Einige Mutige haben die Chance genutzt. Der gestrige Berufsorientierungstag sollte erstmalig auch für die Öffentlichkeit bestimmt sein und nicht nur von Schulklassen genutzt werden. Vereinzelte Jugendliche suchten hier aus Eigenantrieb nach geeigneten Unternehmen.

Staßfurt l Es war die große Hoffnung und auch die Idee dahinter, dass der Berufsorientierungstag in Staßfurt in diesem Jahr anders wird. Mehr Öffentlichkeit, mehr Werbung und vor allem mehr Jugendliche und Familien, die aus Eigeninitiative kommen und sich umsehen. War die Messe bisher doch als Tag für Schulklassen wahrgenommen worden, die zu festen Zeiten als Besucher eingetaktet waren.

Gestern kamen dann auch tatsächlich einige Jugendliche von selbst, ohne dass sie im Klassenverbund ins Salzlandcenter gebracht wurden. Es waren keine überwältigenden Massen, aber ein Anfang war gemacht. Zum Beispiel kam Jenny Spohn, die in die 9. Klasse des Staßfurter Gymnasiums geht. Sie hat eigentlich noch Zeit - der Berufsorientierungstag wird von den Gymnasiasten eher in der 11. und 12. Klasse genutzt. "Aber ich habe an meiner Schule davon gehört und wollte unbedingt kommen." Im Schlepptau: Vater Thomas. "Einer muss ja fahren", kommentierte er. Jenny wollte sich mal umschauen, weil sie überhaupt noch keine Idee hat, was sie später einmal machen will: "Deswegen gucke ich mal, was es so gibt."

So engagiert würde die Agentur für Arbeit gern mehr junge Menschen in der Region sehen. Die Berufberater betonen immer wieder: Man könne gar nicht früh genug anfangen, sich einen Berufswunsch auszugucken und dann die ersten Schritte zu machen. "Man sollte sich jetzt bewerben", so Anja Schöne, Teamleiterin Berufsberatung und Berufliche Rehabilitation der Agentur für Arbeit Bernburg, über das kommende Ausbildungsjahr 2015.

Nach wie vor steht es im Salzlandkreis auf Unternehmensseite schlecht, was die Bewerber angeht, erklärt sie. "Das Verhältnis zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen ist zwar 1:1, aber nicht jeder Arbeitsplatz passt zu jedem Bewerber", sagt sie. Daher müssen die Unternehmen schon schauen, wie sie gute junge Leute für sich gewinnen können. "Ich bin teilweise erstaunt, was sich Unternehmen einfallen lassen, um Auszubildende zu binden", erklärt sie. Größere Unternehmen schenken zum Beispeil einen Minicomputer zum Ausbildungsbeginn, andere loben ihre Auszubildenden für gute Noten in der Berufsschule mit kleinen Aufmerksamkeiten.

Was mit dem Hunger der Unternehmen nach guten jungen Leuten einhergeht, ist auch die gestiegene Anzahl an Firmen, die sich beim Berufsorientierungstag präsentierten. Christian Schüler, Mit-Organisator und Wirtschaftsförderer der Stadt Staßfurt, kann sechs Unternehmen und zwei Hochschulen aufzählen, die dieses Jahr hinzugekommen sind: "Wir haben jetzt erstmals Aldi, die BQI (Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft) aus Schönebeck, Care-Service, das Institut Braune, Novelis aus Nachterstedt und SMB (Schönebecker Maschinenbau) sowie die Hochschulen Anhalt und Merseburg dabei."

Was Anja Schöne von der Agentur für Arbeit auch festgestellt hat: Einige Schüler sind noch ganz ratlos auf der Suche nach einem Berufsziel. Andere wissen schon ganz genau, was sie wollen und knüpfen beim Berufsorientierungstag die ersten Kontakte.

Einer, der auch weiß, was er will, ist Jannes Frenzel (12).Er führt zuhause gern chemische und physikalische Experimente durch. "Ich würde gern Chemikant werden", sagt er. Deswegen interessiert er sich brennend für ein Praktikum bei den Sodawerken. Diese bieten genau das an: "Wir haben zirka 15 bis 20 Schülerpraktikanten pro Jahr, in den Bereichen Industriemechaniker und Chemikant", erklärt Janine Niemann, Ausbilderin bei den Sodawerken. Fast alle Schulen in Staßfurt, Egeln und Schneidlingen schreiben in Klasse 8 ein Schülerpraktikum vor.

Jannes` Oma, Ingrid Frenzel, kennt die Begeisterung ihres Enkels für die Chemie. "Wenn wir wissen, dass diese Veranstaltung stattfindet, nutzen wir die Zeit natürlich", sagte sie. Jetzt muss Jannes noch eine schriftliche Bewerbung beim Sodawerk einreichen. "Wenn wir die Bewerber für einen Ausbildungsplatz schon vom Praktikum kennen, ist das immer von Vorteil", sagt Janine Niemann und Jannes grinst vor Freude.

   

Bilder