In Schneidlingen leben Senioren in einer organisierten Wohngemeinschaft unter einem Dach. Die Volksstimme hat in den Alltag der Bewohner reingeschnuppert und sich mit der Frau unterhalten, die diese nicht alltägliche Wohnform für ältere Menschen anbietet.

Schneidlingen l "Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen das Haus!" Corinna Hoppe öffnet das Zimmer eines Bewohners. Während des Rundgangs wuselt ein putziger Vierbeiner um sie herum. "Unser Hund Paul geht morgens als erstes Opi Köppel wecken", sagt Corinna Hoppe ganz selbstverständlich. Und der süße "Struppi" mit dem langen Fell ist nicht der einzige tierische Bewohner.

Auch ein Mops ist hier mit seinem Frauchen daheim. Er gehört Renate Nesemann. Die Frau aus Schneidlingen ist als erste Bewohnerin seit dem 1. April dieses Jahres dabei. Im Moment sind zwei weitere Zimmer belegt. Zwei Senioren haben sich ihre vier Wände bereits reserviert. Alles in allem bietet das Haus aber Raum für zwölf Leute.

Corinna Hoppe hat die Seniorenwohngemeinschaft Schneidlingen ins Leben gerufen. Sie erklärt, dass es sich dabei um eine organisierte Form des Zusammenlebens handelt. Was das genau bedeutet? "Eine 24-Stunden Betreuung ist immer da", erklärt sie. Somit ist die Betreuung der Bewohner durch eine Pflegefachkraft rund um die Uhr abgesichert.

"Sonnabendnachmittag kommen Verwandte unserer Bewohner zu Besuch. Dann sitzen wir alle zusammen und trinken Kaffee und essen Kuchen. Das ist wie eine große Familie."

Das gelbe Haus war früher ein Landambulatorium, später wurden die Räume von der Klusstiftung genutzt, danach standen sie längere Zeit leer. Dann entschloss sich Corinna Hoppe zusammen mit einer Freundin darin ihre Selbstständigkeit aufzubauen. Die gelernte Heilerziehungspflegerin gründete die Firma "Schneidlinger Senioren Wohngemeinschaft". Die Finanzierung stemmten die Unternehmerinnen aus eigener Kraft. "Es sind keine Fördermittel geflossen", sagt die Gründerin. Lange Zeit lebte Corinna Hoppe in Berlin. Viele Jahre arbeitete sie in großen Altenpflegeheimen. Jetzt ist die Frau aus Schneidlingen in die Heimat zurückgekehrt. Aus der Hauptstadt brachte sie auch die Gründungsidee der Senioren-WG mit. "In Sachsen-Anhalt steckt diese Wohnform noch in den Kinderschuhen", weiß sie. Anderswo, vor allen in den neuen Bundesländern und in Berlin habe sich das Modell aber schon bewährt.

Das Besondere daran, so Corinna Hoppe, ist das Kleine. "Sonnabendnachmittag kommen Verwandte unserer Bewohner zu Besuch. Dann sitzen wir alle zusammen und trinken Kaffee und essen Kuchen. Das ist wie eine große Familie." Dennoch habe natürlich jeder genügend Freiraum, sich zurück zu ziehen.

Am Wochenende wird in der WG frisch gekocht

Corinna Hoppe sagt außerdem, dass sie für Schneidlingen und Umgebung eine Möglichkeit schaffen wollte, die Senioren eigenständig und trotzdem betreut leben lässt, auch wenn sie den Alltag daheim in den eigenen vier Wänden vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr allein stemmen können.

Trotzdem, wer in die WG einzieht, muss nicht unbedingt rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen sein. Dem Pflegebedarf entsprechend kann eine Betreuung zugesichert werden. "Versorgt werden die Bewohner von einem ambulanten Pflegedienst ihrer Wahl." Am Wochenende wird in der WG frisch gekocht. Zentraler Treffpunkt ist dann die große Wohnküche.

Aufgaben im Haushalt übernehmen die Bewohner auch sonst, wenn sie können und möchten. Sie werden mit eingebunden, wenn gewünscht.

Renate Nesemann beispielsweise kümmert sich mit Unterstützung des Personals um die Wäsche oder sie fegt aus. Gemeinsam wird auch Kuchen gebacken.

Vier Mitarbeiter sind angestellt. Zwei Hauswirtschaftskräfte und zwei Altenpflegehelfer gehören zum Betreuerteam in der Senioren-WG. Ärzte kommen regelmäßig ins Haus. Physiotherapie, Frisör und Fußpflege sind gleichfalls möglich. Für Renate Nesemann, die aufgrund einer schweren Krankheit nicht mehr allein leben kann, gehören regelmäßige Spaziergänge durch ihren Heimatort Schneidlingen ebenfalls zum Wohnen in der WG dazu. Mindestens einmal in der Woche kommt ihre Freundin aus dem Ort vorbei, um sie abzuholen.

Jeder Bewohner und die Angehörigen haben einen eigenen Schlüssel für das Haus. Und Verwandte können sogar dort übernachten, wenn gewünscht.

Tierische Begleiter sind ebenfalls gern gesehen. Der Mann, den Corinna Hoppe eingangs liebvoll "Opi Köppel" nannte, weiß das zu schätzen. Die Leiterin berichtet, dass er viele Jahrzehnte im Rassekaninchenzuchtverein des Ortes aktiv war. Vor der gelben WG steht heute ein kleiner Stall. Und darin hoppelt, wie sollte es anders sein, ein Mümmelmann. Denn: Fritz Köppel hat sein Kaninchen beim Einzug natürlich mitgebracht.

   

Bilder