1957 war es keine Seltenheit, dass der Nachwuchs noch zu Hause das Licht der Welt erblickte - wie Inge Schmidt. Judie Sue machte es nun ihrer Oma nach und darf sich auch eine waschechte Güst`nerin nennen.

Güsten l "Hier war`s", zeigt Inge Schmidt in die Mitte des Wohnzimmers und meint, wo sich am Nachmittag des 20. November die Hausgeburt ihrer jüngsten Enkelin abspielte. Ganz aufgeregt sei sie gewesen, mehr wohl als ihre Tochter Carolin. "Das macht man ja auch nicht alle Tage", entschuldigt sich die Geburtshelferin fast. "Gegen 15.05 Uhr hatte ich meine erste Wehe", erinnert sich die frischgebackene Mutti. 16.15 Uhr war Judie Sue da.

"In Güsten geboren - das kann heute wohl kaum jemand von sich behaupten."

In der Stunde dazwischen hatte die Oma den Notarzt und den Papa auf Arbeit in Nachterstedt angerufen und quasi ihrer Tochter als Hebamme zur Seite gestanden. Es ging alles glatt.

2990 Gramm wog die Dritte in der Schmidtschen Nachwuchsrunde, war 50 Zentimeter groß.

Als die Notarztbesatzung kam, war (fast) alles erledigt. "Ein Rettungssanitäter hat noch gefragt, ob der Papa die Nabelschnur hier gleich durchschneiden will oder in der Frauenklinik in Aschersleben", weiß Inge Schmidt noch. Das wäre ausschlaggebend für den Geburtsort gewesen, sei ihr erklärt worden. Frank Schmidt ließ sich nicht lange bitten. "In Güsten geboren - das kann heute wohl kaum jemand von sich behaupten", ist der Papa doch stolz. "Ich schon",wirft Inge Schmidt ein, "Auf der Chaiselongue zu Hause." Chaiselongue? "Na auf der Couch", übersetzt die 57-Jährige ihren Kindern.

Eltern in Staßfurt geboren, die Kinder in Bernburg, Aschersleben und Güsten

Geplant war die Geburt von Judie übrigens überhaupt nicht in Güsten, sondern in der Klinik in Aschersleben - und das auch erst zwei Wochen später. Judie Sue wollte aber einfach nicht mehr länger warten.

Auf der Geburtsurkunde ihrer großen Schwester Celine steht derweil Bernburg als Geburtsort, bei Bruder Luca Joel Aschersleben.

Als ihre Eltern vor 31 beziehungsweise 24 Jahren geboren wurden, war es für Güstener keine Frage, noch in der Frauenklinik Staßfurt das Licht der Welt zu erblicken.