Die gerade erst eingeweihte neue Brücke über die Bode bei Gänsefurth ermöglicht die Fortführung einer historischen Verbindung. Früher zogen Pferde die Wagen über den Fluss. Wie aber funktionierte das? Diese Frage interessiert einen Leser aus Hecklingen.

Gänsefurth l " Ich habe eine Frage an die Redaktion der Volksstimme, die nicht nur mich interessiert", schreibt Gerald Becker. Dabei geht es um die neue Brücke über die Bode am Radweg R 1 zwischen Staßfurt und Gänsefurth.

"Ein Pferd zog fünf volle Kohlewagen mit einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen."

Ein Brückenneubau war im August eingeweiht worden. Er ersetzt eine zuvor genutzte historische Stahlbogenbrücke, deren Teile als Denkmal erhalten blieben und heute neben dem Neubau an eine historische Verbindung erinnern.

Dazu Gerald Becker: "Die Brücke ist geschichtlich bedeutend da sie ein Teil der Pferdeeisenbahn war, die im Volksmund Rossbahn genannt wurde." Gewerblich sei sie als Grubenbahn genutzt worden. "Braunkohle wurde von Preußisch Börnecke, heute Groß Börnecke, nach Hecklingen zur Zuckerfabrik und Staßfurt zum Kohlenhändler transportiert", so Becker.

Zu den erhaltenen Teilen des Denkmals schreibt er: "An der neuen Brücke ist ein Teil der alten Brücke mit einem Gleisteil der Rossbahn als Anschauungsobjekt aufgestellt." Deutlich sei zu sehen, dass die Schwellen der Rossbahn nicht mit Bohlen ausgekleidet sind. "Mensch und Tier gingen früher also von Schwelle zu Schwelle? Menschen können das, lassen wir mal die damaligen Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzvorschriften außen vor, aber Pferden traue ich das nicht zu."

Gerald Becker interessiert daher, wie der Betrieb über die Brücke mit der Pferdebahn ablief. Diese Frage leitete die Volksstimme an Ernst Meyer aus Hecklingen weiter, der sich für die Heimatgeschichte seiner Stadt sehr interessiert und viele Daten und Fakten zusammengetragen hat. Zunächst weiß Meyer, dass die Rossbahn im Jahr 1858 aufgebaut wurde. Seinen Angaben zufolge wurde sie damals auf den Namen "Charlotte-Auguste" getauft. Und Meyer bestätigt, dass die Bahn zwischen Groß Börnecke und Staßfurt als Hauptverbindung ins Leben gerufen wurde, damit Kohle transportiert werden konnte. "Eine pferdegebundene Schienenverbindung", erklärt Meyer und zitiert, dass auf der Rossbahn "ein Pferd fünf volle Kohlewagen mit einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen zog."

Wie aber war das über die Bohlen möglich? Meyer vermutet, dass zwischen den Schienen ein Trampelpfad für die Pferde eingerichtet wurde, vielleicht eine Art Belag als Verstärkung, schätzt er. Denn anders sei eine Überquerung nicht vorstellbar, so der Hecklinger. Fest steht, dass der Erhalt der alten Stahlkonstruktion vielen Bürgern wichtig ist. Das findet auch Gerald Becker. "Die Zeit der Industriealisierung im 19. und 20. Jahrhundert hat auch hier Spuren hinterlassen und wir müssen mit dem Wenigen was geblieben ist aus dieser Zeit besser umgehen", spielt er auf die Präsentation der historischen Bücke an. Gerald Becker wünscht sich Informationen dazu.

"Andere Bundesländer präsentieren ihr geschichtliches Erbe, gerade an diesen gut frequentierten Wander - und Radwegen, mit Schautafeln und Gebrauchsgegenständen. So kann man unsere Region, dort am Radweg R 1 insbesondere den Teil der Rossbahn, attraktiver gestalten und somit das Interesse nicht nur von Radtouristen sondern auch von unserer Jugend wecken."

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