Verwundert und sauer sogar ist Valerij Primachenko, wie das neue Kartenbestellsystem des Salzlandtheaters angepriesen wird (wir berichteten). Das, welches er zuvor entwickelt hatte, sei ebenso hochgelobt worden. Der 23-jährige Programmierer vermisst aber bis heute Anerkennung und Schutz seines geistigen Eigentums.

Staßfurt l "Einfacher zu mehr Besuchern" - als er die Schlagzeilen zum neuen Kartenbestellsystem für das Salzlandtheater liest, ist er erst verwundert und dann richtig sauer. Valerij Primachenko erinnert sich noch genau daran, als erst vor vier Jahren etwa ein neues Bestellsystem mit ähnlichen Worten gepriesen wurde. Das hatte er programmiert für das Theater. 2010 sollte demnach auch schon alles einfacher gewesen sein. "Und aus Aschersleben kamen damals auch schon Besucher. Sogar aus Bayern", erklärt der 23-Jährige, der mittlerweile sein Bachelor-Studium für Computer-Mathematik abgeschlossen hat.

"Mir geht es nicht darum, dem Förderverein oder dem Theater zu schaden. Ich liebe das Salzlandtheater."

"Mir geht es nicht darum, dem Förderverein oder dem Theater zu schaden", versichert Valerij Primachenko, "ich liebe das Salzlandtheater." Und nach wie vor besuche er das Haus auch. Ihm gehe es vielmehr darum, dass er bis heute noch auf volle Anerkennung seines Betriebssystems warte. "Das bisherige Programm ist mein geistiges Eigentum. Ich habe keine Kontrollmöglichkeit, was damit geworden ist."

Es sei für ihn einfach seltsam. Mit Hilfe eines Rechtsanwalts habe er den Förderverein aufgefordert, entsprechend zu handeln. "Bis heute habe ich noch keine Anwort. Auch die letzte Rate für meine Arbeit für den Verein habe ich noch nicht erhalten", teilt der Freizeit-Programmierer mit und räumt ein, dass ihm mehr Geld geboten worden war. Im Gegenzug sollte er allerdings auf seine Ansprüche auf das System verzichten. "Das ist nicht das, was ich will", unterstreicht Primachenko. Und der Vertrag zwischen ihm und dem Förderverein sei bis heute nicht gekündigt.

Karin Marzahn, Vorsitzende des Fördervereins Salzlandtheater, gibt den Fehler zu, dass man es versäumt habe, eine entsprechende Vertragskündigung zu schreiben. "Wir wollen das auf jeden Fall nachholen", so die Vereinschefin. Man sehe es ein, "dass das noch nicht abgeschlossen ist". Allerdings sei auch noch keine Rechnungslegung für die letzte Rate erfolgt.

Dass das neue etwas mit dem Vorgänger-System zu tun habe, weist Marzahn allerdings zurück. "Das ist ein völlig neues Programm jetzt."

"Das ist ein völlig neues Programm jetzt. - Da hängt auch die Buchhaltung gleich mit dran."

Wie sie auf Nachfrage erklärte, habe man die Software nach Preisvergleichen mit anderen Anbietern von einer Firma aus Nordhausen erworben. Diese sei die preiswerteste gewesen.

Und zu dem Vorwurf, dass schon das Vorgänger-System alles einfacher gemacht habe, meint Karin Marzahn: "Das ist richtig. Das damalige System hat auch schon alles einfacher gemacht. Dieses jetzt hier ist aber noch besser. Da hängt auch die Buchhaltung gleich mit dran, deren Kosten wir damit einsparen können."

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