Mit der Linken Bianca Görke verfügt der Wahlkreis Staßfurt, den der Atzendorfer Peter Rotter von der CDU 2011 direkt gewonnen hatte, wieder über zwei Landtagsabgeordnete. Am vergangenen Donnerstag erhielt die 47-jährige Staßfurterin ihre Ernennungsurkunde.

Staßfurt l Sie rückte für Angelika Klein, die Ende Mai zur neuen Landrätin des Kreises Mansfeld Südharz gewählt worden war, über die Landesliste in das Landesparlament nach. Damit haben die Staßfurter Linken erstmals seit 1994, wo Rolf Funda nach vier Jahren ausschied, auch wieder einen eigenen Vertreter im Landtag.

Ihr Wahlkreisbüro will die verheiratete Mutter zweier Kinder in der ehemaligen Staßfurt-Information im Erdgeschoss des Salzlandtheaters einrichten und dort regelmäßig Sprechstunden für die Bürger durchführen.

"Dieser Standort ist barrierefrei und deshalb auch für Behinderte gut erreichbar. Dort werde ich auf jeden Fall immer montags anzutreffen sein, denn das ist der Wahlkreistag", sagte Görke. Die Eröffnung des Büros ist für den kommenden Monat vorgesehen. Für die Büroarbeit will sie zwei Frauen auf eigenen Wunsch auf Teilzeitbasis einstellen.

Mit ihrem Parteifreund, dem Bundestagsabgeordneten Jan Korte, will Görke künftig enger zusammen arbeiten. Ihm will sie auch anbieten, ihre Räume für seine Bürgersprechstunden zu nutzen.

Görkes Ziel ist es, sich im Landtagswahlkreis Staßfurt, der die Städte Staßfurt und Hecklingen sowie die Verbandsgemeinde Egelner Mulde umfasst, vorzustellen und mit den dortigen Problemen vertraut zu machen. "Ich bin in Borne aufgewachsen, in Hecklingen zur Schule gegangen und spiele in Westeregeln Tennis", sagte die Staßfurterin. Von daher kenne sie diesen Landstrich und seine Menschen sehr gut.

Görke kann auch auf jahrelange Erfahrungen in der Politik verweisen. Sie war in den Nachwendejahren, damals noch als SPD-Mitglied, stellvertretende Landesvorsitzende der Jungsozialisten und Stadträtin.

In den letzten Jahren arbeitete die Sportwissenschaftlerin als Hotelchefin im Harz, leitete den Sport- und Freizeitpark in Gänsefurth und zuletzt als Dozentin und Reiseleiterin.

"Ich habe immer gearbeitet. Das waren alles lehrreiche Erfahrungen, aber nichts für das ich mich schämen müsste", sagte Görke, die mit der Kommunalwahl Ende Mai dieses Jahres auch wieder ein Stadtratsmandat bekam, dieses Mal allerdings bei den Linken, deren stellvertretende Fraktionsvorsitzende sie ist.

Bianca Görke ist froh darüber, nun auch über einen Draht in die Landespolitik zu verfügen und dafür auch Ansprechpartnerin zu sein. Sie hat den Anspruch, dass auch die Landespolitik von jedem verstanden wird.

"Vieles ist mir derzeit zu abgehoben."

"Vieles ist mir derzeit zu abgehoben", sagte die 47-Jährige und versicherte ihren Wählern: "Ich werde immer geerdet bleiben!"

Sie will sich auch nicht verbiegen lassen und auch mit dem politischen Gegner Kontakte pflegen. Als Beispiel nannte sie den Landtagspräsidenten Detlef Gürth (CDU), den sie durch den Sport schon seit langem kennt, oder Ex-Innenminister Manfred Püchel (SPD), mit dem sie damals zusammen gearbeitet hatte.

"Mir ist wichtig, im Landtag darauf einzuwirken, dass Bildung nicht als Strafmaßnahme und am Ziel vorbei aufgezogen wird, sondern dass sie ein Segen ist", sagte die Politikerin auf ihre Motivation für die Landtagsarbeit angesprochen. Da lag es natürlich nahe, dass sie künftig als Mitglied im ständigen Ausschuss für Arbeit und Soziales mitarbeitet.

Wenig erfreut ist die Staßfurterin über die Schulschließungs-Diskussion in ihrer Heimatstadt. Denn im Land sei noch gar nicht klar, wohin die Reise gehe, sagte Görke in Anspielung auf die Überlegungen von SPD-Fraktionschefin Kathrin Budde, die die von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) geplante Anhebung der Mindestschülerzahlen für die Grundschulen in Frage gestellt hatte.

Eine Übergabe an freie Träger, wie das auch für die Löderburger Grundschule ins Gespräch gebracht wurde, hält Görke nicht für erstrebenswert. "Es ist traurig, wenn der Staat es nicht mehr schafft, die Schulen zu erhalten, und dabei ist Deutschland doch so ein reiches Land", sagte sie.

Von Oberbürgermeister René Zok (parteilos) erwartet die frischgebackene Landtagsabgeordnete, dass er sich mehr für die Bürger einsetzt und zum Beispiel für den Erhalt der Schulen kämpft. Er könne nicht einfach sagen, dass er bis zur nächsten Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr keine Stellung mehr zu diesem wichtigen Thema beziehen werde und Vorschläge verweigern. Zudem dürfe er mit dem Hinweis auf die angespannte Haushaltslage nicht alle guten Vorschläge abtuen, sondern müsse Ideen entwickeln, wie man bestimmte Probleme dennoch lösen könne, sagte Görke.

Sie erwartet von Zok auch einen größeren Einsatz zur Bekämpfung der vielen Ruinen im Stadtgebiet. "Der Oberbürgermeister muss die Altbesitzer mehr an die Kandarre nehmen", fordert Görke.

Anders als vor sechs Jahren strebt sie heute nach eigenem Bekunden den Oberbürgermeister-Posten nicht mehr an, sagte die Landtagsabgeordnete. "Da werden wir einen Kandidaten finden", so die Politikerin der Linken.

Sie könnte sich nach der nächsten Landtagswahl im Jahr 2016 ein Bündnis ihrer Partei mit der SPD gut vorstellen, wenn das zu einer sozialgerechteren Politik in Sachsen-Anhalt führen würde. "Aber nicht um jeden Preis. Man muss die rote Handschrift erkennen", sagte Görke. Ein Abbau von Lehrern und Polizisten zum Beispiel wäre mit ihr nicht zu machen.