Für Fußballfreunde eine mittlere Katastrophe: Der SV Hohenerxleben hat momentan keine Mannschaft mehr im Punktspielbetrieb. Für den Kultur- und Heimatverein Hohenerxleben ein Grund, den Sportlern mit seinen Mitteln unter die Arme zu greifen. Zu ihrem Tag der offenen Tür gestalteten die Heimatfreunde zusammen mit älteren Sportfreunden eine Sonderausstellung.

Hohenerxleben l Es sieht gerade nicht so rosig aus um die Zukunft des Sportvereins Hohen-erxleben. Die Spieler werden immer weniger. Nur noch eine Alte-Herren-Mannschaft hält zur Stange und nutzt das nicht gerade üppig wachsende Grün des Fußballplatzes. "Dabei ist das eine so schön gelegene Anlage. Das kann man doch nicht den Bach runter gehen lassen", meint Ursula Pennigsdorf. Sie ist seit 52 Jahren Mitglied im Sportverein - und außerdem Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Hohenerxleben (HKVH). "Der Sportverein liegt mir persönlich auch zu sehr am Herzen, als dass wir ihn gehen lassen."

"Das kann man doch nicht den Bach runter gehen lassen."

Die engagierte Hohenerxleberin sieht sich darin von vielen Mitstreitern gestärkt. Und so lag es nahe, in Erinnerung zu rufen, welche erfolgreicheren Zeiten die Fußballer des Bodedorfes schon erlebt haben. Diese Zeiten wurden am Sonnabend bei der Eröffnung der Sonderausstellung in der Alten Schule, dem Domizil des KHVH verdeutlicht. Da wäre zum Beispiel der Aufstieg beider Männermannschaften 1986 zu nennen, der Hallenkreismeistertitel 1999. Oder auch solche Vereinshöhepunkte wie das Spiel gegen den 1. FC Magdeburg mit Sparwasser Co. im Jahr 1983. Gerade da hatte der Sportverein schonmal einen Tiefpunkt überwunden, der von 1970 bis 1980 währte.

Gerhard Gaberle, unter anderem ehemaliger Nachwuchstrainer, des SV Hohenerxleben, sowie 30 Jahre Schriftführer und Betreuer der Alten Herren, erinnert sich: "Wir waren abgestiegen, die Spieler in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Unser Sportplatz: zugewuchert. Unser Vereinshaus: abgerissen. Die einzig übrig gebliebene Mannschaft der Alten Herren konnte nur auswärts spielen."

Doch engagierte Sportfreunde wie zum Beispiel Gerhard Sternitzke, Kurt Thüne, Gerhard Gaberle und andere schafften es, den Verein aus seinem Dornröschenschlaf wach zu rütteln. 1980 wurde eine Jugendmannschaft gegründet, ein Jahr später wieder ein Männerteam. Nutzten die Sportfreunde als Kabine damals noch einen "Leutewagen" (Anhänger zur Beförderung von Arbeitskräften in der Landwirtschaft) und Duschwasser aus einer Kaupe, ging es ab 1983/84 auch diesbezüglich wieder bergauf. Da wurden Strom- und Wasserleitungen gelegt. Gerhard Viereckl besorgte eine ausgemusterte Baracke vom damaligen Chemieanlagenbau Staßfurt, die heute noch als Vereinshaus dient.

"Es muss sich jemand vor den ,Karren` spannen, sonst bleibt der stecken", landet Ursula Pennigsdorf wieder hart in der Gegenwart. Man habe jedenfalls einiges vor, erklärt sie vielversprechend. Nicht zuletzt auch, junge Sportfreunde in die Ausstellung zu locken. Denn die machten sich am Sonnabend etwas rar.

Man darf gespannt sein.

Der Kultur- und Heimatverein zeigte übrigens eine zweite Sonderausstellung. Die 61 Bilder mit Motiven von Hohenerxleben stellten Hobbyfotografen aus dem Bodeort zur Verfügung. Sie zeigen die schöne Bodelandschaft, natürlich Schloss und Kirche, versteckte Tiere und farbintensive Blumen, den herrlichen Park, Stimmungen bei Morgen- und bei Abendrot. Und immer wieder die Bodeaue. Den Wettbewerb, der zum Heimatfest ausgerufen worden war, gewann übrigens Judith Doberstein mit ihrem "Schloss in der Kugel".

Die kleine Ida machte unterdessen Pferde auf den Bodewiesen als ihr Lieblingsfoto aus. Die Zweijährige und ihre Mama Yvonne Rötling hörten in der Ausstellung, was zum Beispiel Helga Nordmann bewegt, zum Fotoapparat zu greifen und festzuhalten, was sie täglich vor Augen hat. "Ich fotografiere, weil es mir Spaß macht. Oder hier, der Schwalbentreff auf den Stromleitungen. Sowas wird`s bald nicht mehr geben." Und Ilona Franke, die das Hobby der 72-Jährigen teilt, erklärt: "Ich denke beim Fotografieren auch immer an nachfolgende Generationen."

Wer die Ausstellungen in der Alten Schule sehen will, kann das beim monatlichen Treff des Heimat- und Kulturvereins jeden ersten Montag, ab 18.30 Uhr oder nach Vereinbarung mit Familie Pennigsdorf (Tel. 03925/30 34 43).

 

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