Nachdem das alte Bahnhofsgebäude in Förderstedt geschlossen wurde und die Bahn den Haltepunkt auch noch verlegte, drohte das Denkmal zu verfallen. Jetzt hat sich ein Liebhaber historischer Gebäude dafür gefunden.

Förderstedt l Seit dem Frühjahr ist ein neuer Mieter im historischen Bahnhofsgebäude von Förderstedt. Es handelt sich genauer um zwei Geschäftspartner, die hier drei verschiedene Projekte anfangen wollen. Sie haben das Gebäude, das im Besitz einer westdeutschen Immobilenfirma ist, angemietet.

Die Volksstimme hat einen der beiden Unternehmer vor Ort getroffen, als er gerade am Renovieren war. Das Problem: Er und sein Kollege möchten ihre Vorhaben noch nicht an die große Glocke hängen und zunächst anonym bleiben. Bei den Projekten handelt es sich um drei verschiedene Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten werden.

Während die Familie des einen Unternehmers noch in ihrer alten Heimat in Nordrhein-Westfalen ist, will der andere demnächst auch in die Region ziehen, sucht aber noch ein passendes Wohnhaus.

Die Liebe zu historischen Gebäuden ist dem Mann, den wir vor Ort treffen, anzusehen: "Ich mag dieses Historische und Rustikale. Das Aussehen des Gebäudes wird so bleiben wie es ist, muss es ja auch wegen des Denkmalschutzes", sagt er. Der gelernte Maurer renoviert zunächst alles im Alleingang, der Nachbar hilft manchmal. Wenn sein Geschäftspartner dann nachkommt und mitmacht, wird die Sanierung in Eigenleistung trotzdem ein bis zwei Jahre dauern, erklärt er.

Die beiden Wohnungen, die hinter dem Bahnhofsgebäude liegen und 1992 angebaut wurden, seien noch gut in Schuss, sagt er. Weiter hinten auf dem riesigen Gelände, das sich anschließt, seien noch die Ruinen der ehemaligen Stellwerke zu sehen. Neben dem Bahnhofsgebäude befindet sich ein Haus, in dem früher die Eisenbahner lebten und das bis heute als Wohnung dient.

Der Unternehmer und sein Partner sind bei ihren Projekten allerdings auf etwas angewiesen - sie müssen in Förderstedt akzeptiert werden. Wenn ja, werden sie das Gebäude kaufen, die Betriebe feierlich eröffnen und im Frühjahr zu einem Tag der offenen Tür einladen, um den Fortschritt bei den Bauarbeiten zu präsentieren. Aber man müsse abwarten, sagt er. Denn während sein Partner Deutscher ist, hat er einen Migrationshintergrund. Er hoffe, dass die Einwohner ihn annehmen.

Dass das Gebäude wichtig für die Eisenbahngeschichte der Region ist, zeigt ein Blick in die "Chronik Förderstedt" von Gerhard Schnock: "Der Bahnhof war zu DDR-Zeiten wichtiger Knotenpunkt und Umschlagplatz für den Personen- und Güterverkehr. Hier zweigte von der Hauptstrecke Magdeburg-Erfurt die Nebenbahn nach Blumenberg/Etgersleben ab, die in den 70er Jahren stillgelegt wurde".

Das Zementwerk Glöthe, das Umspannwerk und das Kalkwerk Förderstedt wurden über die Bahnstrecke beliefert. Bis zu 50 Eisenbahner arbeiteten hier. Zwei Stellwerke regelten den Betrieb. Nach der Wende verlor der Bahnhof an Bedeutung. Neun von zehn Gleisen wurden bis 2008 demontiert, die Stellwerke bereits 2006 stillgelegt, das Gebäude 2008 verkauft. Der Bahnhof hatte 2012 endgültig ausgedient, als er durch einen neuen Haltepunkt ersetzt wurde.

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