Der Berufsorientierungstag am Freitag, 26. September, soll dieses Jahr richtig etwas hermachen. Mit Radio- und Facebook-Werbung wollen Stadt und Agentur für Arbeit mehr Menschen für die Messe begeistern. Ziel ist es, junge Menschen mit einem Ausbildungsplatz in der Region zu halten. An diesen fehlt es hier.

Staßfurt l "Dass unser Berufsorientierungstag (BOT) für die Öffentlichkeit bestimmt ist, wurde bisher kaum so wahrgenommen", erklärt Oberbürgermeister René Zok. Beim BOT waren bisher zumeist Schulklassen, die im Unterricht auf die Messe vorbereitet werden und mit einem Fragebogen bewaffnet die Stände der Unternehmen erkunden, die wiederum sich selbst und ihre Ausbildungsplätze für das kommende Jahr vorstellen.

"Uns ist es aber wichtig, dass auch Eltern oder Großeltern mit ihren Kindern kommen und sich informieren", sagt Thomas Holz, Chef der Agentur für Arbeit in Bernburg, die den Tag mit der Stadt und vielen weiteren Partnern organisiert. Denn die Messe steht für alle offen. Ohne Anmeldung können sich junge Menschen dort umschauen. Daher lädt der Agentur-Chef auch ganz konkret Eltern oder Familien ein, mit ihren Töchtern und Söhnen zur Messe zu kommen und sich mit dem Thema Ausbildung zu beschäftigen, falls es da noch keine klaren Vorstellungen gibt.

Daher wollen die Organisatoren in diesem Jahr noch mehr werben. Bei Radio SAW sollen nächste Woche Mittwoch bis Freitag Clips auf den BOT hinweisen. "Und wir wollen die jungen Leute auch über Facebook erreichen", sagt der Wirtschaftsförderer der Stadt Christian Schüler. "Daher werden wir auf dem Profil der Stadt auf den BOT hinweisen."

Die Unternehmen des Salzlandkreises haben nach wie vor Probleme, Nachwuchs zu finden. Von den wenigen Schülern, die es gibt, gehen viele zum Studieren weg oder wandern in die alten Bundesländern ab. "Die Einkommens-, aber auch die Übernahmechancen sind hier sehr schlecht", gesteht Thomas Holz ein. Rund ein Fünftel der Ausbildungsplätze können nicht besetzt werden, andersherum findet auch Rund ein Fünftel der Jugendlichen keinen passenden Ausbildungsplatz.

Aber die Situation verbessere sich derzeit, wie Thomas Holz sagt. "Wir konnten vermehrt Hauptschüler in Ausbildungsplätze vermitteln, was vorher weniger gut gelungen war." Und: "Im Salzlandkreis wandern bei den 15- bis 24-Jährigen immer noch mehr ab, als zu, aber auch dieser Trend schwächt sich derzeit ab", sagt Holz. Das liege auch daran, dass junge Menschen aus den Großstädten oder anderer Kreise gute Arbeitgeber im Salzlandkreis für sich entdecken und sich die wirtschaftliche Situation langsam verbessere.

Einen Lichtblick sehen Wirtschaftsförderung, Stadt und Agentur für Arbeit im dualen Studium: Hier studieren die Auszubildenden an den Hochschulen der Umgebung, etwa Magdeburg, sind aber gleichzeitig arbeitsmäßig in Staßfurter Unternehmen und damit in die Region eingebunden. Die Chance, dass sie bleiben, erhört sich um ein Vielfaches. "Das duale Studium kommt bei den jungen Leuten immer besser an", meint Christian Schüler. Derzeit bieten Emde und das Sodawerk diese Möglichkeit an.

Daher ist das duale Studium auf jeden Fall ein Punkt, der nicht nur beim BOT eine Rolle spielt, sondern auch ein Schwerpunkt, an dem die Wirtschaftsförderung ihre Aktivitäten ausbauen muss. Und auch sonst gibt es in Sachen Fachkräftemangel viel zu tun in Staßfurt.

Daher werden Agentur für Arbeit und Stadt nicht nur den großen BOT zusammen organisieren, sondern haben noch einige weitere Baustellen zu bearbeiten. Diese sind in einem Kooperationsvertrag festgehalten, den Thomas Holz und Oberbürgermeister René Zok gestern im Rathaus unterzeichnet haben.

Zum einem soll enger zusammengearbeitet werden, was die Ausbildungsplätze in der Stadtverwaltung selbst betrifft. Die Wirtschaftsförderung will regelmäßig mit der Agentur für Arbeit Fortbildungen für die Firmen der Region organisieren. Außerdem gehen die Berufsberater der Agentur für Arbeit in die Schulen und sprechen mit den Schülern über ihre Berufswahl.

"Wir müssen auch daran arbeten, mehr leistungsschwache Schüler in die Praktika bei den Unternehmen einzubinden", erklärt René Zok. Das ist eine Aufgabe, die beim Schulleiterfrühstück, einem Treffen zwischen Schulleitern und Wirtschaftsförderung, zu bewältigen ist. Mit dem Motivations- und Orientierungszentrum (kurz: MOZ) sollen Kinder weiterhin ab Klasse 6 bei der Suche nach einem Berufswunsch begleitet werden.

Zum BOT am 26. September sind bereits 895 Schüler aus dreizehn Schulen der Umgebung, vor allem die Klassen 9 bis 10, angemeldet. Weitere Ausbildungsuchende sind willkommen. Es wird auch Beratungen zum dualen Studium, zum Bewerbungsschreiben und zu Praktika geben.