Seit 2006 treffen sich regelmäßig Hobbyfotografen, um Nachtaufnahmen im Salzlandkreis zu machen. Vor kurzem feierten sie ihre 300. Zusammenkunft in der Alten Ziegelei in Wester-egeln. Mit dabei hatten viele natürlich ihre Kamera.

Egelner Mulde l Nachts sind alle Katzen grau, sagt ein Sprichwort. Doch es ist mehr zu sehen in der Dunkelheit, als graue Katzen. Welche Lichtpunkte der Salzlandkreis Nacht für Nacht offenbart, machen seit acht Jahren Hobbyfotografen sichtbar. Immer freitags treffen sie sich, um gemeinsam in der Dunkelheit Objekte zu fotografieren, sagt Thomas Agit.

Der Unseburger gilt als einer der Gründer der Gruppe. Irgendwann habe er begonnen, sich für Nachtaufnahmen zu begeistern, sagt er. "Du sieht das Foto und denkst, das will ich auch mal probieren", beschreibt er. Also habe er sich abends auf die Suche nach einem geeigneten Fotomotiv gemacht.

Neben einer Kamera mit einem guten Objektiv ist bei der Nachtfotografie vor allem ein Stativ notwendig, auf dem die Kamera sicher und ruhig steht. Um das wenige Licht von Straßenlaternen und der Dämmerung zu nutzen, sind Langzeitbelichtungen unentbehrlich. Mitunter belichten die Hobbyfotografen ihre Motive einige Minuten lang.

Dabei sammelt der Fotochip in der Kamera nicht nur das Licht des Objektes ein. Später auf dem Monitor ihres Computers schauen sich die Fotografen jedes Detail ihrer Bilder an. Die Belichtungszeit reicht aus, um die Wanderung der Sterne durch feine weiße Linien sichtbar zu machen, sagt Ralf Patela. Der Westeregelner Hobbyfotograf ist fasziniert von der Nachtfotografie.

In der Gruppe mache das Hobby einfach noch mehr Spaß. Völlig ungezwungen gehe es dabei zu. "Wir sind nur eine Gruppe ohne einen Status", erklärt Thomas Agit. Bewusst habe er keinen Verein gründen wollen. Dann müssten sich alle an feste Regeln halten. Ohne Vereinsmeierei sei ihm die Truppe lieber.

Am vergangenen Freitag trudeln die Mitglieder der losen Verbindung nach und nach auf dem Gelände der Alten Ziegelei in Westeregeln ein. An diesem Abend, dem 300. Treffen, soll gefeiert werden. Thomas Agit begrüßt die Kollegen. Diesmal lassen viele ihre Kameras in den Taschen.

Nach ihren nächtlichen Streifzügen stellen die Hobbyfotografen ihre Bilder in das Internet. In der "Fotocommunity" zeigen sie ihre Bilder und diskutieren sie mit anderen Fotografen. Angetrieben werden sie dabei alle von dem Willen, ihre Fotos noch weiter zu verbessern.

Dabei können sich die Ergebnisse sehen lassen. "Es gibt kaum ein öffentliches Gebäude im Salzlandkreis, das wir noch nicht vor der Linse hatten", schildert Thomas Agit. "Hier haben wir alles fotografiert", winkt er ab. Jetzt müsste sich die Gruppe an Objekte außerhalb des Landkreises wagen, meint er weiter.

In der weiteren Umgebung gebe es noch einige interessante Objekte. Das ganze Jahr über variiert der Treffpunkt. Abhängig sind die Zusammenkünfte vom Lauf der Sonne. "Im Sommer wird es mitunter sehr spät", weiß Ralf Patela.

Die besten Ergebnisse erzielen die Hobbyfotografen während der sogenannten blauen Stunde. Hierbei ist die Sonne zwar längst untergegangen. Dennoch gibt es ausreichend Restlicht, was sich mit der Kamera einfangen lässt.

Am Computer werden die Fotos dann noch bearbeitet. Kaum ein Bild werde unbearbeitet veröffentlicht, versichert Thomas Agit.

Auch nach 300 Streifzügen durch die Region habe für ihn der Reiz der Nachtfotografie noch nicht nachgelassen. Denn jedes Objekt ist anders. Die Magie des Lichts einzufangen, ist nicht immer leicht. In der Gruppe können sie sich dann beraten und gegenseitig helfen.

Obwohl sie bereits viele Fotos im Kreis gemacht haben, sind die Fotos einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Eine Ausstellung könnte hier zeigen, was für hervorragende Aufnahmen der Gruppe bereits gelungen ist. "Da haben wir noch nicht drüber nachgedacht", sagt Thomas Agit. Aber eine Ausstellung, beispielsweise in Egeln, wäre schon denkbar. Vielleicht begeistern sich dabei noch mehr Menschen für die Fotografie, wenn sie die Bilder sehen.

Voraussetzungen seien ein gutes Auge, Technikverständnis und natürlich Geduld. Die brauchen die Hobbyfotografen, um neben den Kameras auszuharren. Den Fotos sind die Entbehrungen, wie schlechtes oder kaltes Wetter später aber nicht mehr anzusehen. Dafür haben sich die Mitglieder etwas zu erzählen, unter welchen Umständen sie ihr Foto geschossen haben. Mitunter ist der Weg das Ziel. Auf jeden Fall machen sie auch nach dem 300. Treffen weiter und fotografieren jeden Freitagabend an einer anderen Stelle in der Region.