Der Gewerbeverein "Staßfurt - Stadt an der Bode" hat sich bei seinem 3. Stammtisch in der Gaststätte am Löderburger See mit dem frischgebackenen Einzelhandelskonzept für Staßfurt beschäftigt. Zu der Diskussion waren auch Stadträte eingeladen.

Löderburg l "Wir haben ein Ziel, eine lebens- und liebenswerte Stadt. Dafür sollten wir alles tun", sagte Vereinschef Ronald Tessmer, der sich gegen weitere Ansiedlungen in den Randbereichen der Stadt aussprach. Es müsse versucht werden, neue Investoren nach Staßfurt zu holen.

In diesem Zusammenhang bedauerte Tessmer, dass der Stadtrat gegen den Neubau eines Einkaufszentrums mit einem rund 1000 Quadratmeter großen AWG-Textil- und einem Netto-Supermarkt auf dem Neumarkt neben der Tankstelle gestimmt hatte.

Davon hätte der Innenstadthandel in der Steinstraße nicht profitiert, weil die Kunden mit dem Auto dort hin gefahren wären, sagte der Fraktionschef der Unabhängigen Wählergemeinschaft "Salzland"/AfD Harmut Wiest und fügte hinzu: "Das Stadtzentrum muss unbedingt aktiviert und entwickelt werden."

Das Kaufland-Zentrum in der Hecklinger Straße und Real zögen Kaufkraft ab. Deshalb hätte er sich gewünscht, dass die Gutachter, die Firma BBE Handelsberatung GmbH Erfurt, die das Einzelhandelskonzept für Staßfurt erarbeitet hat, Vorschläge unterbreitet, wie man solche Unternehmen zur Verlagerung ihres Standortes in die Innenstadt oder zu einer Sortimentsbeschränkung bewegen könne.

Das fehle in der Aufgabenstellung der Stadt, so Wiest. "Ich bin enttäuscht über die Arbeit der Stadtverwaltung und des Bauausschusses, dass er sich das Thema nicht auf den Tisch gezogen hat", ergänzte der Stadtrat.

"Ich halte es für falsch, irgendwelchen Leuten Beschränkungen aufzuerlegen. Das ist nicht der richtige Weg."

"Ich halte es für falsch, irgendwelchen Leuten Beschränkungen aufzuerlegen. Das ist nicht der richtige Weg", sagte Tessmer, der ebenfalls scharfe Kritik an der Stadtspitze übte. "Keine Grünanlage in der Innenstadt sieht vernünftig aus. Es gibt kleine Städte, die uns da was vormachen, auch mit Blumenkübeln. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, warum das, was vorhanden ist, nicht erhalten wird. Wenn wir uns so weiter entwickeln, haben wir in zehn Jahren keine Bedeutung mehr", sagte der Vereinschef und stellte die Frage: "Warum leisten wir uns eigentlich eine Wirtschaftsförderung, die nichts bringt?"

Es müsse geklärt werden, wer für die Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit in der Stadt konkret zuständig sei, sagte FDP-Fraktionschef Johann Hauser. Er zerstreute die Vorstellungen, dass man mit Hilfe eines besseren Öffentlichen Personennahverkehrs mehr Kunden nach Staßfurt bringen könnte. "Darauf können sie in Zukunft nicht zählen. Da ist keine Besserung in Sicht, denn das ist abhängig vom Schülerverkehr", sagte Hauser in seiner Eigenschaft als Kreistagsabgeordneter.

Er bat die Gewerbetreibenden zudem um Unterstützung für die in Förderstedt laufende Unterschriftensammlung für einen neuen Radweg nach Staßfurt. "Da brauchen wir einen langen Atem", prophezeite der FDP-Politiker. Eine bessere Erreichbarkeit Staßfurts von den Ortsteilen aus hatte zuvor auch Tessmer gefordert.

"Früher sind die Menschen zum Einkaufen in die Stadt gefahren, jetzt fahren sie raus", sagte Jürgen Gärtner. Vor 17 Jahren, als das letzte Einzelhandelskonzept erarbeitet wurde, habe man vor den gleichen Themen gestanden. Man müsse eine Lenkungsfunktion haben.

Wiest hält eine Konzentration auf die Steinstraße für völlig unsinnig. Und auf dem Bahnhof mitten in der Stadt dürfe kein Güterumschlagplatz mehr stattfinden. Bislang habe die Kommune nichts dagegen unternommen.

Die Firma BBE habe nicht zum Ausdruck gebracht, dass die Steinstraße das einzige Einkaufszentrum sein solle, stellte Tessmer klar. "Wir müssen das attraktiv machen, was wir haben", sagte der Vereinschef. Deshalb begrüßte er die Pläne von privaten Investoren, den Supermarkt auf dem Gelände zwischen Prinzenberg und Petrikirchstraße und das Umfeld aufzupeppen. "Jeder Kunde, der mehr nach Staßfurt kommt, belebt die Stadt", sagte er.

"Wir müssen die Brumbyer so weit bringen, dass sie nicht mehr zum Einkaufen nach Calbe fahren, sondern nach Staßfurt", sagte der Landtagsabgeordnete Peter Rotter (CDU). Deshalb müsse die Stadt anziehender und besser erreichbar werden.

"Wir sollten überlegen, wie wir einen interessanten Branchenmix hinbekommen", sagte Uwe Büttner, der sich zugleich für gleiche Öffnungszeiten der Innenstadtgeschäfte aussprach. Und mit einem Seitenhieb in Richtung Oberbürgermeister René Zok meinte er, es wäre besser wenn die ehrenamtlichen Ordnungshelfer statt nach Falschparkern zu schauen einen Rasenmäher in die Hand nähmen.

"Es gibt kein Projekt in der Stadt, dass auf die Initiative des Oberbürgermeisters zurück zu führen ist bis auf die Biogasanlage. Nächstes Jahr ist Wahljahr und damit Zahljahr", sagte Büttner.

Vorstandsmitglied Matthias Metz verlangt von der Stadtverwaltung, dass sie notfalls den seit Jahren leerstehenden Einkaufstempel am Luisenplatz dem Besitzer abkauft, um ihn wieder neu beleben zu können.

"Wir sollten aufhören, den Großen hinterher zu laufen", sagte Tessmer und verwies auf das ehemalige Modegeschäft in der Steinstraße. Deren Besitzerin suche händeringend nach einem Nachmieter. Es gebe aber Probleme mit dem Brandschutz und mit der Stromstärke.

Marion Stops sagte, es wäre besser, wenn sich die Vereinsmitglieder dafür engagieren würden, für die acht leerstehenden Läden in der Steinstraße neue Interessenten zu finden.