Güsten. So schnell wie sie aushalf, so schnell war sie auch schon wieder weg. Mit Ansage. Als Iris Eberl vor einem Jahr Pflegedienstleiterin der Sozialstation der Diakonie Güsten wurde, weil die bisherige eine andere wichtige Aufgabe innerhalb der Kanzler von Pfau‘schen Stiftung Bernburg übernahm, stand für die Köthenerin fest: Es wird nur für ein Jahr sein.

Stiftungsdirektor Andreas Schindler bedauert einerseits diese Konsequenz, zumal die 42-Jährige mit ihrem 17-köpfigen Team erst kürzlich eine 1,1 bei der Prüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen erreichte. Doch Schindler weiß auch, Iris Eberl steht weiterhin im Dienst der Stiftung – in ihrem ehemaligen Arbeitsort Köthen.

"Sie waren in den vergangenen Wochen oft eher unterwegs als der Winterdienst"

Das Zeugnis, das Andreas Schindler seiner Fachkraft während der Verabschiedungsfeier mit allen Kolleginnen gab, enthielt nur Einsen. Manche mit Sternchen, hinter "Sozialverhalten" stand sogar eine mit zwei Sternchen.

"Aber wir haben weitere junge, nach vorn strebende Damen in der Stiftung, die Pflegedienstleiterin werden wollen", stellte der Stiftungsdirektor mit Nicole Groß vor, die ab heute neue Chefin in Güsten ist.

Sie sei in Bernburg in mehrfacher Hinsicht "auffällig" geworden. "Sie sucht die Herausforderung, zeigt Ehrgeiz, zeichnet sich durch eine gesunde Nachdenklichkeit aus und bewies im Pflegebereich bereits eine hohe Kompetenz", geizte Schindler nicht mit Vorschusslorbeeren.

Herzlich begrüßt wurde die 30-Jährige auch vom Güstener Pfarrer Arne Tesdorff, der seine Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass die Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und der Begegnungsstätte noch besser werde. Dass Iris Eberl wieder nach Köthen gehe, könne er verstehen. Die Menschen würden eben kurze Arbeitswege suchen. Er habe jedenfalls immer viel Lob über die bisherige Pflegedienstleiterin gehört, wie toll sie zuhören konnte, wie sie sich Zeit nahm, welche Tipps sie geben konnte. Kurzum für sie sei der Beruf Berufung.

Verabschiedet wurde anlässlich der Feierstunde auch Inge Bremer. Sie geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Und Andreas Schindler überreicht allen 17 Mitarbeiterinnen des häuslichen Pflegedienstes in Güsten eine Rose, als Symbol der Dankbarkeit für ihre Arbeit. "Sie waren in den vergangenen Wochen oft eher unterwegs als der Winterdienst und sogar dort, wo der Winterdienst nie hinkam", zollte der Chef aus Bernburg den Angestellten hohen Respekt, dass sie diese Zeit mit Bravour überstanden hätten. "Das zeigt auch, dass ihnen ihre Arbeit Freude macht und ihnen die meist älteren Menschen am Herzen liegen."

Iris Eberl blickt unterdessen auf eine schöne Zeit in Güsten zurück. "Die Leute hier sind wirklich, wie die Ränzelstecher-Sage sie charakterisiert: Mutig und ehrlich. Und sie können auch mal über sich lachen", nimmt die 42-Jährige von ihren bisherigen Mitarbeiterinnen wie Patienten mit.

Ihre Nachfolgerin will übrigens länger bleiben als ein Jahr, wie Nicole Groß versicherte.

Die Pflegestation Güsten ist eine von zahlreichen Einrichtung der Kanzler von Pfau‘schen Stiftung, die unter dem Dachverband des Diakonischen Werkes zwischen Ballenstedt, Eisleben und Bernburg betrieben werden. Die Stiftung beschäftigt insgesamt 360 Mitarbeiter. Von Güsten aus werden momentan rund 100 Patienten in Güsten und allen Nachbarorten zwischen Aderstedt, Neundorf und Wirschleben betreut.