Bürger aus Cochstedt fürchten die Schließung ihres Volkshauses. Aufgrund dringend nötiger Reparaturen muss der einzige Saal des Ortes im Moment geschlossen bleiben. Mit Transparenten demonstrierten viele Cochstedter am Dienstag für den Erhalt.

Hecklingen l Der Auftakt der närrischen Zeit rückt mit dem 11. 11. immer näher. Eigentlich feiert der Cochstedter Karnevalsverein den Beginn der Session immer mit einer großen Veranstaltung im Volkshaus. Ob es in diesem Jahr dazu kommt, ist derzeit ungewiss. Im Moment ist der Saal gesperrt. "Kein Zugang", weiß Mandy Witt. Die Karnevalistin war eine von vielen Coch- stedtern, die am Dienstag nach Hecklingen fuhren. Dort tagte der Stadtrat. Die Cochstedter wollten vom Bürgermeister der Stadt wissen, wie die Sachlage ist und was der Rathauschef unternimmt, um ihnen zu helfen.

"Wir würden uns auch mit einbringen und selbst mit anpacken."

Dabei ist das Problem mit dem Volkshaus nicht neu. In den zurückliegenden Jahren war auf öffentlichen Beratungen immer wieder angesprochen worden, dass Sanierungsbedarf besteht (siehe Infokasten). In diesem Jahr hat sich die Lage aber zugespitzt. Bereits vor knapp sechs Monaten hatte die Stadt einen Gutachter in die Spur geschickt, der die gesamte Dachkonstruktion unter die Lupe nahm. Er garantierte der Stadt aber nur, dass in den folgenden sechs Monaten nichts passiert. In dieser Zeit war das Haus auch geöffnet.

Jetzt ist die Gewährleistungszeit verstrichen. Die Stadt hat erneut einen Bausachverständigen und einen Statiker beauftragt. "Sie sollen das gesamte Haus begutachten und die Sanierungskosten für das gesamte Haus ermitteln", erklärte Hecklingens Bürgermeister Hans Rüdiger Kosche (CDU) die Sachlage.

Er sagte den aufgebrachten Bürgern zu, dass er ein Ergebnis in zirka drei Wochen erwarte. Davon hängt ab, wie es weiter geht. Der Stadtchef versprach, sofort Bescheid zu geben.

Denn die Bürger aus Cochstedt lassen nichts unversucht. Ihnen ist klar, dass Geld nötig sein wird. Ein Spendenkonto soll daher eröffnet werden. Rundfunk und Presse wurden eingeschalten.

"Was wird aus dem Volkshaus? Wann können die Arbeiten anfangen? Diese Fragen bewegen uns. ", sagte die Cochstedterin Mandy Witt. Sie bot im Namen vieler Bürger Hilfe an. "Wir würden uns auch mit einbringen und selbst mit anpacken."

"Dieses Angebot nehmen wir gern an", antworte Hans Rüdiger Kosche. Er erklärte aber auch, dass die Sanierung aus eigener Kraft nicht gestemmt werden kann. Das ist dem Stadtchef schon jetzt bewusst. Er machte den Bürgern klar, dass die Beantragung von Zuschüssen mit viel Zeit verbunden sei. Die Antragstellung nehme mehr als ein paar Tage in Anspruch. Erst wenn ein Zuwendungsbescheid da sei, könne mit dem Bau begonnen werden.

"Von mir aus soll das Haus an 52 Wochenenden im Jahr genutzt werden. Damit die Investition sich lohnt."

Stadtrat Tobias Walther (Wählergemeinschaft Hecklingen) appellierte an die Kommune, mehr an die Öffentlichkeit zu gehen, um Lösungen für Alternativen zu finden.

Günther Hoffmann (CDU/FDP) meinte, dass der vorgeschlagene Spendenaufruf nicht nur auf Cochstedt begrenzt werden soll. "In einer solchen Situation sollten wir die gesamte Stadt aufrufen", so der Kommunalpolitiker.

Für René Lohse (WGH) aus Cochstedt ist es wichtig, zwei Lösungswege zu unterscheiden. Einerseits müsse der Bürgermeister kurzfristig "Druck beim Gutachter ausüben", um sicher zu stellen, "Was können wir kurzfristig machen, um den 11.11. zu retten." Andererseits müsse an einer langfristigen Strategie zur Sanierung gearbeitet werden.

Roger Stöcker (SPD) schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich regelmäßig trifft.

Bürgermeister Hans Rüdiger Kosche versicherte, alles Mögliche zu unternehmen, um die Karnevalsveranstaltungen zu halten.

Ein Risiko, dass während der Prunksitzungen etwas passiert, werde er aber nicht eingehen. Sicher für ihn ist, dass die permanente Nutzung im Fall einer Sanierung gegeben sein müsse. "Von mir aus an 52 Wochenenden im Jahr. Damit die Investition sich lohnt."

 

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