Der Ausschuss für Kultur- und Bildung des Stadtrates hat sich dafür ausgesprochen, das ehemalige Feuerwehr-Depot im Athenslebener Weg als Stadt- und Verwaltungsarchiv herzurichten. Er folgte damit einem Antrag der Linken.

Staßfurt l Wenn der Stadtrat diesem Vorstoß folgt, sollen die Aufgabenstellung und die qualifizierte Kostenschätzung, die durch das Büro Koslowski am 13. Januar 2011 vorgelegt wurden, aktualisiert werden. Die Mittel für die Planung und den Umbau sowie die Sanierung des Objektes sollen bei der Finanzplanung der Stadt berücksichtigt werden.

Der Antrag des zuständigen Fachbereichsleiters der Verwaltung, Hans-Georg Köpper, das Thema zu vertagen, fand nur die Unterstützung von Günther Döbbel (FDP-Fraktion) und war damit vom Tisch.

Laut Köpper gibt es mit der Nutzung des leerstehenden Feuerwehrdepots der Stadt im Athenslebener Weg und einer möglichen Einmietung in das einem privaten Investor gehörende Gebäude der Hauptpost zwei Varianten. Das Planungsbüro sei noch dabei, das Feuerwehr-Haus zu untersuchen.

Inzwischen habe der Posteigentümer ein neues Angebot vorgelegt, sagte Köpper. Es geht auf die neuen Bedarfsrechnung ein, wonach mit einer gestiegenen Aktenkapazität von 1000 auf 1660 laufende Meter zu rechnen sei. "Diese Kapazität erfordert eine neue Raumplanung. Wir bieten ihnen hier diese neuen Flächen nach Umbau der Remise auf dem Gelände der Alten Hauptpost Staßfurt an. Der Umbau kann im zweiten Halbjahr 2015 erfolgen, wenn, wie geplant und vorbereitet, die Postlogistik ausgezogen ist", heißt es in einem Schreiben der Sonora Immobilien GmbH an Köpper.

Die monatliche Nettomiete gab Sonora-Geschäftsführer Eberhard Giebeler mit 5,25 Euro pro Quadratmeter an. Bei einer Fläche von 276 Quadratmeter ergibt das einen Monatsbetrag vom 1449 Euro bei einer Vertragsdauer von 20 Jahren, mit Verlängerungsoption. Die Nebenkosten schätzt der Vermieter auf 2,50 Euro pro Quadratmeter, also rund 700 Euro pro Monat.

Neben den Archivräumen soll der Stadt ein barrierefreier Zugang und eine WC-Anlage, ein Büro- sowie ein Leseraum zur Verfügung gestellt werden.

"Es ist auch beabsichtigt, das Gesamtgebäude städtebaulich zu entwickeln, dass mit dem Archiv als Anker ein insgesamt sehr attraktives zentrales Grundstück entsteht. Die Remise wird von innen und außen nach denkmalschützerischen Grundsätzen renoviert", verspricht die Gesellschaft.

Den Linken gehe es mit ihrem Vorstoß um ein Bekenntnis nicht für einen privaten Investor, sondern für die Nutzung eines im Besitz der Stadt befindlichen Objektes, sagte Ausschuss-Chef Gerhard Wiest (Linke). Gerade für einen so sensiblen Bereich wie ihn ein Archiv darstelle, brauche man eine langfristige Sicherheit. Gegen eine Einmietung hätten die Linken grundsätzliche Bedenken. Sie seien grundsätzlich dafür, sich nur in der eigenen Gebäudesubstanz zu engagieren.

Für den Umbau des Feuerwehrgebäudes hatte die Stadtverwaltung zwei Gutachten in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse stark voneinander abweichen. Das Staßfurter Büro Koslowski, dessen Kostenschätzung laut Gerhard Wiest einen plausiblen und transparenten Eindruck machte, hatte den Finanzbedarf im Januar 2011 zunächst mit 350 000 Euro brutto angegeben, ihn wenig später aber auf rund 200 000 Euro reduziert.

Die Grobkostenschätzung des Büros Arch-Bau Borne dagegen endete bei rund 800 000 Euro, so Wiest in der konstituierenden Stadtratssitzung. Die Berechnung sei hier offenbar auf möglichst hohe Kosten hin ausgerichtet gewesen, sagte Wiest in Anspielung auf den falsch berechneten Bruttorauminhalt.

Die Linken hatten angesichts dieser gravierenden Unterschiede eine Akteneinsicht beantragt. Dabei mussten sie unter anderem feststellen, dass die Auftragsbücher für die Jahre von 1990 bis 1999 verschwunden sind. Das leerstehende Objekt schlägt demnach pro Jahr mit Aufwendungen von rund 2200 Euro zu Buche.