Wer einmal den Rundblick vom Löderburger Wasserturm genießt, sieht nicht nur das eigene Leben auf einmal aus einem anderen Blickwinkel. Die Aussicht lädt auch ein, sich an vieles zu erinnern, was einst im Ort war.

Löderburg l Armin Hohn aus Staßfurt und Peter Becker aus Löderburg stehen ganz oben in der letzten Etage des Löderburger Wasserturms. Die beiden kennen sich kaum, kommen hier aber ins Gespräch. Den beiden Männern macht es Spaß, dieses oder jenes Gebäude aus der Ferne zu entziffern und zuzuordnen und sich gegenseitig zu erklären, was es mit der Geschichte dieser Ecken im Ortes auf sich hat.

Richtung Norden blickend sagt Peter Becker: "All diese Seen, der Kippteich, die Laake, die man hier sieht, sind durch den Tagebau entstanden. Der Unseburger Kohleabbau ging bis hierher." Armin Hohn ergänzt: "Der Tagebau begann Anfang des 18. Jahrhunderts und bis 1952 wurde hier Kohle gefördert, denke ich." An einem der Seen steht noch ein roter Klinkerbau, in dem damals die Verwaltung für den Schachtbetrieb saß.

Hier sei auch genau die Grenze zwischen Kohle- und Salzbergbau gewesen. Peter Becker erinnert sich: "Neben der Laake war ein ganz kleiner Teich, der salzhaltig war. Als wir Kinder waren, haben wir dort gebadet. Irgendwann brach der Damm durch, das Wasser vermischte sich und der Salzgehalt verschwand."

Erinnern an früher können sich die beiden Herren im Löderburger Wasserturm auch noch auf eine weitere Art und Weise. Der Heimatverein hat alle Etagen mit historischen Bildern von Löderburg und aktuellen Aufnahmen der schönsten Wassertürme der Umgebung geschmückt. Auch hier stehen die Besucher vor den Motiven und rätseln. "Das sieht heute aber ganz anders aus", sagt Armin Hohn über ein Bild der Langen Straße in Löderburg. "Da muss wohl ein Postamt gewesen sein?", interpretiert er die Überschrift des Bildes.

Als der Löderburger Wasserturm am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals geöffnet wurde, waren rund 300 Besucher gekommen, um den Rundblick und den Rückblick auf die Vergangenheit des Ortes zu genießen. "Es gibt Fahrradgruppen, die zum Tag des offenen Denkmals immer die Runde Groß Börnecke, Hecklingen, Löderburg, Staßfurt machen", freut sich Helga Dornemann vom Löderburger Heimatverein. Mit der Ortswehr und dem Kleingartenverein, der Gemüse verkaufte, hatte der Verein diesen Tag auf die Beine gestellt.

Der Wasserturm ist sehr selten geöffnet. Der Tag des offenen Denkmals ist der einzige feste Termin im Jahr. "Wir öffnen ihn aber auch nach Bedarf, wenn sich Gruppen bei mir zur Führung anmelden", sagt Helga Dornemann. Wer allerdings die 128 Stufen der Treppe ersteigen will, sollte keine Höhenangst haben.

Gebäude wurde vor dem Abriss gerettet

Dass das imposante Bauwerk, das 1926 erbaut wurde, noch erhalten ist, ist der damaligen Gemeinde zu verdanken. 1998 sollte es abgerissen werden. Der ehemalige Bürgermeister Rolf Funda und seine Mitarbeiter konnten aber die Mawag (Magdeburger Wasser- und Abwassergesellschaft, der damalige Abwasserzweckverband) überzeugen, es für 300000 Mark zu sanieren. Bilder aus der damaligen Zeit zeigen ein verwüstetes Inneres der Wasserturms.

Bis in die 80er war der Wasserturm noch in Betrieb, um am höchsten Punkt des Ortes Wasser für das Dorf zu speichern. Mit Dampf betriebene Pumpen leiteten das Wasser nach oben.

In der Abhandlung "Die Entwicklung des Staßfurter Wasserwerks" von Karl Seipel ist einiges über die Geschichte der Staßfurter Wasserversorgung zu erfahren: Nachdem früher das Trinkwasser aus der Bode entnommen wurde und die Wasserversorgung ab Ende des 19. Jahrhunderts über eine Pumpstation am Schütz erfolgte, wurde das Wasser durch die aufkommende Industrie zunehmend verunreinigt und war als Trinkwasser nicht mehr zu gebrauchen. Es wurde eine Leitung zum Schlangenteich im Gänsefurther Busch gebaut, die dann die Bürger mit Wasser versorgte. Das Brauchwasser für die Industrie kam weiterhin aus der Bode.

Aber auch das reichte bald nicht mehr aus, so dass weitere Rohrnetze und Pumpanlagen gebaut werden mussten. Es kamen zwei Kreiselpumpen in die Ritterflur mit zwei Lokomobilen und ein Rohrbrunnen auf dem Grundstück von Gastwirt Wilhelm hinzu, welcher täglich 1500 Kubikmeter Wasser in das Trinkwassernetz der Stadt lieferte.

Wasserverbrauch stieg enorm an

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es immer wieder Probleme mit der Waserversorgung - zu wenig Druck, teilweise schlechte Qualität und vor allem immer mehr Wasserbedarf. Zwischen 1879 und 1928 musste die Leistungsfähigkeit des Staßfurter Wasserwerks um das Sechsfache erhöht werden.

Löderburg litt von jeher unter Wassermangel, so dass im Jahre 1925 beschlossen wurde, den Ort durch das Wasserwerk Staßfurt mit einer Pumpstation am Schütz zu versorgen, wofür ein Jahr später das Ortsnetz und die Wassertürme Löderburg, Athensleben und Marbe gebaut wurden. Im Maschinensaal des Staßfurter Wasserwerks wurden dazu zwei Kreiselpumpen mit Elektromotoren von je 16 PS aufgestellt. Die Kraft für die elektrisch betriebenen Maschinen wurde durch mit Dampfmaschinen betriebenen Dynamos im Werk selbst erzeugt. Falls die Dampfmaschinen versagen, stand ein Elektromotor als Ersatz bereit.

Wer den Löderburger Wasserturm besteigen will, kann Helga Dornemann unter (039265)235 erreichen

 

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