Güsten muss auch eine Radrennfahrer-Hochburg gewesen sein. Die Resonanz auf unser Heimatfotorätsel, das in der jüngsten Sonnabend-Ausgabe ein Radrennen in der ehemaligen Eisenbahner-Stadt zeigte, brachte wieder interessante Erinnerungen auf - in verschiedenen Orten.

Güsten l "Ja, dieses Foto habe ich sofort erkannt. Es entstand in Güsten bei einem Radrennen", schreibt Christa Steinsdörfer aus der Ränzelstecherstadt. "Die Rennfahrer kommen aus der Bahnhofstraße und biegen in den Freiheitsdamm ab. Die Straße auf der linken Seite des Fotos führt zum Bahnhof Güsten." Eine Legende im Güstener Radsport sei zu jener Zeit Max Händler gewesen. Die Volksstimme-Leserin übermittelte zudem dankenswerterweise ein anderes altes Foto vom 1. Großen Straßenrennen am 16. Juni 1963 in Güsten, was wir hiermit anstatt der aktuellen Ansicht der Kreuzung veröffentlichen. Die dürfte auch jeder kennen. "Allerdings starten die Radrennfahrer hierbei im Freiheitsdamm und fahren Richtung Bahnhofstraße", erklärt Christa Steinsdörfer ihr Bild.

"Das Foto zeigt die Friedensfahrt in Güsten im Kreuzungsbereich Hauptstraße Abzweig Osmarsleben", meint Renate Gräfe aus Neundorf. "Links im Bild befand sich ein Fahrradgeschäft. Durch meinen Wohnort Neundorf fuhr auch mehr als einmal die Friedensfahrt in den 1960er Jahren", berichtet sie zum jüngsten Heimatfoto-Rätsel. "Zu diesem Anlass wurden die Straßen im Ort mit Wimpelketten geschmückt, und die Radrennfahrer wurden begeistert an den Straßenrändern von vielen Einwohnern begrüßt und angefeuert. In meiner Erinnerung herrschte eine Volksfeststimmung."

"Ich würde sagen, der Ort ist Güsten anlässlich einer Friedensfahrt in den 1950er Jahren", meint dagegen Uwe Biermordt.

Und Uwe Nicolaus aus Staßfurt erklärt: "Das Bild ist Anfang der 1960er Jahre in Güsten aufgenommen. Es zeigt den Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Amesdorfer Straße/Freiheitsdamm. Im rechten Bildbereich (Wegweiser Alsleben 14 km). Was man nicht sieht, ist jetzt ein Parkplatz und die Guddenstein-Apotheke. Als Jugendlicher stand ich auch am Straßenrand, um die Radfahrer der kleinen Friedensfahrt anzufeuern. Leider waren die Straßenverhältnisse dort sehr schlecht, denn es gab noch keine Asphaltdecke, sondern nur Basalt- und Kopfsteinpflaster. Hinter der Litfasssäule befindet sich auch noch heute der Rudolf-Breitscheid-Platz."

Klaus Angres aus Wester-egeln erinnert sich sogar als damals aktiver Radsportler: "Am 28. Juni 1964 fand in Güsten ein DDR-offenes Radrennen ,Rund um Güsten` statt. Als aktiver Radfahrer der BSG Motor Mitte Magdeburg habe ich daran teilgenommen. Ich hatte leider etwa 40 Kilometer vor dem Ziel in der Verfolgergruppe liegend einen Reifenschaden und wurde nur 10. in der Leistungsklasse III." Die Junioren hatten immerhin 130 Kilometer zu absolvieren. Der Westeregelner machte uns mit einem Bericht über den "Großen Straßenpreis von Güsten" neugierig. Im Volksstimme-Archiv war zu finden, dass damals 320 Rennfahrer auf den 27-Kilometer-Kurs Güsten-Amesdorf-Schackenthal-Schackstedt-Alsleben-Bründel-Osmarsleben-Güsten gingen. "Über 2000 Zuschauer entlang der Strecke sahen packende Positionskämpfe in allen Klassen", hieß es unter anderem. Die Distanzen reichten von 27 bis 170 Kilometer. In dem Artikel erschienen auch Namen Güstener Radrennfahrer wie Manfred Lepka, Dieter Bauer, Bernd Borgsdorf und Peter Unverzagt.

Alle Rätselteilnehmer hätten eigentlich einen Preis verdient. Doch die Glücksfee ermittelte Klaus Angres als Gewinner eines Volksstimme-Erinnerungsgeschenks.

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