Staßfurt l Das Gute zuerst: Die Restabfallgebühren werden für den Salzlandkreis sinken. "Das liegt daran, dass wir sehr gute Verwertungsergebnisse bei den Ausschreibungen bis 2019 erzielen konnten", erklärt Ralf Felgenträger, Leiter des Kreiswirtschaftsbetriebs (KWB), im Betriebsausschuss. Das heißt, dass die Restabfallgebühr von vormals 42,56 Euro auf künftig 34,42 Euro gesenkt werden.

Aber: Mit dem neuen Jahr erreicht auch die Salzländer eine wesentliche Änderung. Ab 1. Januar 2015 gilt die bundesweite Regelung, dass Bio-Abfälle nur noch getrennt gesammelt werden dürfen. Bisher galt das Nutzen der Biotonne als freiwillig. Das wurde im Altkreis Schönebeck - aus der Historie gewachsen - bereits so gehandhabt, so dass hier bereits ein Anschlussgrad von rund 70 Prozent herrscht. In den anderen Altkreisen wurde diese Möglichkeit bisher auch genutzt, aber weniger. Nun ist die Rede von Anschlusszwang.

Die Verantwortlichen im KWB haben dazu eine neue Abfallgebührensatzung erarbeitet, die regulär neu gefasst werden muss und bis 2017 kalkuliert ist. Demnach sollen die Bürger zusätzlich zur Restabfallgebühr eine Gebühr für die Abfuhr des Biomülls zahlen. "Das haben wir auf zwölf Euro pro Einwohner pro Jahr kalkuliert", sagt Ralf Felgenträger.

Das heißt, die Abfallgebühr, die Restabfall sowie Biomüll beinhaltet, beträgt ab 1. Januar 46,42 Euro. Dieser neue Preis bietet für die einen Vor-, für die anderen Nachteile, stellt Ralf Felgenträger im Betriebsausschuss fest. "Wer schon die Bio-Tonne genutzt hat, hatte eine Gebühr von 50 Euro zu zahlen", rechnet er ein Beispiel vor. Diese Bürger werden also mit dem 1. Januar eine Gebührensenkung insgesamt verspüren. Anders bei den Nutzern der grauen Restabfall-Tonne. Die Nicht-Trenner zahlten bisher 43,60 Euro und müssen sich ab Januar mit den genannten 46,42 Euro anfreunden. Für sie bedeutet die Trennung des Biomülls also eine Gebührenerhöhung. Man spreche hier von vier Euro im Jahr, sagt Felgenträger.

Ausnahme bei eigener Kompostierung möglich

Auch die Mitglieder des Betriebsausschusses sehen das nicht als negativen Aspekt für die Bürger. Diskussionsbedarf zeigt sich derweil an anderer Stelle: bei der Umsetzung der gesetzlichen Regelung. Der KWB plant, dass jeder Haushalt eine Bio-Tonne, die allgemein als braune Tonne bekannt ist, bereitgestellt bekommt.

Warum sich der Betrieb für die Einführung der Tonne anstelle der Bioabfallsäcke entschiedet, hat mehrere Gründe. So führt Felgenträger in der entsprechenden Beschlussvorlage aus, dass das Verhältnis von Aufwand und Nutzen für den Bürger bei der Tonne besser ausfalle als bei dem Sack. "Bei der Sammlung der Bioabfälle in einem Sack muss ein beständiges Material verwendet werden muss, welches dem Sonneneinfluss, schwierigen Witterungsbedingungen und dem Gährungsprozess standhalten kann", sagt Felgenträger. Das wiederum würde einer optimalen Verwertung des Bioabfalls entgegenstehen, so der Betriebsleiter. Vorteil eines festen Behälters sei ebenso, "dass der Bürger nicht auf den Einfluss streunender oder wilder Tiere achten muss und die regelmäßige Beschaffung eines Sackes entfällt". Durch die Abholung der Biotonnen im 14-tägigen Rhythmus, analog der Rest-abfalltonne, "ist eine gewisse Gewohnheitsbildung gegeben", nennt er einen weiteren Aspekt. Und nicht unwesentlich sei, dass "wir bereits über ein ausgeklügeltes Entsorgungssystem verfügen", sagt Ralf Felgenträger. In den Altkreisen Bernburg und Aschersleben sei eine vermehrte Nutzung der Bio-Tonne zu verzeichnen, so dass der KWB bereits seine Biomüll-Touren durch den gesamten Landkreis fahre. Einziger Unterschied zu heute wäre für den kreiseigenen Betrieb eben die Anzahl der zu entsorgenden Bio-Tonnen.

Selbstverständlich wird es am Ende auch Ausnahmen von der Regel geben. Darauf verweist Felgenträger: "Wer uns nachweisen kann, dass er den Bio-Müll auf dem eigenen Grundstück kompostiert, kann vom Anschlusszwang befreit werden." Eine entsprechende Analyse erfolgt derzeit. "Wir schicken an alle Haushalte, die noch nicht die braune Tonne nutzen, eine Karte, auf der sie ankreuzen können, ob sie die Tonne nutzen oder selbst kompostieren wollen", berichtet der Betriebsleiter.

Die Betriebsausschussmitglieder stimmen der neuen Abfallgebührensatzung und der Abfallentsorgungssatzung des Salzlandkreises zu.

Der Kreistag entscheidet über die Satzung am 17. Dezember.