Der Schul- und Kulturausschuss des Kreistages hat einen neuen Schulentwicklungsplan empfohlen. Wichtigste Änderung ist der Verzicht, die Egelner Außenstelle des Gymnasiums dauerhaft zu erhalten. Nur noch von Jahr zu Jahr hat das Haus Zukunft.

Egeln/Staßfurt l Die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses haben in der vergangenen Woche dafür plädiert, den aktuellen Schulentwicklungsplan zu ändern. Betroffen davon ist die Außenstelle Egeln des Staßfurter Gymnasiums.

Als das Egelner Gymnasium zum Ende des vergangenen Schuljahres seine Eigenständigkeit verlor, wollten die Kreistagsmitglieder die Zukunft des Hauses als Außenstelle für mindestens zehn Jahre gesichert sehen. Im Schulentwicklungsplan des Kreises formulierten sie dieses Ziel entsprechend.

Erwartungsgemäß widersprach das Landesschulamt in einem Bescheid vom 20. März dem Kreistag in der Frage der Dauerhaftigkeit des Standortes Egeln. Nur hatte der Bescheid einen entscheidenden Makel. Es fehlte die Rechtsbehelfsbelehrung. Ohne die kann der Kreis nach gängiger Rechtsprechung über einen Zeitraum von einem Jahr Widerspruch einlegen. Dazu verpflichteten die Kreistagsmitglieder auch den damaligen Landrat Ulrich Gerstner (SPD) per Beschluss. Erst nach der Kommunalwahl und nach der Sommerpause stellte sich dann auf Nachfrage im Kreistag heraus, dass die Kreisverwaltung den Klagebeschluss nicht umgesetzt hatte. Vielmehr, so stellte sich später heraus, hatte die Kreisverwaltung nach der Diskussion im Kreistag über den fehlerhaften Bescheid des Landesschulamtes einen zweiten Bescheid erhalten. Am 9. Mai schickte die Landesbehörde, vielleicht aufgeschreckt durch die Diskussion im Kreistag des Salzlandkreises, einen zweiten Ukas. Darin wurde erneut eine zehnjährige Außenstelle Egeln des Staßfurter Gymnasiums abgelehnt. Diesmal enthielt das Schreiben aber die für Bescheide zwingend vorgeschriebene Rechtsbehelfsbelehrung. Klage reichte auch gegen diesen Bescheid der damalige Landrat nicht ein.

Nach vier Wochen wurde der Bescheid des Landesschulamtes für den Landkreis verbindlich. Eine Bestandsgarantie für zehn Jahre für die Egelner Außenstelle des Gymnasiums Staßfurt wird es nicht geben.

In dem jetzt vorgelegten Kreistagsbeschluss bekommt die Egelner Bildungseinrichtung ebenso keine Garantie mehr. Der Kreistag soll nicht nur den Klagebeschluss aufheben. Auch die Schulentwicklungsplanung, was die Zukunft des Egelner Standortes angeht, soll in die Hände der Verwaltung gelegt werden. So heißt es dazu: "Der Landrat wird beauftragt, die Voraussetzungen für eine (weitere) Antragstellung ... bezogen auf den Standort Egeln als Außenstelle des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt zu prüfen und bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen entsprechende Ausnahmegenehmigung/en zu beantragen."

Mit diesem Satz zieht sich die Politik aus der Frage der Standortentscheid Egeln zurück. Einige Kreistagsmitglieder haben bereits angekündigt, dass sie den Satz bei der kommenden Kreistagssitzung am 15. Oktober kaum so durchgehen lassen wollen.

Dabei ist die Frage des Egelner Standortes nur noch eine Frage der Zeit. Denn mit jedem Jahr verringern sich die Schülerzahlen in der Außenstelle. Fünfte Klassen wurden in diesem Jahr nicht in Egeln eingeschult. Ohne neuen Nachwuchs steht die Außenstelle aber demnächst sowieso ohne ausreichend Schüler da. Argwöhnisch beobachten Lokalpolitik und Eltern, was sich in der Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums so tut. In den vergangenen Wochen gab es hier reichlich Kritik.

Da empörten sich Eltern und Schüler über den Sportunterricht in den Klassen sieben bis neun. Anstatt die moderne Waldsporthalle zu nutzen, ertüchtigen die jungen Frauen und Männer ihren Körper in der schuleigenen Sporthalle. Mehr als 20 Jahre sei die für den Sport nicht mehr genutzt worden und sieht entsprechend aus. Sportgeräte musste die Kreisverwaltung erst einmal im Landkreis rekrutieren. Auf Anfrage bestätigte die Kreisverwaltung zudem, dass die Halle nun einen Prallschutz erhalten soll. Was das kostet, bleibt im Dunkeln. Nachfragen von Kreistagsmitgliedern gab es im zuständigen Schul- und Kulturausschuss im öffentlichen Teil der Sitzung dazu nicht.

Dafür kündigte die zuständige Dezernentin Petra Czuratis an, dass die Sekundarschule An der Wasserburg in Egeln einen Antrag auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule stellen wolle. Das Haus wolle in Zukunft ebenfalls einen gymnasialen Abschluss ermöglichen, sagte sie. Bereits jetzt gibt es eine Kooperation zwischen dem Dr.-Frank-Gymnasium und der Sekundarschule. Die Schulleitung der Sekundarschule habe angekündigt, einen Antrag noch in diesem Jahr auf Umwandlung stellen zu wollen.

Mit diesem Kompromiss könnten die Egelner in der Gemeinschaftsschule ihr Abitur ablegen, meinte sie. Die Idee hat sich inzwischen auch in der Egelner Lokalpolitik herumgesprochen.

Auswirkungen könnte die Umwandlung zur Gemeinschaftsschule außerdem auf den Schülerverkehr haben. Der Schulpolitik im Salzlandkreis geschuldet, haben einige Eltern der Egelner Mulde inzwischen den Schulen des Landkreises den Rücken gekehrt. Anstatt ihre Kinder nach Staßfurt zu schicken, lassen sie ihre Kinder das Gymnasium im Nachbarkreis besuchen.

Außerdem bewegt sich die Schülerbeförderung in einigen Orten der Egelner Mulde am Limit, was die erlaubten Beförderungszeiten für die Schüler betrifft. Mitunter muss der Landkreis hier Taxis einsetzen, damit die Fahrtzeit nicht dauerhaft überschritten wird.