Riesig ist die Anteilnahme an der Einweihung der neuen Bodebrücke am Mittwochnachmittag in Staßfurt. Kaum ein Platz ist frei auf den Festzeltgarnituren für 600 Leute, dazu Hunderte, die über die Fahrbahn schlendern. Ein Jahr kilometerweite Umleitungswege nach Abriss der alten Brücke und Neubau der Nachfolgerin sind Geschichte.

Staßfurt l "Über 1000 Kilometer sind wir in dem Jahr mehr gefahren als sonst. Das läppert sich zusammen, wenn man statt zwei Kilometer den doppelten Weg von uns zum Salzlandcenter braucht." Helga John ist offensichtlich nicht allein mit ihrer Freude, endlich wieder den gewohnten Weg über die Bode nehmen zu können. Mit ihr feiern schätzungsweise 1000 Staßfurter die neue Brücke. Die ersetzt ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1885. Die Seniorin und ihr Mann Wolfgang schätzen auch, dass das blaue Geländer dem vorherigen ähnelt. Und dass mit nur noch einem Pfeiler im Flussbett der Abfluss im Hochwasserfall verbessert ist.

Froh über den riesigen Zuspruch ist auch Oberbürgermeister René Zok, besonders auf seine Einladung zum Picknick auf der Brücke. Und vor allem, weil es im Vorfeld viele Diskussionen gegeben habe, sagte Zok vor dem Scherenschnitt. "Diskussionen über die Baustraße in der Bode, über die Behelfsbrücke, über befürchtete Staus auf den Umleitungsstrecken. Bis zuletzt wurde diskutiert - selbst über das Picknick. Ist ja auch was völlig Neues in Staßfurt", zeigte sich der OB erleichtert, dass die Kritiker nun offensichtlich eines Besseren belehrt wurden.

Der Vollständigkeit halber darf allerdings nicht vergessen werden, dass der Auftragnehmer noch kurzfristig 500 Grillwürstchen und Getränke für die Fete sponserte, sonst hätte man den Belag für die 600 angekündigten Brötchen selbst mitbringen müssen. Größer war letztendlich die Sorge René Zoks, die Gäste wieder rechtzeitig von der Brücke zu bekommen. Er appellierte deshalb an die Feiernden, das Picknick nicht allzulange auszudehnen und beim Zusammenräumen den Stadtpflegebetrieb zu unterstützen, damit die Brücke für den Verkehr freigegeben werden kann. Das klappte schließlich mit nur wenigen Minuten Verspätung. Minister Thomas Webel, der sich sehr überwältigt vom persönlich demonstrierten Interesse der Staßfurter zeigte, wurde die Ehre zuteil, mit der Staßfurter Salzfee Stephanie Otto und dem Oberbürgermeister die Erstbefahrung von Brücke und Kreisverkehr zu unternehmen - lautstark im Konvoi mehrerer Fahrzeuge verschiedener Ortsfeuerwehren der Stadt.

Rolf Meier, Bauleiter des Auftragnehmers aus Osterburg, blickt trotz der einen Monat früher als geplanten Verkehrsfreigabe auch mit einem weinenden Auge auf die Baustelle in Staßfurt. Schon eine Woche nach Baubeginn war ein Baustromanschluss zerstört. Zwei Tauchpumpen und ein Stromaggregat fanden neue Besitzer. Mehrmals wurde in die Baucontainer eingebrochen.

"Möge die Brücke ein Zeichen setzen, das unsere Menschheit, unsere Welt so dringend braucht. Ein Zeichen der Liebe, Brüderlichkeit und Verbundenheit", hatte Pfarrer Thomas Weigel gesagt, als er mit Pfarrer Diethard Schaffenberg die Segnung des Bauwerks vornahm.

Die Staßfurter haben zudem ihr wohl beliebtestes Fotomotiv wieder. Schnörkellos, wenn alle Restarbeiten erledigt sind.

   

Bilder