Trennt sich die Stadt nun auch vom Strandsolbad in Staßfurt? Der Kultur- und Bildungsausschuss hat Mittwochabend dem Stadtrat empfohlen, ein Interessenbekundungsverfahren einzuleiten.

Staßfurt l Für die Privatisierung der Anlage, die die FDP-Fraktion als Haushaltskonsolidierungsmaßnahme angeregt hatte, votierten sechs Ausschussmitglieder bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung.

Bei der zuvor erfolgten Haushaltsberatung für 2015 war deutlich geworden, dass es sich bei der Bewirtschaftung des etwa 41 000 Quadratmeter großen Grundstückes um ein Zuschussgeschäft handelt. Für das kommende Jahr geht die Verwaltung von einem Defizit von 75 000 Euro aus.

"Wir versuchen es so wirtschaftlich wie möglich zu betreiben", versicherte der Fachbereichsleiter, Hans-Georg Köpper. Eine solche, vom Wetter abhängige Einrichtung könne man aber schwer ohne ein Minus betreiben.

Günter Döbbel (FDP-Fraktion) schlug vor, dort etwas am Konzept zu ändern und das Strandsolbad als Naturbad zu betreiben mit niedrigen Wartungskosten.

Wenn der Stadtrat dem Ausschussvotum folgt, wird Oberbürgermeister René Zok (parteilos) beauftragt, im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens zu prüfen, ob Anwärter für die Übernahme des Strandsolbades als Pächter vorhanden sind. Mit ihm sollen dann vor dem Vertragsabschluss gegebenenfalls notwendige bauliche Veränderungen festgestellt werden. Dabei sollen der historische und der geschichtlich bedeutsame Charakter des Objektes, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts nach einem Tagesbruch entstanden ist, gewahrt werden.

Angesprochen werden sollen damit in erster Linie Bewerber aus dem Sport-, Freizeit-, Bade- und Tourismusanlagenbereich.

Ausschusschef Gerhard Wiest (Linke) sagte, das könne man nicht mit der Verpachtung des Löderburger Sees vergleichen. Mit der Bungalowsiedlung bestehe ein Problem für jeden, der das Strandsolbad übernehmen wolle, so Wiest in Anspielung auf die Tatsache, dass das Bad und die Bungalow-anlage ein Flurstück bilden.

Für die Pächtersuche sprach sich der Chef der Fraktion UWG Salzland/AfD, Hartmut Wiest, aus. Es dürfe dort aber nicht zu Konkurrenz-Familienveranstaltungen kommen. Er setzte die Formulierung durch, dass die Stadt unter Einbeziehung der Bungalowsiedlung Betreiber und Entwickler suche. Zuvor hieß es gegebenenfalls unter Einbeziehung....

Auf Antrag von Heike Schaaf (CDU) verständigten sich die Ausschussmitglieder darauf, dass die Bewerber statt eines Nachweises über die Höhe ihres Umsatzes in den letzten beiden Geschäftsjahren einen Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit vorlegen müssen. Sie müssen das Bad mit seinem Mehrzweckgebäude inklusive einer zurzeit verpachteten Gaststätte und Imbiss, Umkleidekabinen und Sanitäranlagen dann auch weiterhin für die Staßfurter und ihre Gäste als attraktiven Standort für die Freizeitgestaltung vorhalten.

"Die Entwicklung, Bewirtschaftung und Betreibung des Strandsolbades Staßfurt soll auf der Grundlage eines Pachtvertrages (derzeitige Verhandlungsgrundlage) erfolgen, wobei aber auf jeden Fall von Mai bis September weiterhin ein öffentlicher Badebetrieb sicher zu stellen ist", heißt es in der Beschlussvorlage. Von den Interessenten werde Erfahrung sowie wirtschaftliche und fachliche Kompetenz zwingend vorausgesetzt.

Die Stadt lässt bereits den Löderburger See und die Badeanstalt Albertinesee mit Erfolg privat bewirtschaften.