsbedarfe gibt es unter anderem bei Schuhen und Büchern sowie Papier- und Schreibwaren", so das Fazit der BBE Handelsberatung. Sie rechnet für 2020 aufgrund der demografischen Risiken mit einem rückläufigen Nachfragepotenzial. Schon jetzt ist die einzelhandelsrelevante Kaufkraft mit 84,1 Prozent gering. Der Kreisdurchschnitt liegt bei 84,9 Prozent. Der Fokus der Einzelhandelsausstattung, die geringer ausfällt als in den umliegenden Städten, liegt in Staßfurt auf dem Lebenseinzelhandel und Baumarktartikel. Das Lebensmittelangebot in Nahversorgungslagen wurde als gut eingeschätzt. Allerdings hat die Innenstadt mit einem Anteil von nur elf Prozent an der Gesamtverkaufsraumfläche nur eine äußerst geringe Bedeutung. Das ist auf das große Flächenangebot in dezentralen beziehungsweise autokundenorientierten Lagen in der Hecklinger Straße und in der Hohenerxlebener Straße zurückzuführen.

"Unser Ziel ist es, den Einzelhandel in Staßfurt zu stärken", sagte Oberbürgermeister René Zok und fügte hinzu: "Wir müssen uns abgrenzen zu den umliegenden Mittelzentren Aschersleben, Bernburg und Schönebeck."

Die Kommune werde das Konzept, das Ende des Jahres vom Stadtrat beschlossen werden soll, nutzen, um auf interessierte Geschäftsleute zuzugehen. Für den Anfang der 1990er Jahre erbauten Markt auf dem Luisenplatz, der schon seit Jahren leer steht, zum Beispiel gebe es Interessenten, sagte der Wirtschaftsförderer der Stadt, Christian Schüler. Er verwies auf einen wichtigen Standortvorteil Staßfurts, dass von den Kraftfahrern keine Parkgebühren verlangt werden. "Das muss stärker beworben werden", sagte er.

Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept steht heute um 19 Uhr auch im Mittelpunkt des 3. Stammtisches des Gewerbevereins "Stadt an der Bode", der in der Gaststätte am Löderbürger See stattfindet. Dazu sind Vertreter aller Fraktionen eingeladen worden. Interessenten sind ebenfalls willkommen.