Wie geht es mit der Schneidlinger Wasserburg weiter? Diese Frage greift der heutige Beitrag der Volksstimme-Serie "Was ist geworden aus ...?" auf. Im Moment hängt die Zukunft der Anlage in der Schwebe. Der neue Eigentümer möchte zur Umsetzung seiner Pläne zusätzliche Flächen drumherum kaufen. Die Stadt kann da aber nicht mitgehen.

Schneidlingen l Am 28. Juni 2011 hat die Volksstimme berichtet, dass eine Versteigerung der Schneidlinger Wasserburg geplatzt ist. Am 3. August konnte knapp zwei Monate später vermeldet werden, dass das sanierungsbedürftige Burgensemble für 19 000 Euro einen neuen Käufer gefunden hat. Am 10. August stellte der Ersteher seine Pläne der Presse vor.

Besitzer ist seitdem der Geschäftsmann Klaus Peter Glaser aus München. Der geschäftsführende Gesellschafter der Glaser Consulting GmbH kündigte damals eine Millioneninvestition an. Der gebürtige Hesse erklärte vor knapp drei Jahren, dass er in Schneidlingen eine Herberge mit Burgschänke entstehen lassen will, die auch für private Zwecke genutzt werden kann. Weiterhin sprach er von Büro- und Seminarräumen, die nach dem Um- und Ausbau in die Burg einziehen sollen. Der Stadt wolle er ein Amts- und Schreiberhaus zur mietfreien Nutzung überlassen, hieß es. Außen plane er einen parkähnlichen Garten, für jedermann zugänglich, so der Investor damals.

Im Moment scheint die Umsetzung an Unstimmigkeiten zu offenen Grundstücksfragen in der Schwebe zu hängen. Denn Klaus Peter Glaser möchte weitere angrenzende Flächen erwerben.

Dazu teilt die Leiterin des Bau- und Ordnungsamtes der Stadt Hecklingen Sigrid Bleile mit, dass ein Ortstermin mit Klaus Peter Glaser und Vertretern der Stadt Hecklingen, vor knapp einem Jahr, am 13. August 2013 stattfand. Danach sei der Stadt vom Anwaltsbüro des Eigentümers ein Vertragsentwurf (Letter of Intent) zugesandt worden.

Eigentümer stellt seine Pläne dem Stadtrat vor

Im Oktober 2010 stellte Glaser seine Pläne dem Stadtrat vor. "Fazit dieser Beratung war, dass der vorliegende Entwurf im Ortschaftsrat Schneidlingen zur Diskussion vorgestellt wird und danach über die entsprechenden Ausschüsse in den Stadtrat zur Beschlussfassung weitergeleitet wird", so Sigrid Bleile. Sie informierte weiter, dass weder der Stadtrat mit seinen Ausschüssen, noch der Ortschaftsrat Schneidlingen dem Papier in der vorgeschlagenen Form zustimmen konnten. Denn, so Sigrid Bleile, "der vorliegende Vertragsentwurf, sah inhaltlich auch die Übertragung, beziehungsweise den Verkauf zahlreicher öffentlicher Flächen vor."

Danach hätte die Stadt auch den zur Burg angrenzenden Spielplatz an Klaus Peter Glaser verkaufen sollen. "Der Stadtrat lehnte die Übertragung dieser Flächen aber ab." Unter Einbeziehung aller Hinweise und Ergänzungen aus den Vorberatungen wurde ein neuer Vertragsentwurf erarbeitet, dem auch der Stadtrat zustimmte. Im April dieses Jahres ließ die Stadt dieses Papier dem Anwalt von Klaus Peter Glaser zukommen. Er lehnte das Schriftstück für seinen Mandanten mit Antwortschreiben vom 8. Mai ab. Bisher hat die Stadt Hecklingen darauf noch nicht reagiert.

Auf die Frage, wie weit die Pläne des Eigentümers, die Burg zu einer Herberge umzubauen, vorangeschritten sind, antwortete Anwalt Matthias Kuplich der Volksstimme: "Nach Rücksprache mit meiner Mandantin gestatte ich mir, zur abschließenden Beantwortung der von Ihnen aufgestellten Fragen den letzten Schriftverkehr mit der Stadt Hecklingen zur Verfügung zu stellen." Das Schreiben bestätigt, dass Stadt und Eigentümer nicht dieselbe Meinung teilen.

Anwalt Matthias Kuplich schreibt, dass sein Mandant, das Angebot der Stadt, also den genannten überarbeiteten Vertragsentwurf zu den Grundstücksangelegenheiten, nicht annehmen kann. "...da der Inhalt ...den zwischen Ihnen und meiner Mandantin getroffenen Vereinbarungen erheblich entgegen steht und das Gesamtprojekt wohlwissentlich verhindert wird."

Meinungsverschiedenheit zu einem Vertragsentwurf

Der Jurist meint, dass im Rahmen der Vor-Orttermine mündlich etwas anderes vereinbart wurde, als das, was jetzt in dem vom Stadtrat bestätigten Vertragsentwurf steht. "Während der Begehung stimmten Sie einem Verkauf aller Grundstücke in einem Akt zu ...", schreibt der Anwalt der Stadt und weiter: "Laut des mir vorliegenden Protokolls (der Begehung) vom 13. August 2013 haben ...Vertreter der Stadt Hecklingen zusammen mit der Ortsbürgermeisterin und Hauptamtsleiterin einer Veräußerung aller die Wasserburg umfassenden Teilflächen, einschließlich des Parks und der Freifläche zur Bundesstraße an meine Mandantin zugestimmt", schreibt Matthias Kuplich. Als Beleg fügt er das genannte Protokoll an, das von der Ortsbürgermeisterin, einem Zeugen und Klaus Peter Glaser unterzeichnet wurde.

Bürger in Schneidlingen sind derweil besorgt. Ein Brief des früheren Vorsitzenden des ehemaligen Fördervereins der Wasserburg Falk Kahmann an die Ortsbürgermeister liegt der Volksstimme vor.

Darin schildern die Schneidlinger ihre Befürchtung, dass Klaus Peter Glaser das gesamte Umfeld der Burg für sich vereinnahmen möchte und die Fläche dann öffentlich nicht mehr zugänglich ist. "Wir möchten diesem Schreiben voraussetzen, dass uns der Erhalt der Burganblage sehr am Herzen liegt", heißt es.

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