Wenn sich sogar der ehemalige Bürgermeister Martin Kriesel in die Öffentlichkeit begibt, muss das schon einen besonderen Grund haben. Dieser besondere Grund ist Maria-Magdalena Knorn, deren Engagement für das Altenpflegezentrum St. Johannes gestern in höchsten Tönen gelobt wurde.

Staßfurt l Am eindrucksvollsten waren die Worte des ehemaligen Bürgermeisters von Staßfurt, Martin Kriesel, bei der gestrigen Verabschiedung von Maria-Magdalena Knorn (59) als Leiterin des Altenpflegezentrums St. Johannes in Staßfurt. Auch wenn er sich geschworen hatte, die Öffentlichkeit zu meiden, konnte er bei diesem Termin einfach nicht fehlen, sagte Kriesel. Denn es galt, seine tiefe Bewunderung für die Staßfurterin zum Ausdruck zu bringen.

Die Zeit kurz nach der Wende war eine aufregende, spannende, aber auch unsichere, begann Kriesel. "Es war alles in Bewegung". Man habe nicht immer gewusst, wohin die Reise geht. Als Bürgermeister in dieser Zeit des Umbruchs habe er starke Partner gebraucht und "einen solchen Partner habe ich in Dir gefunden", sagte er Maria-Magdalena Knorn. Und: "Du warst die Richtige, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort... Du hast mich nie im Regen stehen lassen."

Maria-Magdalena Knorn kam 1992 in die Einrichtung, wollte aber eigentlich nur zehn Jahre bleiben. Denn gemäß ihres Lebensmottos hatte sie sich geschworen, alle zehn Jahre etwas Neues zu machen, denn sie ist immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Aber sie verlängerte ihre Amtszeit, immer wieder. Aus zehn Jahren wurden 22.

Damals waren es 96 Bewohner im Haus und 33 Mitarbeiter, davon nur 17 in der Pflege. Die restlichen waren für Gebäude, Küche, Verwaltung zuständig. Maria-Magdalena Knorn beschrieb den damaligen Zustand des Hauses in den frühen 90er Jahren als Herausforderung. "Ja, wir hatten keine Aufzüge und alles musste über die Treppen befördert werden, die Wäsche, die Bewohner, das Essen. Da kam es schon mal vor, dass wenn jemand stolperte, die Königsberger Klopse wieder in den Keller kullerten", erzählte sie.

Ein Blick in die persönliche Statistik von Maria-Magdalena Knorn verrät: In den 22 Jahren lebten 970 Bewohnern im Altenpflegezentrum St. Johannes. Etliche Mitarbeiter hat sie für die Einrichtung gewonnen und sorgsam geführt. "Meine Mitarbeiter haben mich immer getragen", sagte sie gestern voller Dankbarkeit.

Begleitet hat sie 1998 auch den Umbau des Hauses und die Neueröffnung. 2003 kam die Erweiterung um den Anbau in der Neundorfer Straße. Die hauseigene Kapelle und die Sanierung des Altars sind ihr Verdienst. Auch den angrenzenden alten Friedhof ließ sie in einen schönen Park für die Heimbewohner verwandeln. Die Tiere dort sind heute fester Bestandteil des Pflegezentrums und bereiten den Senioren viel Freude.

Auf Maria-Magdalena Knorn wartet ab jetzt eine neue Herausforderung. Sie wird Mitarbeiter des Caritas-Verbandes in ganz Sachsen-Anhalt, Teilen von Sachsen und Brandenburg zum Thema Sterbebegleitung beraten. Sie wird Konzepte und Maßnahmen erarbeiten und umsetzen, die die Mitarbeiter von Pflegezentren bei der Sterbebegleitung unterstützen.

"Die Zahl der Menschen, die in unseren Einrichtungen sterben, ist gestiegen", erklärt sie. "Sie kommen später zu uns, sterben also früher. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter bei diesem Thema begleitet werden. Das ist eine Sache, die sie ziemlich beutelt und die emotional verarbeitet werden muss."

Mutig blickt sie voraus, sich diesem schweren Thema anzunehmen und sie freut sich auf die vielen Menschen, die sie in den Einrichtungen des Landes kennenlernen wird.

Ihr Ehemann Achim Knorn ist gerade aus der Arbeit in der Stadtverwaltung in den Ruhestand verabschiedet worden und beide haben sich erst vor Kurzem in einem neuen Zuhause eingerichtet.