Egeln l Als sich gestern Abend die Klassenlehrer der Außenstelle Egeln des Staßfurter Gymnasiums mit den Eltern zum ersten Elternabend im neuen Schuljahr trafen, wird es in den Klassen sieben bis neun auch um den Sportunterricht gegangen sein.

Seit das Haus ab diesem Schuljahr dem Staßfurter Gymnasium angegliedert ist, dürfen sich die Mädchen und Jungen von der siebten bis zur neunten Klasse ausschließlich im hauseigenen Turnraum zweimal in der Woche körperlich ertüchtigen. Statt einer Doppelstunde in der weiter entfernt liegenden modernen Waldsporthalle, werde den Schülern aus pädagogischer Sicht zweimal der sportliche Reiz in der Woche vermittelt, heißt es zur Begründung von der Schulleitung.

"Die Sportlehrer legten sofort Beschwerde ein."

Dabei, so schreiben Eltern an die Lokalredaktion, sei der Sportunterricht in der schuleigenen Sporthalle sehr umstritten: "Die Sportlehrer legten sofort Beschwerde ein, nachdem bekannt wurde, dass der Sportunterricht fortan in der alten Turnhalle und nicht mehr in der Waldsporthalle erfolgen soll. In ihrer Beschwerde äußerten sie Bedenken über den baulichen Zustand der Halle und der Unmöglichkeit, den Sportunterricht dort fachgerecht durchführen zu können. Denn neben den fehlenden Sportgeräten fehlt auch eine komplette Außenanlage", schreiben die Eltern an die Lokalredaktion. Daneben hätten sich auch Schüler bei der Schulleitung nach den näheren Umständen für die Entscheidung, den Sport in der hauseigenen Turnhalle durchzuführen, erkundigt. Die Aussage, niemand habe sich beschwert, die Schulleiter Steffen Schmidt und der Standortleiter Paul Thüne am Freitag abgaben, sei anzuzweifeln, so die Eltern.

Den ersten Elternabend habe sie abwarten wollen, sagte eine Elternsprecherin. "Wir haben die Sporthalle im Haus noch nicht einmal gesehen", erklärt sie.

Im Kreisausschuss spielte die Außenstelle Egeln des Staßfurter Gymnasiums eine Rolle. Reinhard Luckner (UWGE), Egelns Bürgermeister und zugleich Kreistagsmitglied, empörte sich über die Schulleitung. Im Kreisausschuss erklärte er, dass sich der Schulleiter nach dem Namen seines Sohnes erkundigt habe, der die Egelner Außenstelle besucht. Bereits im Verbandsgemeinderat hatte Luckner das Thema angesprochen und öffentlich erklärt, dass er sich juristisch wehren wolle, sollten seinem Sohn Nachteile dadurch entstehen, dass er sich vehement für den Fortbestand des Egelner Gymnasiums einsetze. Auf Nachfrage sagte Schulleiter Steffen Schmidt, dass die Nachfrage nach Luckners Sohn nichts Besonderes gewesen sei. Er habe sich nicht mit einem Hintergedanken erkundigt, erklärte er.

Luckner lenkte am Montagabend beim Kreisausschuss nach eigenen Angaben das Augenmerk der Kreistagsmitglieder auf den Sportunterricht in der Außenstelle. Er erinnerte daran, dass vor mehr als zehn Jahren die Bodestadt einen Förderantrag für den Neubau einer Sporthalle gestellt hatte. Darin hatte die Stadt im Einvernehmen mit dem Kreis angegeben, dass die Bedingungen für den Schulsport in der Sporthalle des Gymnasiums den Anforderungen des Lehrplanes nicht mehr genügen. Der Landkreis hatte die Kleinstadt beim Sporthallenprojekt sogar noch mehr unterstützt, erinnern sich Mitarbeiter in der Verwaltung. Als die Förderung zugesagt war, habe sich der Landkreis seinerzeit bereiterklärt, die Eigenmittel der Stadt Egeln für den Neubau der Waldsporthalle zu übernehmen.

In der modernen Dreifeldsporthalle dürfen aktuell nur die beiden oberen Klassenstufen den Sportunterricht absolvieren. Die unteren Klassenverbände müssen in der hauseigenen Sporthalle zum Unterricht.

In den vergangenen mehr als zehn Jahren sei die hauseigene Sporthalle vor allem als Abstellraum genutzt worden. Kaum Sportgeräte sind bislang vorhanden. Die muss der Kreis nun erst besorgen, räumt der Schulleiter ein. Doch eine Erklärung, wie die einst als unbrauchbar für einen lehrplanmäßigen Unterricht gemeldete Sporthalle über Nacht nun doch wieder bestens geeignet sei, um den angehenden Abiturienten Freude an der körperlichen Ertüchtigung zu bereiten, bleibt die Schulleitung bislang schuldig.

"Ich bin sehr gespannt auf die Elternversammlung", sagte gestern Reinhard Luckner. Als betroffener Vater wolle er sich mit dem Lehrer und den anderen Eltern über das Thema unterhalten, kündigte er an. Er wolle auf jeden Fall verhindern, dass die Schüler in der Außenstelle Nachteile hätten.