Staßfurt l Die Salzlandsparkasse hat den Kritikern von hohen Überziehungszinsen den Wind aus den Segeln genommen. Man habe diese Abgabe ab dem 1. Oktober komplett gestrichen, wenn sich die Kunden im Rahmen der mit der Bank vereinbarten Dispositionskredite bewegen, teilte der Vorstandsvorsitzende Hans-Michael Strube in einem Pressegespräch mit.

Für eine darüber hinausgehende Inanspruchnahme der Konten, die kaum vorkomme, werde ein Zinssatz von 6,9 Prozent fällig, ergänzte Vorstandsmitglied Helmut Ibsch.

"Wir verdienen mit den Zinsen nicht mehr unser Geld."

"Wir verdienen mit den Zinsen nicht mehr unser Geld", sagte Strube und fügte hinzu: "Deshalb müssen wir uns unsere Dienstleistungen bezahlen lassen, denn sie sind ihren Preis wert."

In diesem Zusammenhang kündigte der Sparkassenchef eine Optimierung der Girokontenmodelle seines Hauses an. Ziel sei es, dafür zu sorgen, dass die Dienstleistungen besser passen. Die Kontoführung soll dann in der Regel gebührenpflichtig sein. "Wir wollen aber keine Online-Bank werden", sagte Strube.

Er und seine insgesamt rund 560 Mitarbeiter haben es sich auch zur Aufgabe gemacht, die Serviceleistungen im ländlichen Raum nicht aufzugeben. "Wir werden unsere 44 Filialen so lange erhalten, wie wir können", versprach Strube.

Im Erzgebirge zum Beispiel stünden nach einer Sparkassenfusion etliche kleine Geschäftsstellen vor der Schließung. "Wenn das Dorf in der Geschäftsstelle bleibt, bleibt die Geschäftsstelle im Dorf", umriss Strube seine Strategie. Das heißt, so lange die Dienstleistungen vor Ort von den Kunden angenommen werden und sich für das Kreditinstitut wirtschaftlich darstellen lassen, wird an der vorhandenen Struktur nicht gerüttelt.

Das bedeute aber nicht, dass die Sparkassen-Mitarbeiter in jedem Dorf von früh bis spät ansprechbar seien. Dort werde die Schließzeit auch für die Kundenberatung genutzt, sagte Strube, der die Geschäftsstellen auf dem Dorf auch als Kommunikationspunkte sieht. In den größeren Städten seien die Filialen weiterhin wochentags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Der persönliche Kontakt sowie die Beratung der Kunden sei für das mehr als 190 Jahre alte Kreditinstitut sehr wichtig, betonte der Sparkassenschef. Seinen Worten zufolge werde es Vergünstigungen für diejenigen geben, die mit seinem Haus eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

"Wir haben keinen Weinkeller, kein Boot, gar nichts."

Auf die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen Stendaler Sparkassenschef angesprochen, sagte Strube: "Was in Stendal passiert ist, darf nicht passieren." Ein Porsche als Dienstwagen gehöre nicht zu einer Sparkasse, die von und mit ihren Kunden lebe. "Wir haben keinen Weinkeller, kein Boot, gar nichts. Und wir vergeben auch keine Kredite an Leute, die uns wohlgesonnen sind", betonte der Chef der Salzlandsparkasse.

Und Ibsch ergänzte: "Wirtschaftsfördernder Auftrag heißt nicht, jemanden einen Gefallen tun zu müssen." Der Kapitalrückfluss müsse gewährleistet sein.

Strube: "Wir sind froh, einen Verwaltungsrat zu haben, der sich aus dem Tagesgeschäft heraushält. Wir versuchen, sehr transparent umzugehen, weil wir nichts zu verbergen haben."

Der Verwaltungsrat überwacht laut Sparkassengesetz des Landes Sachsen-Anahlt den Vorstand. Er erlässt die Geschäftsanweisung für den Vorstand, für einen etwaigen Kreditausschuss und für die Innenrevision. Unter anderem billigt er den Handlungskostenvoranschlag über Personal- und Sachaufwendungen und den Stellenplan. Für bestimmte nicht alltägliche Geschäfte schreibt das Gesetz die Genehmigung durch den Verwaltungsrat vor. In diesem Gremium haben vornehmlich Kreistagsmitglieder Sitz und Stimme. Den Vorsitz führt Landrat Markus Bauer (SPD) aufgrund seines Amtes.

Wie Strube weiter sagte, halte er sich auch an die Formel, dass er keinen größeren Dienstwagen als der Landrat haben dürfe, der einen Audi A 6 fährt, und keiner der Sparkassenmitarbeiter einen größeren Dienstwagen als er.