Hecklingen l Wo sonst der Stadtrat tagt, gackert und kräht es diesmal. Die Rassegeflügelzüchter der Kleinstadt sind für ein Wochenende zu Besuch. Auf der Herbstschau zeigen sie ihre besten Jungtiere aus der aktuellen Zucht. Rolf Arnold freut sich über die große Vielfalt der Ausstellung. Seit 1950 züchtet er selbst als Mitglied im Verein. Seine Kollegen hätten ihn damals überzeugt, als er seine Lehre im Bergbau anfing, erinnert er sich.

Nun kurz vor dem 80. Geburtstag falle ihm die Zucht doch langsam etwas schwer, gibt er am Rande zu. In den vergangenen 25 Jahren seit dem Fall der Mauer habe sich viel getan, blickt er kurz zurück. Heute seien die Kleintiere nur noch störend für viele, weiß er. Er kennt die Geschichten, wo sich die Nachbarn über das Gegacker oder Krähen der Tiere neuerdings beschweren.

Als er 1950 mit der Zucht begann, sei dies noch anders gewesen. Da gehörten Tiere im ländlichen Raum und auch in einer Kleinstadt wie Hecklingen einfach dazu.

Ein Lichtblick für den kleinen Verein sind die vier Jugendlichen, die entgegen dem Trend das Durchschnittsalter im Verein etwas drücken, schildert Rolf Arnold. Die Mehrzahl der Tiere sind heute die Zwerghühner. Sie machen nicht so viel Arbeit, meint er. Außerdem seien sie nicht so schwer und groß. Deshalb sind sie bei den Züchtern beliebt.

Im Jahr 95 seit seiner Gründung sei die Rassezucht aber ein aussterbendes Hobby, schätzt Rolf Arnold ein. Gleich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Hecklingen der Rassezuchtverein gegründet. Dabei ging es Mitgliedern vor allem um die Verbesserung der Lebensmittelversorgung. Die Vereine erfreuten sich dabei überall großer Beliebtheit. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war dies so, weiß er. Doch mit der besser werdenden Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ließ das Interesse jeweils nach. Und so sind es vor allem die älteren Generationen, die die Fahne der Zuchtvereine hoch halten. Dabei unterstützen die Hecklinger Züchter jeden neuen Züchter nach besten Kräften. Stolz sind sie auf ihre Jugendlichen. Doch selbst wer als Jugendlicher Gefallen an der Zucht gefunden habe, müsse später nicht dabei bleiben, meint Rolf Arnold. Zu wenig junge Leute blieben in der Stadt, seufzt er. Heute seien die Jugendlichen eher an Computern interessiert, als an der Zucht von Rassetieren, weiß er von seinen Enkeln. Das sei halt der Wandel der Zeit, ist er überzeugt.

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