Im Bürgerhaus in Staßfurt-Nord tanzen ab heute die Puppen. Eine muntere Frauengruppe kommt heute zu dem Dutzend Gruppen und Organisationen hinzu, die hier ihr Zuhause haben. Durch das Miteinander in diesem Haus konnte schon viel Schönes erreicht werden.

Staßfurt l Wer an einem Ort arbeitet, der tauscht sich aus, berät sich gegenseitig, knüpft Kontakte und beginnt das eine oder andere Projekt miteinander. Im Bürgerhaus in Staßfurt-Nord gedeiht diese Art der Zusammenarbeit seit Jahren.

Ein Beispiel und eine Neuigkeit zugleich sind die rührenden Frauen der "Puppenbühne Staßfurt-Nord". Sie üben in ihrer Freizeit zwei Mal in der Woche - ab heute in einem Raum des Bürgerhauses - um Kindern oder psychisch Beeinträchtigten ein paar schöne Stunden zu bescheren. Sie schreiben Märchen für das Puppentheater um, basteln Bühnenbilder und Kostüme für die Figuren und meistern ohne Gage verschiedene Auftritte in Kitas und anderen sozialen Einrichtungen. Demnächst wollen sie sich sogar von der künstlerischen Leiterin des Salzlandtheaters in Sachen Bühnenspiel fortbilden lassen.

"Wir machen das wirklich nur für den Spaß, wir wollen kein Honorar", sagt Gertraude Kustarnikow, die die Idee zum Projekt hatte und im November 2013 begann, Mitstreiter zu suchen. Die drei Frauen Doris Kraa, Uschi Klaffke und Gabriele Klingberg gesellten sich dazu und seitdem sind sie ein starkes Team. Die Stiftung Staßfurter Waisenhaus stellte ihnen eine transportable Bühne zur Verfügung. "Wir freuen uns wirklich sehr, dass sich das so entwickelt hat und dass wir anderen eine Freude machen können", sagt Gertraude Kustarnikow. "Auch wenn wir noch Verstärkung suchen. Zum Beispiel wäre auch ein Mann gut für die Stimme des `Bösen Wolfs` oder für das Handwerkliche wie das Basteln der Bühnebilder." Die nächsten Auftritte bei Wohnungsbaugenossenschaft und in einer Kita stehen schon.

Dass die Damen zueinandergefunden haben, ist auch dem Engagement-Zentrum der Volkssolidarität, das Astrid Moukaddam seit vergangenen Sommer im Bürgerhaus hat, zu verdanken. Ihre Hauptaufgabe ist es, Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, mit den Einrichtungen oder Vereinen zusammenzubringen, die diese Menschen brauchen. Mit dieser Arbeit, die schwer in Zahlen zu messen ist, wurde in Staßfurt-Nord ein guter Anfang gemacht. "Ich bekomme immer mehr Anfragen von Einrichtungen, die Ehrenamtliche suchen, und Menschen, die etwas tun wollen", sagt Astrid Moukaddam. Sie hat sich über Staßfurt-Nord hinaus einen Namen gemacht und vermittelt im Stadtteilbüro Nord auch bei ganz praktischen Problemen zwischen Nachbarn.

Das Zusammenspiel im Bürgerhaus hat aber auch ganz andere Facetten. Wenn das Jugendzentrum, das neben der Bibliothek auch hier angesiedelt ist, Hilfe braucht, sind die Jungs von verschiedenen Bands sofort zur Stelle. Erst kürzlich haben Phil und Co. von der Band "F.misd" aus Staßfurt - drei junge Männer, die im eleganten Outfit flotten Irish Folk bei Festen und Feiern spielen - und die Musiker von "Brot und Spiele" ("Hart-Schlager" beziehungsweise Punk Rock) im Jugendzentrum mit den Kindern die Wände neu gestrichen. Im Keller des Bürgerhauses haben nämlich vier junge Bands ihren Proberaum von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen.

Über die Hilfe kann sich Jugendzentrum-Leiterin Johanna Leinung nur freuen, hat sie ja immer viele Projekte am Laufen. Nach der Kreativwerkstatt und der Schmuckwerkstatt, die gut angelaufen sind, soll es in dem Jugendclub demnächst eine Ersthelferausbildung für Kinder von sechs bis zwölf Jahren geben.

Aber nicht, dass im Bürgerhaus nicht genug los wäre. Im Frauenzentrum treffen sich regelmäßig verschiedene Gruppen, von den Klöpplern bis zum Arbeitskreis "Hilfe bei Gewalt". Außerdem haben hier Verkehrswacht, Marinekameradschaft, Schiedsstelle, Frauenberatungsstelle und Schachclub ihr Zuhause.

   

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