Die angespannte Situation mit Asylbewerbern im Salzlandkreis war jetzt Thema. Sowohl im Sozialausschuss als auch im Kreistag wollten die Mitglieder Auskunft vom Kreis haben. Vorausgegangen war vor einer Woche ein tätlicher Übergriff in der Gemeinschaftsunterkunft in Schönebeck.

Schönebeck/Staßfurt l Die Zahlen, die Reingard Stephan, Fachbereichreichsleiterin im Landratsamt Bernburg, nennt, sind ernüchternd. Zwischen 400 und 500 Asylbewerber befinden sich derzeit im Salzlandkreis - Tendenz stark steigend. "Sie müssen nur einmal die Nachrichten schauen, dann können Sie sich das ausmalen", sagt sie am Dienstagabend im Sozialauschuss.

Vor allem aus den Ländern Syrien, Irak, Indien, Albanien und den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens kommen derzeit Menschen nach Deutschland mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Teilweise flüchten ganze Familien aus Kriegsgebieten, ohne Hab und Gut, psychisch und physisch am Ende.

Der Vorfall vor einer Woche in Schönebeck, als es an der Gemeinschaftsunterkunft an der sogenannten Schifferschule zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Asylbewerbern kam, nehmen Ausschuss- und Kreistagsmitglieder zum Anlass und fordern Aufklärung von der Verwaltung. Wie Reingard Stephan berichtet, werden die jetzigen zentralen Unterkünfte in Bernburg und Schönebeck in Zukunft nicht mehr ausreichen. "Jeden Monat bekommen wird etwa 60 Personen hinzu, davon werden etwa 20 in Wohnungen vermittelt. Netto bleiben als rund 40."

Deshalb gibt es nun Überlegungen, die Schifferschule für 150 Plätze herzurichten. Auch in den anderen ehemaligen Kreisstädten des Salzlandkreises sollen neue Räumlichkeiten geschaffen werden. Wo und wie steht allerdings noch nicht fest. Nur eines weiß Reingard Stephan mit Gewissheit: Die Zeit drängt.

Denn was die Mitarbeiter im Landratsamt im Hintergrund leisten und finanziell aufbringen müssen, ist auch nicht ohne. So können beispielsweise Familien in Wohnungen vermittelt werden. "Dafür müssen wir aber bei den Verwaltern in den großen Städten geeignete Wohnungen finden, Untermietverträge abschließen und die Wohnungen notdürftig einrichten", erklärt Reingard Stephan. Damit wäre dann aber erst der erste Schritt zur Integration getan. Viele weitere müssen folgen.