Im Rahmen des "Elbe-Saale-Camps" nahmen etwa 25 Personen am "Dialog im Boot" teil. Darunter auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und Flussschützer Dr. Ernst Paul Dörfler.

Barby/Glinde l "Lass uns lieber nochmal Luft aufpumpen", sucht Iris Brunar von der Bürgerinitiative pro Elbe den Faltenbalg. Ruck zuck angeschlossen wird der Druck in dem grauen, mehrfach geflickten Schlauchboot um ein paar zehntel Bar erhöht. Es liegt am Glinder Elbeufer wie ein alter, gestrandeter Wahl. "Das ist Baujahr 1979", sagt Ernst Paul Dörfler fast entschuldigend. Da müsse man schon öfter mal pumpen.

1979. Ein Jahr, in dem die Binnenschiffe noch recht zahlreich auf der Elbe fuhren. Vor allem waren es Tschechen, die die Elbe als Transitstrecke nach Hamburg nutzten. Und heute? Während des "Dialoges" winken den Flussschützern und ihren Gästen nur die Freizeitkapitäne von Sportbooten zu. Binnenschiffe sind selten, sehr selten.

"Das Transportaufkommen geht nahe Null", schätzt Dörfler ein. Angesichts leerer Kassen müsse man doch jede einzelne Wasserstraße kritisch betrachten. Allein an der Saale seien in den vergangenen 20 Jahren rund 100 Millionen Euro für den Unterhalt ausgegeben worden. Und: Die Sanierung einer Elbbuhne würde 30000 Euro kosten. Gegenüber der Anlegestelle, auf der Ranieser Elbseite, wird gerade eine solche Buhne repariert und mit Steinen befestigt. "Sind solche Investitionskosten überhaupt noch verantwortbar", fragt Dörfler.

Hinterfrage man den wirtschaftlichen Nutzen oder ob einzelne Maßnahmen überhaupt notwendig sind, werde man als "Totengräber der Binnenschifffahrt" verteufelt oder schlichtweg überhört.

"Ich habe nichts gegen den Verkehrsträger. Ich habe nur etwas dagegen, dass Abermillionen nutzlos versenkt werden und die Natur Schaden nimmt", stellt Dörfler im Schlauchboot klar.

Darin sitzt auch Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). Wie schon der Besuch von Landrat Markus Bauer (SPD) zur Camperöffnung ist es ein Novum, dass ein "OB" zu den Flussschützern ins Boot steigt. Camporganisatoren wie Jutta Röseler sehen dies mit vorsichtigem Optimismus. Man begegne sich jetzt auf Augenhöhe.

Die andere Seite hören

Bert Knoblauch stellt derweil seine Teilnahme unter die Überschrift: "Man muss auch mal die andere Seite anhören." Er bekennt, nicht gegen jede Flussbaumaßnahme zu sein. Die Buhnensanierung sei für ihn in Ordnung. Aber so lange der Domfelsen in Magdeburg bei Niedrigwasser eindeutige Verhältnisse schaffe, sei es für den Rest des Flusses und die Schifffahrt problematisch. Dies könne man nur durch Staustufen der Elbe regeln, die aber nicht nur ökologisch fraglich seien, sondern auch den Hochwasserschutz gefährden, hakt Dörfler ein. Durch das Anstauen würden große Flächen vom Wasser "gesättigt", die dann bei großen Regenfällen nichts mehr aufnehmen könnten.

Jemand im Boot erinnert an eine Podiumsdiskussion, die vor vier Jahren im Camp lief. "Können wir uns eine wirtschaftliche Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale leisten?", war deren Titel. Dr. Ulrich Petschow vom Institut für ökologische Wirtschaftsförderung sprach damals über seine Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Eine Erhöhung des Verkehrs sei nach dem Kanalbau von der Saale zur Elbe nicht zu erwarten. Außerdem sei die Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung sehr begrenzt. "Eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf den Fluss wird es nicht geben. Diese Automatik funktioniert unseren Erfahrungen nach nicht. Das Erste, was passiert, ist, dass die Preise bei der Bahn fallen", wurde Petschow zitiert.

Nicht zu beeinflussen

"Bei einem frei fließenden Fluss ist die Wassermenge entscheidend. Wassermenge und Regen können wir weder beeinflussen, noch vorhersagen", fasst Ernst Dörfler mit Blick zum Himmel zusammen. Heute hat der Wetterbericht Starkregen voraus gesagt. Beim Start zur zweiten Etappe in Glinde brennt die Sonne so eigenartig, dass man das Eintreffen der Wetterprognose befürchten muss. Kurz vor dem Bootshaus "Delphin" macht der Himmel dann ernst. Ein Gewitterguss entlädt sich, der den Dialog Dialog sein lässt. Der "graue Wahl" und seine Besatzung retten sich ebenso wie alle anderen Paddler ans Ufer. Der Oberbürgermeister im sportlich-weißen Hemd wird noch klatschnasser, als jene, die wenigstens eine Kunststoffpelle dabei haben.

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